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Firmen wollen sich absichern Milliardenmarkt Cyberversicherungen

Stand: 08.09.2021 08:22 Uhr

Mit der Zahl der Cyberangriffe nehmen auch die Schäden zu. Daher wächst nun der Bedarf an Versicherungen für solche Fälle. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re erwartet bis 2025 ein Wachstum dieses Marktes auf 20 Milliarden Dollar.

Angesichts zunehmender Schäden durch Cyberangriffe haben die Versicherungen ein neues, rasch wachsendes Geschäftsfeld für sich entdeckt: Cyberversicherungen. Davon profitieren auch Rückversicherer wie die weltweite Nummer Eins der Branche, Munich Re, früher unter dem Namen Münchener Rück bekannt.

Tatsächlich haben Cyberangriffe durch den coronabedingten Digitalisierungsschub drastisch zugenommen - und sie werden immer ausgefeilter. Insbesondere die Schäden durch sogenannte Ransomware-Angriffe steigen stark. Dieser Trend werde vermutlich anhalten, erklärt die Munich Re. Dabei werden Verschlüsselungstrojaner, also Schadprogramme, auf die Rechner von Nutzern gespielt, um den Zugang zu den Dateien zu sperren. Anschließend erhält der Nutzer eine Nachricht mit einer Lösegeldforderung. Erst wenn die gezahlt ist, bekommt der Nutzer in der Regel einen Entsperrcode, um wieder auf seinen Rechner zugreifen zu können.

Immer mehr sogenannte "Ransomware"-Attacken

Einer Analyse der auf den Versicherungsmarkt spezialisierten Ratingagentur AM Best zufolge entfielen im vergangenen Jahr drei Viertel aller Cyberschäden in den USA auf Ransomware-Attacken. Im Juli zeigte ein solcher Angriff auf den amerikanischen IT-Dienstleister Kaseya, welchen Ausmaße solche Angriffe haben können. Weil dabei schneeballartig die IT-Systeme vieler Unternehmen verschlüsselt wurden, hatte der Angriff Auswirkungen bis nach Schweden. Dort konnte die Supermarktkette Coop Hunderte Läden wegen nicht funktionierender Kassensysteme mehrere Tage lang nicht öffnen. Insgesamt waren bis zu 1500 Unternehmen in aller Welt betroffen. Allein in Deutschland waren mindestens drei Dienstleister und in der Folge Hunderte Firmen betroffen.

Weil die steigende Zahl solcher Angriffe die Wirtschaft ernsthaft belaste, habe sich die Abdeckung der daraus resultierenden Schäden zu einem wachstumsträchtigen Segment der Versicherungsindustrie entwickelt, sagt Munich-Re-Vorstand Stefan Golling. Doch die Möglichkeiten der Branche seien begrenzt. So gebe es Bereiche, etwa bei systemischen Risiken wie terroristischen oder politisch motivierten Attacken bis hin zum Cyberkrieg, die nur vom Staat und den Versicherern gemeinsam bewältigt werden könnten.

Prämienvolumen steigt auf 20 Milliarden Dollar

Angesichts der immer größeren Schäden sind auch die Preise für Cyberversicherungen deutlich gestiegen. Der Anstieg gleiche die hohen Schäden aus, so der Rückversicherer. Dennoch wachse der Bedarf an Cyberversicherungen weiter.

Einer Befragung der Munich Re zufolge sind 20 Prozent der Firmchenchefs wegen der zunehmenden Cyberattacken besorgt, empfinden ihr Unternehmen als nicht ausreichend geschützt. Die Versicherer gehen deshalb davon aus, dass sich immer mehr Unternehmen gegen die Folgen solcher Angriffe absichern wollen.

Die Munich Re erwartet, dass das Prämienvolumen aus diesem Segment in vier Jahren, also bis 2025, auf 20,2 Milliarden Dollar ansteigen wird. Damit gelten Versicherungen gegen Cyberangriffe als der derzeit wichtigste Wachstumsmarkt in der Branche. Bisher kommt die Munich Re bei den Einnahmen in diesem Segment nach eigenen Angaben weltweit auf einen Marktanteil von zehn Prozent. Wegen der zunehmenden Konkurrenz werde dieser Anteil künftig zwar abschmelzen, dennoch wollen die Münchner ihr Angebot an Cyberversicherungen vorantreiben.

Trend zu steigenden Preisen hält an

Der Trend zu höheren Preisen für Rückversicherungen hält Experten zufolge auch im kommenden Jahr an. 2022 legten die Preise voraussichtlich im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zu, sagte Versicherungsanalystin Helena Kingsley-Tomkin von der Ratingagentur Moody's. Zudem seien die Entwicklungen in der ganzen Branche positiver. Moody's hob den Ratingausblick für die globalen Rückversicherer auf "stabil" von "negativ" an.

Die Branche hatte jahrelang unter Preisrückgängen gelitten, weil die Konkurrenz durch Hedgefonds und andere finanzkräftige Kapitalgeber, die in Zeiten niedriger Zinsen auf der Suche nach Rendite das Versicherungsgeschäft für sich entdecken, stark zugenommen hatte. Doch seit einigen Jahren steigen die Preise wieder. Naturkatastrophen und andere Großschäden haben auch die Konkurrenz schwer getroffen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Oktober 2020 um 16:30 Uhr.