Bankenskyline in Frankfurt

Lage der Finanzbranche Gegenwind für die Banken

Stand: 27.04.2022 06:38 Uhr

Kommt es in Deutschland zur Rezession, drohen den Finanzinstituten Kreditausfälle. Auf der anderen Seite steht eine Zinswende bevor. Wie stabil sind die deutschen Großbanken?

Von Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Vor dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine war die Hoffnung groß, dass die Banken jetzt durchstarten. Doch der Ausbruch des Krieges hat die Hoffnung immens gedrückt. Dabei habe besonders die Deutsche Bank ihre Hausaufgaben gemacht, sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: "Die Restrukturierung der Bank greift, die Bank ist auf einem guten Weg und sie ist ihren Geschäftsbereichen, die gut laufen, auch wieder in der Spitzengruppe der weltweiten Banken vertreten."

Besonders die Geschäfte aus dem Investmentbanking hätten der Bank dazu verholfen - vor allem die Sparte für Fusionen und Übernahmen von Unternehmen. Diese Sparte spülte gerade im vergangenen Jahr viel Geld in die Kassen der Deutschen Bank. In diesem Jahr - das zeigen die US-Banken - dämpft der Krieg allerdings die Übernahmetätigkeiten.

Braucht die Commerzbank einen Partner?

Das Sorgenkind bleibe aber die Commerzbank, so Nieding. "Die Commerzbank muss uns zeigen, womit sie in Zukunft das Geld verdienen will. Das Privatkundengeschäft ist es sicherlich nicht. Möglicherweise ist die Commerzbank auch gut beraten, sich einen europäischer Partner zu suchen."

Die geplante Fusion mit der Deutschen Bank platzte. Auf die hatten aber, so heißt es, zwei große US-Investoren spekuliert. Vor kurzem stieß der amerikanische Vermögensverwalter Capital Group ein großes Aktienpaket der Banken ab. Erst zu Jahresbeginn hatte der Hedgefonds Cerberus große Teile seiner Aktienpakete verkauft - sogar mit Verlust. Er hält inzwischen weniger als drei Prozent an beiden Banken.

"Es gibt eben auch institutionelle Investoren, die darauf wetten, dass so etwas passiert, und dann natürlich auch die Konsequenz tragen", so Nieding. "Wichtig ist, dass der Kapitalmarkt insgesamt Vertrauen hat in diese Aktien."

Doch es gibt viele Unsicherheiten, die das Vertrauen auf eine harte Probe stellen. Besonders das Thema Russland spielt hier eine große Rolle. In erster Linie das direkte Russland-Geschäft. Das sei allerdings "überschaubar groß", sagt Andreas Hacketahl, Finanzprofessor am Leibniz-Institut SAFE. "Es wurde sogar teils zurückgefahren, das heißt der direkte Effekt des Ukraine-Krieges ist tatsächlich gering."

"Situation noch zu unsicher"

Allerdings ist nicht nur das direkte Geschäft eine Prüfung für die Banken, sondern auch die Sorge wegen einer drohenden Rezession durch ein Öl- und Gas-Embargo. Viele Unternehmen könnte das ins Taumeln bringen, Kreditausfälle wären die Folge, besonders den Mittelstand dürfte das treffen. Eine Gefahr für die Mittelstandsbank - die Commerzbank? "Da herrscht momentan noch die einhellige Meinung auch von Aufsehern, dass die Banken gut vorbereitet sind. Das heißt, die können das verkraften", so Hackethal.

Hoffnung macht den Banken die Wende in der Zinspolitik. Die US-Notenbank hat die Zinsen bereits erhöht - die Europäische Zentralbank (EZB) könnte bald folgen. Doch in den Banktürmen dürften noch keine Champagner-Korken knallen. "Die Banken werden sicherlich noch nicht jubeln, dafür ist die Situation noch zu unsicher", sagt Finanzprofessor Hackethal. "Aber wenn man sich die Zinsentwicklung ansieht, dann ist es auch wieder ein Schritt zurück in die Normalität."

So wirklich normal scheint aber gar nichts in Zeiten eines nicht einzuschätzenden Krieges.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2022 um 13:47 Uhr.