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Turbulenzen im Kontrollgremium Führungskrise bei der Commerzbank

Stand: 25.03.2021 15:57 Uhr

Bei der Commerzbank zieht sich das nächste Mitglied des Aufsichtsrats zurück, sogar die Hauptversammlung muss verschoben werden. Das ist auch ein Problem für Finanzminister Olaf Scholz.

Die Commerzbank wird von weiteren personellen Turbulenzen belastet. Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter Anfang März hat völlig überraschend ein weiteres prominentes Mitglied des Kontrollgremiums seinen Posten verlassen: Andreas Schmitz.

Der Topmanager ist mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Zu den Gründen für seine Entscheidung wurden keine Angaben gemacht. Der 61-Jährige war erst zu Jahresbeginn vom Rhein an den Main gewechselt, um dort die Nachfolge des früheren Commerzbank-Managers Nicholas Teller anzutreten.

Schmitz hatte von 2004 bis 2015 die Deutschland-Tochter der britischen Großbank HSBC geleitet, bevor er 2015 in den Aufsichtsrat des Instituts wechselte, den er fortan leitete. Der Manager galt rasch als möglicher Nachfolger von Hans-Jörg Vetter.

Hauptversammlung wird verschoben

Der frühere Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) war erst im August letzten Jahres an die Spitze des Kontrollgremiums der Commerzbank gekommen. Vetter trat die Nachfolge des ehemaligen Commerzbank-Vorstands Stefan Schmittmann an, der nach massivem Druck des Großaktionärs Cerberus an der Ausrichtung der Commerzbank ebenso seinen Hut nahm wie Vorstandschef Martin Zielke.

Bereits im Frühjahr 2020 hatte der Bund wegen der Dauerkrise des Frankfurter Geldhauses seine beiden Vertreter im Aufsichtsrat ausgetauscht. Für den Finanzminister ist die erneute Führungskrise bei der Commerzbank ein ernstes Problem, denn mit 15,6 Prozent ist der Bund immer noch größter Aktionär der Bank.

Weil das Kontrollgremium nach dem überraschenden Abgang Vetters noch nicht neu besetzt werden konnte, hat das Institut nun seine für den 5. Mai geplante ordentliche Hauptversammlung verschoben. Ein neues Datum wurde nicht genannt.

KfW-Chef lehnt Wechsel ab

Der Aufsichtsrat treibe die Nachbesetzung zügig voran, teilte die Commerzbank weiter mit. Ungeachtet der verschobenen Hauptversammlung arbeite der Vorstand unverändert weiter an der Umsetzung der neuen Strategie, wozu auch der Abbau Tausender Arbeitsplätze gehört. Branchenbeobachtern zufolge entpuppt sich die Neubesetzung der vakanten Aufsichtsratsposten allerdings als schwierig, denn die Führungsriege des Instituts könne wegen der Beteiligung des Bundes nicht so frei agieren wie das in anderen Geldhäusern mit ausschließlich privaten Eignern der Fall sei.

Auch Günther Bräunig, Chef der staatseigenen Förderbank KfW, der zuletzt als Nachfolger von Vetter gehandelt worden war, lehnt ab. Er betonte am Donnerstag erneut, dass er für einen Posten im Aufsichtsrat der Commerzbank nicht zur Verfügung stehe. "Ich habe das schon vor einem Jahr abgelehnt, und das habe ich auch dann noch mal abgelehnt", sagte Bräunig bei der Bilanz-Pressekonferenz der KfW zu einem möglichen Wechsel.

Die Rücktritte von Vetter und Schmitz sind für die Commerzbank ein schwerer Schlag, galten sie doch als wichtige Architekten der geplanten Sanierung. Die seit vielen Jahren kränkelnde Bank will bis 2024 insgesamt 10.000 Stellen streichen und 340 Filialen schließen. So soll die Eigenkapitalrendite in den kommenden vier Jahren auf sieben Prozent klettern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16 März 2021 um 17:24 Uhr.