Fast bis zum Dach stehen Busse in der vom Oderhochwasser überfluteten Thälmann-Siedlung nahe Eisenhüttenstadt. (Archivbild: 27.07.1997) | picture alliance / Ralf Hirschbe

Wetterextreme in Europa Immense wirtschaftliche Schäden

Stand: 03.02.2022 09:21 Uhr

Wetter- und klimabedingte Extremereignisse sorgen in Europa immer wieder für Todesfälle und wirtschaftliche Schäden. Von 1980 bis 2020 lag die Schadenssumme bei rund 500 Milliarden Euro, zeigt eine Analyse der EU-Umweltagentur.

Von der Flutkatastrophe im Ahrtal zum Sturmtief "Nadia": Die vergangenen Monate haben in Deutschland wieder einmal gezeigt, welchen Schaden wetter- und klimabedingte Ereignisse anrichten können. Die EU-Umweltagentur EEA hat nun ausgerechnet, wie hoch der Schaden von Wetterextremen in Europa in den vergangenen Jahrzehnten war.

Zwischen 1980 und 2020 sind in den 27 EU-Ländern, der Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein und der Türkei insgesamt 85.000 bis 145.000 Menschen wegen Extremwetterereignissen gestorben, schätzt die EEA. 85 Prozent von ihnen starben allein durch Hitzwellen - eine der verheerendsten gab es im Jahr 2003.

Immenser wirtschaftlicher Schaden

Um die Zahlen zu errechnen, nutzte die EEA die Datenbanken des Münchner Rückversicherers Munich Re und der Denkfabrik Risklayer aus Karlsruhe. Die wetter- und klimabedingten Ereignisse, die betrachtet wurden, waren Stürme, Überschwemmungen, Waldbrände, Hitze- und Kältewellen, Starkregen und Dürren.

Die Ereignisse erzeugen auch immensen wirtschaftlichen Schaden. Die EEA schätzt die Schadenssumme zwischen 1980 und 2020 auf insgesamt 450 bis 520 Milliarden Euro - in heutigen Preisen gerechnet. Nur etwa drei Prozent der Ereignisse seien für 60 Prozent der wirtschaftlichen Verluste verantwortlich, so die EEA.

Unterschiede bei den einzelnen Ländern

Deutschland hatte der Analyse zufolge mit 110 Milliarden Euro den höchsten wirtschaftlichen Schaden im Vergleich der 32 Länder. Dahinter folgten Frankreich und Italien. Die Schweiz hatte den höchsten wirtschaftlichen Schaden pro Kopf.

Die Unterschiede in der Schadenshöhe bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass sich ein Land nicht gut an extreme Wetterereignisse angepasst hat, sagt Wouter Vanneuville. Er befasst sich bei der EEA damit, welche wirtschaftlichen Folgen die Anpassung an die Klimakrise hat.

Zahl der Katastrophen hat weltweit zugenommen

"Es gibt einen riesigen Zufallseffekt bei den Extremereignissen", sagt Vanneuville. Manche Länder seien anfälliger als andere, unabhängig von der Vorbereitung.

Die Zahl der wetterbedingten Katastrophen hat in den vergangenen 50 Jahren weltweit zugenommen, zeigt eine Analyse der Weltwetterorganisation WMO. Demnach nähmen auch die Schäden zu, es gebe aber weniger Todesfälle.

Alle EU-Länder haben Anpassungsstrategien

Dass die wirtschäftlichen Schäden in Europa ansteigen, geht aus der EEA-Analyse allerdings nicht hervor. Es sei in Zukunft aber mit einem Anstieg zu rechnen, sagt Vanneuville.

Gleichzeitig tue Europa auch schon viel dafür, um sich an veränderte Wetter- und Klimalagen anzupassen. Alle EU-Länder hätten bereits Anpassungsstrategien.

"Der Grund, warum man keinen Trend sieht, ist nicht, dass der Klimawandel nicht real wäre, sondern dass bereits viele Maßnahmen ergriffen werden", sagt Vanneuville.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Februar 2022 um 09:00 Uhr.