Druckbögen mit neuen 200-Euro-Scheinen | Bildquelle: dpa

Krisenpolitik der EZB Folgt auf die Geldschwemme die Inflation?

Stand: 11.12.2020 14:00 Uhr

Während die Europäische Zentralbank die Geldschleusen im Kampf gegen die Corona-Folgen noch mehr öffnet, sinkt die Teuerungsrate in Deutschland weiter. Doch das könnte sich bald ändern, meinen Experten.

Minus 0,3 Prozent, so sah die "Teuerung" im Monat November in Deutschland aus, wie das Statistische Bundesamt am Freitag feststellte und damit vorläufige Schätzungen bestätigte. Das ist der tiefste Stand seit Januar 2015. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Preise danach um 0,8 Prozent.

Die Corona-Krise hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf den Warenkorb gehabt, die die Statistiker der offiziellen Messung der Inflation zugrunde legen. Innerhalb dieses Verbraucherpreisindex' verbilligten sich in den vergangenen Monaten vor allem die Preise für Energieprodukte, also Heizöl und Benzin. Nahrungsmittel wurden dagegen tendenziell teurer. Beide Entwicklungen haben mit den Auswirkungen der Pandemie zu tun. Während die nachlassende Konjunktur zu einem Überangebot an Öl und seinen Produkten führt, sorgt die gestiegene Nachfrage der Konsumenten etwa nach Lebensmitteln nach einer umgekehrten Bewegung in diesem Bereich.

Risiken steigen, wenn die Pandemie abklingt

Insgesamt aber ist von einer steigenden Inflation noch nichts zu spüren. Und das, obwohl die EZB mit der Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms Milliarden in den Geldkreislauf pumpt. Am Dienstag gab die Notenbank bekannt, das Corona-Hilfsprogramm (PEPP) um weitere 500 Milliarden Euro aufzustocken.

Das wird nach Einschätzung von Experten zusammen mit einem Anspringen der Wirtschaft auch zu höherer Inflation führen. Die US-Investmentbank JPMorgan etwa prophezeit in einem aktuellen Ausblick ein moderat steigendes Inflationsrisiko zum Ende kommenden Jahres, wenn die Pandemie zunehmend in den Hintergrund tritt und das Wachstum der Weltwirtschaft wieder anspringt. Wenn dann die Energiepreise wieder steigen, werde es allein wegen des Basiseffekts, also der zurzeit niedrigen Vergleichswerte, zu einer höheren Inflationsrate führen.

Gleiches prognostiziert der US-Vermögensverwalter Blackrock in einer aktuellen Studie. Sie verweist darauf, dass die Gefahr eines sprunghaften Preisanstieges historisch dann am höchsten sei, wenn allgemein die Überzeugung niedriger Teuerung vorherrsche. Die Corona-Krise könnte eine eigene Inflationsdynamik auch aus einem anderen Grund entwickeln: Die Krise habe starke Unternehmen noch gestärkt und schwache Marktteilnehmer vom Markt gedrängt. Die "Überlebenden" könnten nun leichter Preiserhöhungen für ihre Produkte durchsetzen.

Banken und Verbraucher horten Geld

Auch die ab 2021 wieder höhere Mehrwertsteuer wird wohl bereits im Januar dazu führen, dass die Inflationsrate wieder in den positiven Bereich zurückkehrt. Die Mehrwertsteuer war Ende Juni befristet bis zum Jahresende von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden. Damit sollten Konsumenten zum Kauf von Waren und Dienstleistungen animiert werden. Unternehmen sollten umgekehrt von höheren Gewinnmargen profitieren.

Dass die reine Erhöhung der Geldmenge führt dagegen noch nicht direkt zu steigenden Teuerungsraten, wie jüngst auch der ehemalige ifo-Chef Hans-Werner Sinn erläuterte. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Maßnahmen der EZB hätten bislang vor allem dazu geführt, dass Banken, aber auch die Verbraucher Geld "horteten". Mittel würden also nicht entsprechend in den Wirtschaftskreis eingespeist. Doch sollte die Inflation irgendwann in Gang kommen, "lässt sie sich geldpolitisch nicht mehr bremsen", so Sinn.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Dezember 2020 um 11:30 Uhr.

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