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Strategiewechsel EZB ändert Inflationsziel

Stand: 08.07.2021 13:52 Uhr

Die Europäische Zentralbank verschafft sich beim Thema Inflation mehr Spielraum: Die Währungshüter erhöhen die angestrebte jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum auf zwei Prozent. Die EZB soll außerdem klimafreundlicher werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich ein neues Inflationsziel gesetzt und damit ihre geldpolitische Strategie geändert. Die Währungshüter um Notenbank-Chefin Christine Lagarde streben künftig für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an, wie die Notenbank mitteilte.

Bisher hatte das Ziel "unter, aber nahe zwei Prozent" gelautet. Nun wird die EZB bei ihrem Bestreben, mittelfristig Preisstabilität im Währungsraum der 19 Staaten sicherzustellen, zumindest zeitweise "moderat über dem Zielwert" liegende Inflationsraten akzeptieren. Mit einem solchen "symmetrischen" Inflationsziel ist die Notenbank nicht mehr unmittelbar zum Reagieren gezwungen, sollten die Inflationsraten zeitweilig nach oben oder nach unten von dem prozentualen Ziel abweichen.

18-monatige Überprüfung der Strategie

Das veränderte Inflationsziel ist ein Kernergebnis der Überprüfung der geldpolitischen Strategie, welche die seit 1. November 2019 amtierende EZB-Präsidentin angestoßen hatte. Durch die Corona-Krise verzögerte sich diese. In den vergangenen 18 Monaten ging es dabei um die Formulierung von Preisstabilität, das geldpolitische Instrumentarium und die Kommunikation der Notenbank. Hauptziel der Notenbank ist ein ausgewogenes Preisniveau - im Jargon der Währungshüter: Preisstabilität. Dies sieht die EZB am ehesten gewährleistet, wenn die Preise im Euroraum moderat steigen.

Allerdings lag die Teuerungsrate im Euroraum seit 2013 oft deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke. Und das, obwohl die EZB seit Jahren gewaltige Summen billiges Geld in die Märkte pumpt und die Zinsen auf Rekordtief hält. Kritiker werfen der EZB daher schon lange vor, sich mit ihrem starren Inflationsziel in eine Sackgasse manövriert zu haben und fordern mehr Spielraum.

Die Euro-Währungshüter empfehlen zudem, künftig auch die Preise für selbstgenutzte Wohnimmobilien mit in Berechnung der Inflationsrate aufzunehmen, die für sie ein zentraler Gradmesser für ihre Geldpolitik ist. Dies sieht die EZB jedoch als längeren Prozess.

Die Währungshüter hatten letztmalig im Jahr 2003 ihre geldpolitische Strategie überarbeitet. Damals hatten sie ihr mittelfristiges Preisstabilitätsziel von der EZB-Gründung 1998 präzisiert. Bis dahin hatte es auf unter zwei Prozent gelautet.

Klimaschutz soll wichtiger werden

Weiteres Ziel nach der Überprüfung ist ein höheres Gewicht für den Klimaschutz in der Geldpolitik. Der EZB-Rat habe "einen umfassenden Aktionsplan mit einem ehrgeizigen Fahrplan zur weiteren Einbeziehung von Klimaschutzüberlegungen in seinen geldpolitischen Handlungsrahmen beschlossen", teilte die Notenbank mit. Mit diesem Beschluss unterstreiche das Führungsgremium der Zentralbank seine Verpflichtung, "ökologische Nachhaltigkeitsüberlegungen systematischer in seiner Geldpolitik zu berücksichtigen". Beim Kauf von Unternehmensanleihen habe die EZB bereits damit begonnen, "relevante Risiken des Klimawandels" in ihren Prüfverfahren für den Ankauf von Vermögenswerten zu berücksichtigen.

Lagarde hatte wiederholt bekräftigt, die EZB werde im Rahmen ihres Mandats zu den Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Ob Notenbanken umweltpolitische Ziele mit ihrer Geldpolitik unterstützen sollten, ist unter Notenbankern und Ökonomen umstritten. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob eine Zentralbank bei Anleihenkäufen nachhaltige Wertpapiere anderen Papieren vorziehen sollte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Juli 2021 um 13:55 Uhr.