US-Notenbankchef Jerome Powell | AP

Zinswende in den USA Was die Fed-Aussagen für die Börse bedeuten

Stand: 27.01.2022 13:02 Uhr

Obwohl die US-Notenbank den Leitzins gestern noch nicht erhöht hat, werden die Aussagen ihre Chefs Jerome Powell als Signal für eine Serie von Zinserhöhungen bis Jahresende interpretiert. Experten sehen das als Problem für die Aktienmärkte.

In den USA zeichnen sich für das laufende Jahr kräftigere Zinserhöhungen ab, als zuletzt angenomen. Darauf deutet die Entwicklung am billionenschweren US-Geldmarkt hin, auf dem kurz laufende Anleihen mit einer Fälligkeit bis zu maximal einem Jahr gehandelt werden. Zwar hatten die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins gestern wie erwartet noch in der Spanne von 0,00 bis 0,25 Prozent belassen. Doch mit seinen Aussagen auf der Pressekonferenz im Anschluss daran versetzte Fed-Chef Jerome Powell die Märkte in Unruhe.

Besondere Aufmerksamkeit riefen Äußerungen Powells hervor, die an den Märkten als Hinweis auf eine rasche Zinsstraffung gedeutet wurden. So erklärte er, dass die Ausgangssituation heute anders sei als bei der letzten, eher vorsichtigen Zinswende der Fed ab dem Jahr 2015. Powell verwies dabei auf die Inflation in den USA von sieben Prozent und eine Arbeitslosenquote von knapp vier Prozent, die er als "Vollbeschäftigung" interpretierte. Eine Frage, ob die Fed auf jeder der planmäßig noch sieben Zinssitzungen in diesem Jahr ihren Leitzins anheben könnte, ließ Powell offen.

Fünf Zinsschritte werden wahrscheinlicher

Mit sieben Zinserhöhungen rechnen die Märkte bisher allerdings noch nicht. Das so genannte "Fed Watch Tool" der US-Terminbörse CME zeigt am Tag nach Powells Aussagen, dass nach der letzten Zinssitzung dieses Jahres im Dezember der Leitzins mit der größten Wahrscheinlichkeit in einer Spanne von 1,25 bis 1,5 Prozent liegen dürfte. Um diese Zinsniveau zu erreichen wären fünf Zinsanhebungen der Fed in diesem Jahr nötig. Vor der Fed-Zinssitzung waren es noch vier Anhebungen gewesen. Die Wahrscheinlichkeiten für die mögliche Leitzinsentwicklung wird dabei aus bereits eingegangenen Börsengeschäften der Marktteilnehmer an der CME abgeleitet.

Sorgen bei Arbeitsmarkt und Inflation

"Die Fed ist vielleicht in der schwierigsten Lage seit den 1970er-Jahren. Die hohe Zahl der freiwilligen Kündigungen von Arbeitnehmer/innen zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt auf Vollbeschäftigung und anhaltende Lohnanstiege im Wettbewerb um Arbeitskräfte zusteuert", kommentierte Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. "Die Arbeitnehmer kommen nicht in dem Maße zu ihren Arbeitsplätzen zurück, wie es zu erwarten gewesen wäre. Es herrscht Mangel an Arbeitnehmern. Höhere Entgelte können aber zu einer gefährlichen Lohn-Preis-Spirale führen", erläuterte Thomas Gitzel von der VP Bank.

Zudem hatte die Fed angedeutet, dass sie ihre Bilanz in Zukunft wieder "verkürzen" möchte. Das bedeutet, dass sie in Zukunft nicht nur keine Anleihen mehr am Markt aufkaufen wird, also ihre Politik des "Quantitative Easing" einstellt. Vielmehr will sie zukünftig eine Politik des "Quantitative Tightening" verfolgen, indem sie die frei werdenden Gelder auslaufender Anleihen in ihrem Bestand nicht mehr vollständig am Markt einsetzt, um neue Anleihen zu kaufen. Den Märkten dürfte damit per Saldo nach und nach Liquidität entzogen werden. Damit ist die Fed deutlich weiter als die Europäische Zentralbank (EZB).

Ein Problem für die Aktienmärkte

Speziell für die Börsen sind die Pläne der Fed nicht die besten Aussichten. "Damit ist auch der jahrelange sogenannte Fed-Put für den Moment passé. Dahinter steckt der Gedanke, die Fed würde nicht nur ihre beiden Ziele Vollbeschäftigung und Preisstabilität, sondern auch immer den Aktienmarkt im Auge haben und diesen vor starken Korrekturen bewahren - also eine Art Absicherung für Investoren. Aktuell ist aber genau das Gegenteil der Fall", erläuterte Eckhard Schulte von MainSky Asset Management.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Januar 2022 um 09:05 Uhr in der Börse.