Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange |
Hintergrund

Ein Jahr nach dem Börsen-Absturz Droht der nächste Crash?

Stand: 25.02.2021 11:09 Uhr

Vor einem Jahr begann der Kurseinbruch wegen der Pandemie, der Milliarden an Börsenwerten vernichtete. Die Aktienmärkte haben sich schnell erholt. Doch die Krisengefahr bleibt bestehen.

Von Andreas Braun, tagesschau.de

Ein jäher Sturz ab Ende Februar 2020 und danach eine ebenso schnelle Aufholjagd an den Aktienmärkten: Der Corona-Crash ist auch wegen seiner Besonderheiten in die Börsengeschichte eingegangen. Der DAX sackte vor einem Jahr von gerade erreichten Höchstständen bei 13.800 Punkten dramatisch ab. Am 18. März wurde ein Tiefststand von 8442 Zählern erreicht - ein Minus von rund 40 Prozent binnen gut drei Wochen.

V-förmige Erholung

Dass der deutsche Leitindex sein Vorkrisenniveau bereits Ende 2020 wieder erreicht hatte, widerspricht der Erfahrung - Statistikern zufolge dauert der Wiederaufstieg bei Börseneinbrüchen von mehr als 30 Prozent im Schnitt zwei Jahre. Der US-Leitindex Dow Jones hatte das bereits im November geschafft, der Weltaktienindex MSCI World sogar schon im Juli vergangenen Jahres.

Die V-förmige Erholung verschleiert allerdings, dass längst nicht alle Branchen die Corona-Krise gut durchgestanden haben. Die Börsenwelt teilte sich scharf in Gewinner und Verlierer; eine Spaltung, die zum Teil immer noch besteht. Technologieaktien und Pharmatitel legten im vergangenen Jahr rasant zu. Auch Unternehmen besonderer Branchen wie Essenslieferanten, Internet-Händler oder Anbieter von Videokonferenz-Systemen erfreuen sich hoher Nachfrage, von Kunden- wie von Investorenseite. Verlierer der Lockdowns waren viele Einzelhändler oder die Reisebranche. Industrien wie die Autobranche werden noch lange mit dem Mangel an Halbleiterprodukten zu kämpfen haben. Die beschleunigte Digitalisierung während der Lockdowns hat die Lager für Chips leergefegt und ihre Preise nach oben getrieben.

DAX-Kurs im Corona-Crash |

Bitcoin - eine neue Anlageklasse

Mit dem Corona-Crash erhielt eine neue Anlageklasse einen neuen Schwung: Kryptowährungen wurden von immer mehr Investoren entdeckt - als vermeintlich sicherer Hafen in wackeligen Finanzmärkten und als alternatives Zahlungsmittel der Zukunft. Der Wert des Bitcoin hat sich ein Jahr nach seinem Corona-Tief mit rund 50.000 Dollar verzehnfacht. Der Marktwert aller Kryptowährungen weltweit hat inzwischen die Marke von einer Billion Dollar überschritten.

Wenn auch die Börsenkurse eine radikale Erholung geschafft haben: Die Weltwirtschaft wird noch lange mit den Folgen der Konjunktureinbrüche zu kämpfen haben. Auch hier hatte die Krise allerdings unterschiedliche Geschwindigkeiten zur Folge: In China wuchs die Wirtschaft auch 2020 noch um 2,3 Prozent, im laufenden Jahr wird hier mit einem Zuwachs von 7,9 Prozent gerechnet. Dagegen brach das Bruttoinlandsprodukt in den USA um 3,5 Prozent ein. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte um 4,9 Prozent. Das Vorkrisenniveau wird sie wohl erst Mitte 2022 wieder erreichen.

Staatsverschuldung und Pleitewelle

An Risiken für Unternehmen, die gesamte Volkswirtschaft und auch die Finanzmärkte mangelt es auch ein Jahr nach der Krise nicht. 2020 hat zu einem Defizit von 140 Milliarden Euro im deutschen Staatshaushalt geführt, der Bund muss einen immer höheren Schuldenberg vor sich her schieben. Gleichzeitig sind Arbeitsplätze in vielen Branchen weiterhin bedroht, ob im Reisegeschäft, Gastgewerbe oder im Einzelhandel. Nach Auslaufen des Kurzarbeitergeldes in vielen Firmen dürfte die Zahl der Arbeitslosen anwachsen. In den kommenden Monaten könnte eine Welle von Unternehmenspleiten über das Land rollen.

Aber auch die internationalen Finanzmärkte könnten vor weiteren krisenhaften Entwicklungen stehen. Die hohen Staatsschulden und das billige Geld durch die Notenbanken hatten das Zinsniveau in den USA und in Europa auf Rekordtiefs gedrückt. Nun scheinen die Anleihemärkte, besonders in den USA ein Ende des billigen Geldes vorwegzunehmen. Steigende Anleiherenditen und Verwerfungen an den Aktienmärkten könnten die Folge sein.

Sorgen um den Finanzmarkt

Der drastische Anstieg der Aktienmärkte nach dem Crash hat den Markt zudem anfällig für scharfe Korrekturen gemacht. Der "Mini-Crash" an der US-Technologiebörse Nasdaq an diesem Dienstag könnte ein Vorgeschmack dafür gewesen sein. "Wir machen uns große Sorgen um das Thema Finanzmarktstabilität", sagte etwa vor wenigen Tagen Allianz Vorstandschef Oliver Bäte. Die Situation insbesondere an den Aktienmärkten ähnele der Situation vor dem Crash 2008/09 und dem Crash des Jahres 2000.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur 17. Februar 2021 um 08:43 Uhr.