100 Dollar Scheine werden gedruckt. | picture alliance / Zoonar

Nach Zinserhöhung US-Dollar steigt auf 20-Jahres-Hoch

Stand: 22.09.2022 11:09 Uhr

Der US-Dollar ist nach dem erneut großen Zinsschritt in den USA und der russischen Teilmobilmachung auf ein 20-Jahres-Hoch geklettert. Andere Währungen - darunter der Euro - werten dagegen stark ab.

Der Höhenflug der Weltleitwährung setzt sich fort. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, ist heute Morgen zeitweise um 0,3 Prozent gestiegen und notierte mit 111,79 Punkten so hoch wie zuletzt vor etwas mehr als 20 Jahren. Seit Jahresbeginn ist der sogenannte "Greenback" mittlerweile um mehr als 16 Prozent gestiegen.

Höhere Zinsen machen Dollar attraktiv

Hintergrund für die anhaltende Stärke des Dollar ist unter anderem die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve - und die Schwäche der anderen Währungen. "Was sonst als den Dollar kann man derzeit kaufen", meint Sally Auld, Chef-Anlegerin des Vermögensverwalters JB Were. "Die Fed wird ihre Zinserhöhungen auf absehbare Zeit nicht beenden." Das kommt dem Dollar zugute.

Die markante Straffung der Geldpolitik macht Anlagen in die US-Währung für Investoren vergleichsweise attraktiver. Höhere Zinsen locken mehr Kapital in die Vereinigten Staaten und stützen dadurch in der Regel die Devise. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Rohstoffpreise, die in Dollar berechnet werden, was diesen weiter stärkt.

Mittlerweile erhöhte die Zentralbank den Leitzins zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte. Zudem kündigte Fed-Chef Jerome Powell an, dass mit den großen Zinsschritten noch lange nicht Schluss ist.

Euro auf 20-Jahres-Tief

Allerdings sind die steigenden Zinsen nicht der einzige Grund. Börsianer verweisen zusätzlich auf die Attraktivität des Dollar als "sicheren Anlagehafen" in der zunehmend trüben geopolitischen Lage mit drohender Rezession, der schwächelnden chinesischen Wirtschaft und des anhaltenden Ukraine-Kriegs. Die Leitwährung gilt als Kapitalanlage, die in Krisenzeiten wertstabiler ist als andere.

So legte der Dollar als wichtigste Reservewährung auch gestern zu, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilmachung ausgerufen hatte. Die ohnehin schlechten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen dürften sich infolgedessen weiter eintrüben.

Im Bann der Dollar-Stärke werten andere Währungen dagegen stark ab. So fiel der Euro in der Nacht bis auf 0,9809 US-Dollar und damit auf ein 20-Jahres-Tief. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gestern noch etwas höher auf 0,9906 Dollar festgesetzt. Die Gemeinschaftswährung leidet schon seit langem unter der Angst vor einer Rezession in Europa. Besonders die Gaskrise lässt die Anleger vor Investments in den Euro zurückschrecken.

Starke Dollar belastet andere Währungen

Unter Druck stand heute Morgen auch der japanische Yen. Die Notenbank der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt hält gegen den globalen Trend an ihrer lockeren Linie fest, wie die Bank of Japan (BoJ) mitteilte. Zwar liegt die Inflation in Japan deutlich niedriger als in anderen Ländern. Sie steigt aber und ist zumindest für japanische Verhältnisse relativ hoch. Die Notenbank macht dennoch keine Anstalten, ihre extrem lockere Geldpolitik etwas zu straffen, was den Yen seit Monaten stark belastet.

Mit Käufen der eigenen Währung verschafft die japanische Notenbank dem Yen nun jedoch eine Atempause. Dadurch fiel der Dollar heute auf 142,90 Yen, nachdem er zuvor auf ein 24-Jahres-Hoch von 145,89 Yen gestiegen war. Der japanischen Regierung zufolge war das die erste Intervention der BoJ seit Juni 1998.

In Großbritannien kann nicht einmal die Aussicht auf eine deutliche Zinserhöhung der Bank von England (BoE) die Talfahrt des Pfund Sterling stoppen. Die britische Währung verliert heute 0,4 Prozent und ist mit 1,1217 Dollar so billig wie zuletzt vor mehr als 37 Jahren. "Der trübe Wachstumsausblick, steigende Staatsschulden und das hohe Leistungsbilanzdefizit sprechen dafür, dass der Abwertungsdruck auf das Pfund erst einmal anhält", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. September 2022 um 12:00 Uhr.