Evergrande-Zentrale in Shenzhen | picture alliance / ASSOCIATED PR

Transaktion steht bevor Evergrande-Aktie vom Handel ausgesetzt

Stand: 04.10.2021 09:32 Uhr

Der strauchelnde Immobilienriese China Evergrande steht einem Medienbericht zufolge kurz vor einem milliardenschweren Anteilsverkauf. In Hongkong wurde der Handel mit der Aktie ausgesetzt.

Die Aktien des in Schwierigkeiten geratenen chinesischen Immobilienriesen Evergrande sind am Morgen in Hongkong vom Börsenhandel ausgesetzt worden. Die Begründung lautet, es werde eine größere Transaktion angekündigt. Die chinesische Staatszeitung "Global Times" hatte berichtet, der strauchelnde Immobilienriese China Evergrande stehe kurz vor einem milliardenschweren Anteilsverkauf. Der Konzern wolle für mehr als fünf Milliarden Dollar 51 Prozent an seiner Immobilienmanagement-Tochter Evergrande Property Services Group an den Wettbewerber Hopson Development verkaufen.

Auch Hopson-Aktien wurden vom Börsenhandel in Hongkong ausgesetzt. Dies gelte bis zur Veröffentlichung von Mitteilungen über eine große Transaktion zum Kauf von Firmenanteilen eines anderen börsennotierten Unternehmens, teilte Hopson mit.

"Die Immobilienverwaltungssparte lässt sich wohl am leichtesten zu Geld machen", sagte Analyst Ezien Hoo von der Bank OCBC. Offenbar versuche Evergrande weiterhin, seine Rechnungen zu zahlen. In den vergangenen Tagen hatte das Unternehmen die Frist für mehrere millionenschwere Zinszahlungen auf Dollar-Anleihen kommentarlos verstreichen lassen. In den kommenden Wochen werden bei ähnlichen Bonds weitere 162 Millionen Dollar fällig.

Privatanleger schützen

Evergrande ist der zweitgrößte Immobilienentwickler in China und hat sein rasantes Wachstum in den vergangenen Jahren mit Krediten finanziert. Der Konzern hat Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar angehäuft und ist in Zahlungsverzug geraten. In den nächsten Monaten werden weitere Zinszahlungen in Millionenhöhe fällig. Daneben muss der Konzern Zulieferer bezahlen und schuldet vielen Kleinanlegern, darunter vielen Mitarbeitern Geld.

Laut Medienberichten warten in ganz China rund 1,4 Millionen Käufer auf den Bau oder die Fertigstellung von Evergrande-Wohnungen, die sie meist im Voraus bezahlt haben.

Investoren haben die Sorge, dass ein Zusammenbruch weitreichende Folgen für das Finanzsystem und andere Branchen haben wird. Vor dem Hintergrund von Zahlungsschwierigkeiten sind die Aktien der Evergrande Group in diesem Jahr schon um rund 80 Prozent gefallen. Die Anleger hoffen deshalb auf staatliche Unterstützung.

Die chinesische Regierung zögert bislang noch, Evergrande zur Hilfe zu kommen, soll aber staatseigene Unternehmen aufgefordert haben, Vermögenswerte des weitverzweigten Konzerns zu übernehmen. Eine Insolvenz von Evergrande könnte dramatische Auswirkungen auf den chinesischen Banken- und Immobiliensektor haben. Die chinesische Zentralbank hatte erklärt, sie werde die Interessen der Privatanleger schützen. Der Konzern ist so groß, dass einige Experten eine "Ansteckungsgefahr" für die chinesische Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

Mit Informationen von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.