Euro-Zeichen auf der beleuchteten Fassade der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main | REUTERS

Geldpolitische Wende EZB lässt Notprogramm auslaufen

Stand: 16.12.2021 15:26 Uhr

Nach der Fed leitet auch die EZB den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik ein. Zwar bleiben die Zinsen unverändert, doch das Pandemie-Notprogramm läuft im März aus. Europas Notenbanker rechnen mit steigender Inflation.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Ende März kommenden Jahres ihr in der Pandemie aufgelegtes billionenschweres Anleihekaufprogramm beenden. Das hat heute der EZB-Rat beschlossen. In den ersten drei Monaten werden die krisenbedingten Zukäufe auch 2022 noch fortgesetzt - allerdings in niedrigerem Tempo als zum Jahresende.

Damit es nach dem Entzug der auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegten Krisenhilfe des Notprogramms PEPP im Frühjahr nicht zu Marktturbulenzen kommt, schafft die EZB über das neu justierte kleinere Ankaufprogramm namens APP einen Übergang: Die Ankäufe dieses älteren Programms im Volumen von zuletzt 20 Milliarden Euro pro Monat werden im zweiten Quartal 2022 auf 40 Milliarden Euro verdoppelt, im dritten Quartal dann auf 30 Milliarden Euro zurückgefahren.

Die Anleihekäufe werden also fortgesetzt, aber in deutlich niedrigerem Umfang. Mit dem auslaufenden PEPP-Programm waren es zuletzt knapp 90 Milliarden Euro pro Monat.

Keine Zinserhöhung in Sicht

Ab Oktober kommenden Jahres soll das Ankauftempo dann auf 20 Milliarden Euro gesenkt werden - und so lange beibehalten, wie es zur Förderung der Konjunktur notwendig ist.

Das "Asset Purchase Programme" (APP) war bereits Mitte vorigen Jahrzehnts als Konjunkturstütze eingeführt worden. Die schrittweise Abkehr vom Krisenmodus kommt vor dem Hintergrund rasant steigender Preise. Die Inflation erreichte im November in der Euro-Zone ein Rekordniveau von 4,9 Prozent.

Zinserhöhung 2022 sehr unwahrscheinlich

Ein Ende des APP-Programms stellt die EZB nicht in Aussicht. Da dies als Voraussetzung für Zinserhöhungen gilt, erscheinen höhere Zinsen im kommenden Jahr unwahrscheinlich. Heute beließ die Notenbank den Leitzins erwartungsgemäß bei 0,0 Prozent. Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr nichts ändern. "Eine Zinserhöhung im Jahr 2022 ist unter den gegenwärtigen Umständen sehr unwahrscheinlich", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Ratssitzung der Notenbanker.

Insgesamt hat die EZB bisher mehr als drei Billionen Euro in den Ankauf von Staatsanleihen und Unternehmenspapiere gesteckt, um die Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln und überschuldete Staaten im Süden zu stabilisieren.

Fast doppelt so hohe Inflation erwartet

Im Gegensatz zu Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank, hält EZB-Präsidentin Lagarde die Inflation weiterhin für ein vorübergehendes Phänomen. Es gebe zwar "möglicherweise" ein Aufwärtsrisiko für die Inflation, die Teuerung werde sich aber im kommenden Jahr zurückbilden, sagte Lagarde. Auch die Energiepreise dürften sich 2022 stabilisieren.

Laut der heute vorgelegten Prognose rechnen die Währungshüter im kommenden Jahr rechnen mit einer Preissteigerung von 3,2 Prozent. In der im September vorgelegten Prognose waren sie noch von 1,7 Prozent ausgegangen. Für 2023 sagt die EZB nun eine Inflationsrate von 1,8 Prozent im gemeinsamen Währungsraum voraus. In diesem Jahr wird die Teuerungsrate der EZB zufolge bei 2,6 Prozent liegen. Im September war die Notenbank noch von 2,2 Prozent ausgegangen.

Ziel der EZB ist eigentlich eine Teuerungsrate von zwei Prozent. In den vergangenen Monaten waren die Verbraucherpreise aber weltweit angezogen. Im November kletterte die Inflation in der Eurozone auf 4,9 Prozent.

Spielraum für Maßnahmen offen halten

Lagarde verteidigte auch die anhaltend expansive Geldpolitik und sagte, die Wirtschaftsleistung werde zwar im ersten Quartal kommenden Jahres stärker sein als vor der Pandemie, doch bleibe die Lage insgesamt fragil, so dass eine konjunkturstützende Geldpolitik - also extrem niedrige Zinsen und weitere Anleihekäufe - weiterhin notwendig seien. Die Omikron-Variante könnte einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage haben. Auch deshalb wolle sich die Notenbank ein größtmöglichen Spielraum für ihre Maßnahmen offen halten.

Die Wirtschaft im Euroraum wird nach der neuesten EZB-Vorhersage in diesem Jahr um 5,1 Prozent zulegen. Für das kommende Jahr erwarten die Experten der Notenbank einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent. Im Jahr 2023 soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,9 Prozent wachsen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 16. Dezember 2021 um 14:39 Uhr.