Dr. Martens Laden in England

Gelungenes Debüt Dr. Martens stiefelt an die Börse

Stand: 29.01.2021 19:40 Uhr

Das Börsendebüt der britischen Schuhmarke Dr. Martens ist für den Finanzinvestor Permira ein voller Erfolg. Einst waren die Stiefel bei der Subkultur beliebt, heute jubelten die Anleger.          

Für Permira, den Eigentümer der britischen Schuhmarke Dr. Martens, lief der heutige Börsengang glänzend: Die Papiere des britischen Schuherstellers schlossen an der Londoner Börse bei 450 Pence und damit fast 22 Prozent über dem Ausgabekurs von 370 Pence. Der erste Kurs hatte 15 Prozent über dem Ausgabepreis gelegen. Die Aktien waren achtfach überzeichnet

Rebellion der Jugend

Schuhe der Marke Dr. Martens, sogenannte Docs, sind jahrzehntelang Teil der britischen Popkultur gewesen. Jugendliche und Punks trugen die zunächst besonders bei der Arbeiterklasse beliebten Schuhe auch als Protest gegen das Establishment. Berühmt wurden sie in den 60er Jahren, als sie Pete Townsend, der Gitarrist der Band "The Who", auf der Bühne trug und Gitarren zertrümmerte. Anders als ein Saiteninstrument galten Dr. Martens als unverwüstlich - gerade für konsumkritische Punks, bei denen die Stiefel in den 70er Jahren praktisch zur Uniform gehörten, ein wichtiges Kaufargument.

Pete Townshend, The Who

Pete Townsend, Gitarrist von "The Who", bei der Arbeit - in Doc Martens.

Obwohl die Schuhe als sehr britisch wahrgenommen werden, liegen die Wurzeln des Unternehmens in Deutschland. Der Arzt Klaus Märtens entwarf sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als er unter einer Fußverletzung litt. Die Luftpolstersohle schnitt er aus Gummi-Beständen der deutschen Luftwaffe zurecht. 1960 verkauften Märtens und sein Partner Herbert Funck die Marke an das britische Traditionsunternehmen R Griggs.

Docs wieder in Mode

Die Stiefel waren einst relativ günstig und wurden in Großbritannien hergestellt. Um die Jahrtausendwende geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, die Mode wandelte sich und man verlegte die Produktion aus Kostengründen nach Asien. Seit 2007 gibt es allerdings eine Vintage-Kollektion, die noch beim Stammsitz in Northampton produziert wird - zu einem höheren Preis.

Mittlerweile sind die Schuhe wieder ausgesprochen beliebt, wie die aktuellen Zahlen zeigen. Zuletzt stiegen die Umsätze um jährlich 20 bis 30 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei 672 Millionen Pfund. Das entspricht 744 Millionen Euro. Dr. Martens verkauft jährlich mehr als elf Millionen Paar Schuhe in rund 60 Ländern. Selbst in der Pandemie konnte das Unternehmen den Umsatz signifikant steigern.

Riesengeschäft für Permira

Der Finanzinvestor Permira hatte das Unternehmen 2014 zum Preis von 380 Millionen Euro übernommen. Mit dem Börsengang macht Permira ein ausgezeichnetes Geschäft, die heutigen Erlöse summieren sich auf 1,49 Milliarden Pfund. Insgesamt wird das Unternehmen, wenn man den Ausgabepreis zugrundelegt, mit 3,7 Milliarden Pfund, also mit rund 4,2 Milliarden Euro bewertet.    

Punks werben für Dr. Martens Laden in London

Dr. Martens: Einst Teil der Subkultur, heute Teil der Aktienkultur

Gut 40 Prozent der Aktien liegen im Streubesitz, den Rest hält vorerst Permira. "Der erfolgreiche Umbau von Dr. Martens ist eine tolle Geschichte, und noch viel aufregender ist das riesige Potenzial, das wir haben", sagte Vorstandschef Kenny Wilson, der das Unternehmen seit 2018 führt.