EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht bei einer Pressekonferenz | EPA

EZB reagiert auf Inflation Zinserhöhung nicht ausgeschlossen

Stand: 10.03.2022 16:28 Uhr

Die Europäische Zentralbank fährt ihre Anleihekäufe schneller zurück als bisher geplant. Der Leitzins bleibt bei null Prozent. Weil die EZB aber nun eine weit höhere Inflation erwartet, bleiben Zinserhöhungen eine Option.

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), wie die Notenbank mitteilte. Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen bezahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank anlegen. Dieser sogenannte Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Zudem stehe man bereit, "alle seine Instrumente" bei Bedarf anzupassen. Das darf als Hinweis interpretiert werden, dass auch Zinserhöhungen künftig nicht ausgeschlossen sind. Zugleich strich der EZB-Rat auch eine Passage aus dem Text, die auch bisher die Möglichkeit niedrigerer Zinsen vorsah.

Anleihekäufe enden früher

Das Volumen des Anleihenkaufprogramms APP wird nach einer vorübergehenden Aufstockung bereits Ende Juni wieder auf 20 Milliarden Euro reduziert. Ursprünglich sollte diese Summe erst ab Oktober erreicht werden. Im dritten Quartal 2022 könnte das Programm ganz enden.

Eine Zinserhöhung könnte "einige Zeit" nach dem Auslaufen der Anleihekäufe im dritten Quartal erfolgen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Das könne eine Woche oder auch einige Monate danach bedeuten.

Mit der Entscheidung, die Anleihekäufe früher zu beenden, reagieren die Währungshüter um EZB-Chefin Lagarde auf die anhaltend hohen Teuerungsraten, die zuletzt in Deutschland bei 5,1 Prozent und im Euroraum bei 5,8 Prozent im Vorjahresvergleich gelegen hatte. Die EZB strebt mittelfristig eine stabile Gemeinschaftswährung bei einer Preissteigerung von rund zwei Prozent an.

Die Notenbank selbst hat zudem ihre Inflationsprognose für dieses Jahr laut Lagarde "erheblich" angehoben - auf nun auf 5,1 Prozent. Zuvor war die EZB noch von einer Teuerung von 3,2 Prozent in diesem Jahr ausgegangen. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate bei 2,1 (bisher 1,8) Prozent liegen und 2024 dann auf 1,9 (bisher: 1,8) Prozent nachgeben.

Große Bürde

Die EZB äußerste sich auch zu den Folgen des Kriegs in der Ukraine. Lagarde verwies auf Unterbrechungen des internationalen Handels, geringere Zuversicht in der Wirtschaft und steigende Energiepreise. Die konkreten Auswirkungen hingen jedoch davon ab, wie sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine entwickele.

Beim Wirtschaftsausblick senkte die EZB ihre Prognose auf 3,7 Prozent Wachstum, nachdem sie zuvor noch von 4,2 Prozent ausgegangen war. Auch für das kommende Jahr nahm die EZB den Ausblick leicht zurück.

Man sei bereit, alles Erforderliche einzuleiten, um Preis- und Finanzstabilität im Euroraum sicherzustellen. "Wir werden für reibungslose Liquiditätsbedingungen sorgen und die von der Europäischen Union und den europäischen Regierungen beschlossenen Sanktionen umsetzen", sagte Lagarde.

DAX baut Verluste aus

Der DAX beschleunigte nach der EZB-Mitteilung seine Talfahrt. Am Anleihenmarkt stieg die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in der Spitze um mehr als 0,1 Punkte auf knapp plus 0,3 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. März 2022 um 14:23 Uhr.