Logo der Sparkasse an einer Gebäudefassade | dpa

Kreditinstitute Weitere Sparkassen vor der Fusion

Stand: 21.02.2022 10:15 Uhr

Die Zahl der Sparkassen in Deutschland sinkt seit Jahren. Nun könnte sich der Prozess beschleunigen, denn es fusionieren wieder mehr Sparkassen. Das hat auch Konsequenzen für die Kunden.

Von Lilli-Marie Hiltscher, tagesschau.de

Die Sparkassen Paderborn-Detmold und Höxter prüfen derzeit eine Fusion, ebenso die Sparkassen Moosburg und Freising. Auch die Kreissparkasse Steinfurt und der Verbund-Sparkasse Emsdetten-Ochtrup und die Sparkassen Mittelfranken-Süd und Ingolstadt-Eichstätt verhandeln nach Medienberichten über einen Zusammenschluss. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort. Denn seit Jahren fusionieren deutsche Sparkassen: Während 2000 noch 562 Institute in Deutschland existierten, gibt es nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) zu Beginn des Jahres 2022 nur noch 367 Sparkassen.

Lilli Hiltscher

Diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. "Der DSGV geht davon aus, dass die moderate Fusionsbewegung der vergangenen Jahre anhalten wird, eine Fusionswelle sehen wir aber nicht", so der DSGV auf Anfrage von tagesschau.de. Tatsächlich ist das Phänomen bei den Sparkassen überschaubar - im vergangenen Jahr gab es gerade einmal sechs Fusionen.

Anders ist die Situation bei den Volksbanken: Nachdem es während der Corona-Krise weniger Zusammenschlüsse gab, nahmen sie im vergangenen Jahr wieder deutlich zu. Mehr als 40 Fusionen fanden nach Angaben der Beratungsfirma Zeb 2021 statt. Während es zur Jahrtausendwende noch mehr als 1700 Genossenschaftsbanken gab, schrumpfte die Zahl mittlerweile auf unter 800. Und auch für das laufende Jahr liegen beim Genossenschaftsbank bereits Absichtserklärungen für 15 Zusammenschlüsse vor: "Mit Blick auf die unveränderten Herausforderungen durch Negativzinsen, Regulatorik und Digitalisierung, aber auch angesichts der Transformationsbestrebungen zu einer nachhaltigen Wirtschaft, wird sich dieser Prozess weiter fortsetzen", prognostiziert der Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbandes, Ingmar Rega.

"Veraltetes Geschäftsmodell"

Getrieben werden die Fusionen vor allen durch die Regulierung: "Die stetig steigenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen" seien speziell für kleine und mittlere Institute eine immer größere Belastung, so der DSGV. Michael Koetter, Leiter der Abteilung Finanzmärkte und stellvertretender Präsident beim Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), sieht aber noch einen Grund dafür, dass es seit Jahren einen Trend zu Fusionen gibt: "Gerade die Sparkassen können mit ihrem veralteten Geschäftsmodell im gegenwärtigen Nullzinsumfeld und ihren zu kleinen Betriebsgrößen kaum noch Geld verdienen."

Seit Jahren steige die kritische Größe, bei der die Banken profitabel seien, erklärt der Experte. Denn die Sparkassen verdienen noch immer den Großteil ihres Geldes mit dem eigentlichen Kerngeschäft der Banken: Einlagen von Sparern werden gegen Gebühr als Kredite an Unternehmen und Privatpersonen vergeben. Doch durch die Nullzinspolitik, die dazu führt, dass Banken Kredite zu sehr niedrigen Zinsen vergeben, sinken die Einnahmen der Banken: "Zusammen mit den hohen Fixkosten, die Sparkassen etwa durch das Betreiben von Filialen in letztlich politisch und nicht ökonomisch definierten regionalen Märkten betreiben, werden sie immer unprofitabler", erklärt der Experte vom IWH im Gespräch mit tagesschau.de.

Die Bankentypen in Deutschland

Das deutsche Bankensystem gehört zu den größten der Welt, die Anzahl der Geldhäuser ist hierzulande höher als in anderen Ländern. Das liegt vor allem an der international ungewöhnlichen Struktur des deutschen Bankwesens: In Deutschland gibt es mit Privatbanken, genossenschaftlichen Kreditinstituten und Sparkassen drei verschiedene Bankentypen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind hauptsächlich innerhalb eines festgelegten Geschäftsgebiets tätig. Sparkassen stehen in der Regel unter kommunaler Trägerschaft und sind dem Gemeinnützigkeitsprinzip verpflichtet.

Neue Kontonummern und teils höhere Gebühren

Fusionen seien eine naheliegende Konsequenz: "Es gibt bereits heute eine enge Zusammenarbeit bei bestimmten Diensten, die zu Kosteneinsparungen führen." So sei schon seit Jahren ein Rechenzentrum für alle Sparkassen verantwortlich, anstelle eigener Rechenzentren für die einzelnen Institute. Das mache die Arbeit der Sparkassen effizienter. Bisherige Zusammenschlüsse hätten auch weitere Vorteile gebracht: "Die Kreisreformen nach der Wende, bei der Kreise zusammengelegt wurden, zwang auch einige Sparkassen zu Fusionen. Die Sparkassen, die daraus hervorgingen, waren wesentlich profitabler und auch die Kunden konnten durch geringere Kapitalkosten davon profitieren."

Gleichzeitig verweist der Experte im IWH aber auch auf die Landesbanken: "Bei aller Notwendigkeit zur weiteren Konsolidierung lokaler Sparkassen ist der Bedarf nach gestrafften Strukturen bei den Landesbanken vermutlich noch dringender - und noch politischer!"

David Riechmann von der Verbraucherzentrale NRW verweist allerdings darauf, dass es auch immer wieder zu höheren Kosten für die Kunden kommt, wenn die Gebührenmodelle angepasst werden. "Teilweise werden auch neue Kontonummern (IBANs) vergeben", so der Verbraucherschützer. Betroffene Kunden sollten in jedem Fall aufmerksam sein, da sich auch die Zuständigkeiten der Mitarbeiter ändern können.

Immer weniger Sparkassenfilialen

Gleichzeitig bedeuten die Fusionen häufig auch, dass Filialen geschlossen werden. Zwar bestreitet das der DSGV: "Die Fusion hat ja keinen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit in der jeweiligen Filiale." Demnach führen Fusionen nicht automatisch zur Schließung von Filialen.

Und dennoch sinkt auch die Zahl der Filialen seit Jahren: Während zur Jahrtausendwende noch fast 17.000 Zweigstellen der Sparkassen existierten, sank die Zahl bis 2020 auf etwas mehr als 8000. Für die Sparkassenkunden bedeuten die Schließungen neben dem Wegfall der persönlichen Beratung bei Bankgeschäften auch, dass es immer weniger Geldautomaten gibt, an denen Geld abgehoben, eingezahlt oder auch überwiesen werden kann. Vor allem für ältere Menschen und Bankkunden, die kein Online-Banking nutzen möchten, wird diese Entwicklung zunehmend problematisch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2021 um 18:40 Uhr.