Eine junge Frau beobachtet mit ihrem iPhone die Aktienkurse in der App Stocks | picture alliance/dpa

Neuer Trend Wie Finfluencer Social Media erobern

Stand: 09.01.2022 12:50 Uhr

Geldanlagen und die private Altersvorsorge – lange kein Thema für junge Menschen. Der Boom auf Finanz-Influencer, kurz Finfluencer, zeigt aber: Das Interesse an Finanzthemen ist so hoch wie lange nicht mehr.

Von Bo Hyun Kim, HR

Mit Trends auf Social Media verhält es sich wie mit den wechselnden Kleiderkollektionen in den Schaufenstern - nur wenige können sich halten und die meisten müssen dem nächsten Hype weichen. Seit einiger Zeit aber ist zu beobachten, wie ein Thema in den sozialen Netzwerken immer mehr Aufmerksamkeit bekommt und die treue Followerschaft mit jedem Tag wächst: Finfluencer erklären auf YouTube, Instagram oder TikTok, wie die Finanzwelt funktioniert. Einfach, schnell verdaubar und anschaulich ist dabei ihr Content. Follower bekommen nicht nur Begriffe wie "ETFs" oder "versunkene Kosten" erklärt, sondern können auch Tag für Tag beobachten, in welche Aktien die Finfluencer selbst investieren.

Die Community verfolgt gebannt den Aktienverlauf und die monatlichen Dividenden ihrer ganz eigenen Stars. Viele Influencer zeigen weder ihr Gesicht noch Privates - es geht nur um Zahlen, Prozente und die nächsten spannenden Aktien. Unter den Posts diskutieren die User und beglückwünschen sich gegenseitig zu ihren Käufen.

Einer der erfolgreichsten Instagram Finfluencer ist Ben Offenberger, besser bekannt als "Beamteninvestor". Jeden Tag erreicht der 38-jährige Beamte aus der Nähe von Heilbronn mehr als 50.000 Follower mit einer Mischung aus Updates zu seinem eigenen Depot, Neuem aus der Finanzwelt und Informationen zu Aktienentwicklungen. Dabei legt Offenberger sein gesamtes Portfolio, seine Renditen und seine Sparpläne offen - für jeden einsehbar.

Ben Offenberger  | privat

Ben Offenberger ist der "Beamteninvestor". Bild: privat

Corona-Crash als Katalysator

Der Großteil seiner Follower sei männlich und zwischen 24 und 35 Jahre alt, erklärt Offenberger gegenüber tagesschau.de. Als er selbst vor zehn Jahren zum ersten Mal investiert habe, habe es weder in seinem Umfeld noch im Internet jemanden gegeben, der transparent über diese Themen gesprochen habe. Als er 2019 mit seinem Kanal angefangen habe, sei er noch einer von wenigen Finfluencern gewesen. Bis heute sei er verwundert über seinen Erfolg.

Dieser basiert nach seiner eigenen Einschätzung auf zwei Faktoren: Er beobachte, dass das Vertrauen junger Menschen in die gesetzliche Rente sinke. Vielen sei bewusst, dass sie sich langfristig selbst um ihre private Altersvorsorge kümmern müssen. Der Corona-Crash an der Börse im Frühjahr 2020 sei dann der Auslöser für viele gewesen zu investieren - und er konnte Wissen und Informationen liefern.

Anreize statt Anlagetipps

Anders als anderen Finfluencern ist es ihm wichtig, seinen Followern keine Kaufanweisungen zu geben. "Ich empfehle da keinem etwas, mache auch keine Beratung, sondern zeige nur, was ich mache. Da kann man sich inspirieren lassen, aber jeder muss sich seine eigene Meinung und seine eigene Strategie zurechtlegen."

Einige Partnerschaften ist Offenberg mit verschiedenen Kauf- und Handelsplattformen für Aktien, Neo-Brokern wie Trade Republic oder Scalable Capital, eingegangen. Er empfiehlt seinen Followern die Plattformen und profitiert finanziell, wenn es zu einer Depoteröffnung kommt.

Er selbst sieht die neue Welle an Neobrokern als zweischneidiges Schwert. "Ich finde es gut, dass es dieses niederschwellige Angebot der Neobroker gibt mit geringeren Gebühren und intuitiven Apps. Aber es verleitet auch dazu, zu viel zu handeln. Bei einem Broker mit höheren Gebühren überlegt man es sich doch zweimal, bevor man schnell kauft und verkauft."

Finanzthemen verbrauchernah und schnell erklärt

"Die allermeisten Menschen wollen reich werden, ohne dabei viel zu arbeiten. Daher rührt auch das Interesse an Finanzthemen", erklärt BWL-Student Simon Schöbel aus Mannheim, alias "InvestScience", auf TikTok. Seinen 220.000 Followern erklärt er die Finanzwelt in 30 Sekunden. Als er 2020 während der ersten Corona-Welle seinen Kanal startete, habe er sich einfach mal ausprobieren wollen, sagt Schöbel im Gespräch mit tagesschau.de.

Simon Schöbel  | privat

Simon Schöbel erklärt auf TikTok Finanzthemen. Bild: privat

Es sei eine Herausforderung gewesen, Inhalte mit Finanzbezug spannend zu erklären und anfangs habe er keinen Erfolg gehabt. Zu komplex, zu nischig und zu viele Fachbegriffe hätten potenzielle Follower abgeschreckt. Erst seitdem sich Schöbel auf Comedy-Elemente und verbrauchernahe Themen fokussiert habe, würden ihm immer mehr Menschen folgen.

Heute sind auf seinem Kanal Sketche zu sehen, in denen Verhandlungssituationen nachgespielt, ETFs vorgestellt, aber eben auch humoristisch verschiedene "Finanz-Typen" nachgemacht werden. Ergänzt werden die Erklärvideos durch kurze Interviews mit Finanzprofessoren oder Verbrauchertipps.

"Schneller Reichtum ist unrealistisch"

Seine jüngsten Zuschauer seien 13, die meisten jedoch zwischen 16 und 19. "Viele meiner Follower wollen ein anderes Leben führen als ihre Eltern. Ich versuche in meinen Videos klar zu machen, dass schneller Reichtum unrealistisch ist, aber dass es Möglichkeiten gibt, sich etwas aufzubauen."

In der kurzen Zeit auf TikTok habe er bereits viel lernen können und durch das schnelle Feedback sich immer wieder weiterentwickeln können. Finanziell profitiert auch er durch Werbepartnerschaften mit Neobrokern.

Der Zukunft der Finfluencer sieht Schöbel positiv entgegen. Der Trend werde weitergehen und bei der Fülle an neuen Themen wie Krypto-Währungen gebe es für die Finfluencer noch viel zu tun. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Februar 2021 um 10:57 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 09.01.2022 • 22:40 Uhr

19:39 Uhr von Karl Maria Jos…

aber auf welchem sparbuch gibt es in deutscheland zinsen? ich bin bei einer bank, die nimmt die strafzinsen ab dem 1. €. aber da hab ich kein guthaben, sondern preiswerten kredit. ansonsten sind die gebühren niedrig. Viele (die meisten) Sparkassen zahlen noch Positivzinsen auf Sparguthaben. So was zwischen 0,25% und 0,5%. Viel ist das nicht, evtl. gibt es auch welche mit 0,75%. Was auch nicht viel ist. Aber so was gibt es schon noch. Ganz unwählbar sind Unterschiede zwischen Banken nicht.