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Aktuelle DSW-Aktienstudie Die größten Kapitalvernichter 2020

Stand: 18.03.2021 13:13 Uhr

Die Aktienmärkte eilen von Rekord zu Rekord, viele Anleger freuen sich über Kursgewinne. Doch nicht überall läuft es rund. Die Anlegerschützer der DSW haben die 50 größten Kapitalvernichter 2020 ermittelt.

Die Corona-Pandemie wirkt sich gravierend auf die Weltkonjunktur aus. Fast überall auf dem Globus haben die nationalen Ökonomien schwere Rückschläge zu verkraften. Trotzdem steigen die Kurse an den Aktienmärkten seit Monaten an. Der deutsche Leitindex DAX eilt von Rekord zu Rekord, die Titel vieler Einzelunternehmen notieren ebenfalls auf Rekordniveau. Die soliden Kursgewinne haben bei vielen Anlegern für vollere Taschen gesorgt.

Fast immer im Leben hängt der Erfolg davon ab, dass man richtige Entscheidungen trifft. So ist es auch am Aktienmarkt: Wer daneben liegt, wird bestraft. Wie jedes Jahr haben die Anlegerschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auch 2021 wieder eine Liste der 50 größten Kapitalvernichter vorgelegt.  

Probleme potenzieren sich

"Insgesamt bleibt es ein Warnsignal, das man als Aktionär ernst nehmen sollte, wenn eine der Gesellschaften, die man im Depot hat, auf einer DSW-Watchlist auftaucht", sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW. "Gerade die Unternehmen, die bereits vor der Krise angeschlagen waren, finden sich jetzt in einer besonders prekären Situation wieder", so der Anlegerschützer. Die Probleme würden sich potenzierten und vertieften.

Für die "Performance-Watchlist" werden Unternehmen berücksichtigt, die mindestens über eine fünfjährige Kurshistorie verfügen und im CDAX der Deutschen Börse notiert sind. Der CDAX enthält die rund 500 wichtigsten Aktien des deutschen Aktienmarkts. Es zählt dabei nicht nur die Kursentwicklung, auch die Dividendenzahlung wird berücksichtigt.

 DSW-Watchlist 2021 Performance |

Bayer ist schwächster DAX-Wert

Der größte Flop für die Anleger war 2020 die Epigenomics AG, ein Biotech-Unternehmen. "Die Aktie des auf die Entwicklung von Technologien zur Erkennung von Krebs spezialisierten Unternehmens verlor in allen drei Vergleichszeiträumen deutlich an Wert. Allein 2020 büßten die Papiere 70,5 Prozent ein", erklärt Tüngler.  

Mit Rang 23 ist der Chemie- und Pharmakonzern Bayer der schlechteste DAX-Wert auf der Performance-Liste. "Hier zeigt sich dramatisch ein Mix aus den Folgen der Monsanto-Übernahme und der Corona-Pandemie", unterstreicht der DSW-Hauptgeschäftsführer.

Niedergang trotz Größe

Aus dem Leitindex DAX stammt auch der Gesundheitskonzern Fresenius, der Rang 37 belegt. Einmal mehr ist auch die Deutsche Bank auf Platz 40 dabei, die mittlerweile laut Tüngler fast schon zum Inventar der DSW-Watchlist gehöre. "Immerhin zeigt bei dem Geldinstitut die Tendenz nach oben."

Auf der Top-50-Liste sind auch K+S, Thyssenkrupp, die Commerzbank oder auch die Deutsche Lufthansa vertreten. Hier zeige sich, dass Größe allein kein Schutz vor dem Niedergang an der Börse sei, kommentiert Tüngler.

Marc Tüngler, DSW |

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

"Toxische Mischung"

Der Hauptgeschäftsführer stellt fest, dass nicht alles gut sei, wenn eine Gesellschaft Dividende zahle. "Zwar ist das in der Regel ein Hinweis auf ein funktionierendes, weil Gewinn abwerfendes Geschäftsmodell. Aber das muss eben nicht so sein." Die Dividende könne aus der Substanz kommen oder sie kann auf Sondereffekten beruhen, ergänzt Tüngler.

"Und selbst wenn sie tatsächlich erwirtschaftet wurde, ist immer noch zu klären, ob das Geschäftsmodell des Unternehmens wirklich nachhaltig zukunftsfähig ist. Besonders zu hohe Dividendenrenditen sollten Anleger wachsam machen, nicht sorglos", lautet der Rat des Anlegerschützers. Problematisch werde es, wenn sich betriebswirtschaftliche Probleme mit Verwerfungen im Makrobereich vermengen würden: "Das kann schnell für den einen oder anderen zu einer toxischen Mischung werden."

Kritik an Online-Hauptversammlungen

Kritik äußerten die Anlegerschützer an Online-Hauptversammlungen in Zeiten der Pandemie, da sie dort Aktionärsrechte und Interaktionsmöglichkeiten eingeschränkt sehen. Wenig Verständnis zeigt die stellvertretende DSW-Hauptgeschäftsführerin Jella Benner-Heinacher für die weitgehende Verlängerung dieser Ausnahmeregelungen per Verordnung. "Hier hatten wir eigentlich ein klares Plus an Aktionärsrechten erwartet."

Es gebe "die spürbaren Bestrebungen von Teilen der Wirtschaft, die virtuelle Hauptversammlung in der aktuellen, aktionärsunfreundlichen Form über das Ende der Pandemie hinaus beizubehalten", sagte Benner-Heinacher.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. März 2021 um 08:34 Uhr.