Logo der Commerzbank | picture alliance/dpa

Institut mit Staatsbeteiligung Halbe Milliarde Verlust bei der Commerzbank

Stand: 04.08.2021 09:50 Uhr

Bankkunden freuen sich über das BGH-Urteil zu den Kontogebühren, doch bei der Commerzbank hat es zu hohen Belastungen geführt. Vor allem aber der Konzernumbau kam das Frankfurter Geldhaus im zweiten Quartal teuer zu stehen.

Die Commerzbank ist im zweiten Quartal 2021 wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Ein Verlust von 527 Millionen Euro stand unter dem Strich in den Büchern. Ein Jahr zuvor hatte das Institut, dessen größter Anteilseigner der deutsche Staat ist, im Zeitraum April bis Juni noch einen Gewinn von 183 Millionen Euro erzielt.

Die Commerzbank erklärte den Quartalsverlust unter anderem mit so genannten "Restrukturierungsaufwendungen" von 511 Millionen Euro. Damit sind die Kosten für den seit Jahresbeginn laufenden Konzernumbau gemeint.

Hunderte Fillialen fallen weg

Das Frankfurter Geldhaus will bis Ende 2024 die Zahl der Vollzeitstellen konzernweit von etwa 39.500 auf 32.000 kappen und das Filialnetz in Deutschland von 790 auf 450 Standorte fast halbieren.

Bereits im ersten Quartal hatte die Commerzbank 465 Millionen Euro für Abfindungen an mehr als 10.000 nicht mehr benötigte Mitarbeiter zurückgestellt. Insgesamt belaufen sich die Aufwendungen für den Konzernumbau seit Jahresbeginn somit auf 976 Millionen Euro.

Teures BGH-Urteil zu Bankgebühren

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung für den neuen Commerzbank-Chef Manfred Knof. So hatte der Bundesgerichtshof (BGH) Ende April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen (Az.: XI ZR 26/20). Viele Bankkunden können nun einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern.

Zu den Kosten für den Konzernumbau kamen außerdem im zweiten Quartal noch Rückstellungen von 66 Millionen Euro für das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Preisanpassungen im Privatkundengeschäft hinzu.

Zusätzliche Belastungen resultierten aus dem Stopp des Projekts einer ausgelagerten Wertpapierabwicklung. Das Frankfurter Geldhaus schrieb darauf rund 200 Millionen Euro ab. Hinzu kommen 55 Millionen Euro an Vorsorge für das Kreditportfolio der polnischen mBank.

Kapitalquote im Fokus

Trotz der Kosten für den laufenden Konzernumbau und der hohen Einmalbelastungen im zweiten Quartal hat es die Commerzbank geschafft, die sogenannte harte Kernkapitalquote bei 13,4 Prozent zu halten.

Das harte Kernkapital steht besonders im Fokus der Aufsicht. Es besteht aus eingezahlten Eigenkapitalinstrumenten, die bestimmte Anforderungen erfüllen müssen, sowie den offenen Rücklagen. "Beide Bestandteile müssen den Instituten uneingeschränkt und unmittelbar zur Deckung von Risiken oder Verlusten zur Verfügung stehen", betont etwa die Bundesbank.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Commerzbank den Bankenstresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB) bestanden. Im Falle einer extremen Krise würde demnach ihre harte Kernkapitalquote auf 8,2 Prozent abrutschen. Damit hielt sich die Commerzbank besser als die weit größere Deutsche Bank mit einer Quote von 7,4 Prozent. Die Aufseher fordern mindestens 5,9 Prozent.

Zufriedener Chef, kritischer Analyst

Commerzbank-Chef Knof zeigte sich zufrieden mit dem Zahlenwerk: "Wir haben im ersten Halbjahr ein solides operatives Ergebnis erzielt. Die Umsetzung der Strategie ist voll auf Kurs. Wir treiben alle strategischen Initiativen entschlossen voran und sind bereit, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen."

Kritischer äußerte sich Analyst Kian Abouhossein von der US-Investmentbank JPMorgan. Das operative Ergebnis der Bank habe die Konsensschätzung verfehlt, auch die Einnahmen lägen unter den Markterwartungen. Etwas besser als erwartet seien die Nettozinseinnahmen ausgefallen. Abouhossein beließ seine Einstufung für die Commerzbank auf "Neutral" mit einem Kursziel von 5,80 Euro.

Im frühen Aktienhandel gerät die Commerzbank-Aktie unter Druck. Zu Handelsauftakt verbucht sie ein Minus von 1,6 Prozent auf 5,35 Euro. Binnen Jahresfrist hat das Papier ein Kursplus von rund 20 Prozent eingefahren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. August 2021 um 07:38 Uhr.