Polizeiabsperrung nach einen Banküberfall. (Archivbild: 15.11.2021) | imago/Sascha Ditscher

Kriminalität Der "klassische" Bankräuber stirbt aus

Stand: 15.11.2021 12:48 Uhr

Bankräuber sind in Deutschland fast ausgestorben: Die Zahl der Überfälle auf Geldinstitute ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesunken. Dafür greifen die Gangster zu anderen Mitteln.

Es sind spektakuläre Szenen, die sich an einem Freitagvormittag im Februar vor einer Volksbank-Filiale am Berliner Kurfürstendamm abspielen. Als die Geldboten gerade die Automaten des Kreditinstituts auffüllen wollen, fährt ein Auto vor, heraus stürmen mehrere Männer. Sie bedrohen die Geldboten mit Pistolen, entreißen ihnen die Geldkassetten und verschwinden binnen Minuten im Verkehr der Großstadt.

In Berlin sind solch rabiate Methoden keine Ausnahme mehr. Sie bestätigen, was auch die Statistiken des Bundeskriminalamtes (BKA) aufdecken: Die "klassischen" Bankräuber, die in eine Bankfiliale stürmen, um dort mit vorgehaltener Waffe Bargeld zu erbeuten, gibt es immer weniger. Wie die Zeitreihen des Bundeskriminalamts zeigen, ist die Zahl der Überfälle auf Banken, Sparkassen und auch Postfilialen in den vergangenen drei Jahrzehnten um 95 Prozent gesunken. Im Jahr 1993 zählte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden noch 1623 Überfälle auf "Geldinstitute und Poststellen", im vergangenen Jahr waren es lediglich 80.

Immer weniger Bankfilialen

Polizei, Banken und Versicherer sehen mehrere Ursachen für das Phänomen. Mitte der 90er Jahre gab es noch fast 70.000 Bankfilialen in Deutschland, Ende vergangenen Jahres waren es laut Bundesbank noch gut 24 000. Bankräuber haben heute also weniger Auswahl als früher. Hinzu kommen technischer Fortschritt und abnehmende Bedeutung des Bargelds.

Das Risiko für die Täter ist außerordentlich hoch; die Polizei kann drei Viertel der Überfälle aufklären. "Führen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie beispielsweise geringe Bargeldbestände zu entsprechend niedrigen Beuteerwartungen, werden Raubdelikte in der Regel unter Risiko-Nutzen-Gesichtspunkten zu unattraktiven Straftaten", erläutert eine Sprecherin des BKA.

Geldautomatensprengungen haben Hochkonjunktur

Weil Bargeld für viele Täter aber immer noch hoch im Kurs steht, sind Banken und Sparkassen inzwischen mit anderen, nicht minder rabiaten Methoden der illegalen Geldbeschaffung konfrontiert: Hochkonjunktur haben Geldautomatensprengungen. Deren Zahl hat allein zwischen 2015 und 2019 mehr als verdoppelt. Im Jahr 2019 wurden dem Bundeskriminalamt 349 versuchte und vollendete Fälle bekannt. In 218 Fällen führten die Täter eine Explosion herbei, in 131 Fällen wurde die beabsichtigte Sprengung nicht ausgelöst. In insgesamt 142 Fällen gelangten die Täter nach erfolgreicher Sprengung des Geldautomaten an Bargeld. Bei den 132 im Jahr 2019 gefassten mutmaßlichen Tätern handelt es sich mehrheitlich um Reisende, die aus dem Ausland, allen voran den Niederlanden, extra zu den Sprengungen nach Deutschland reisen.

Bei dieser relativ neuen Art des Banküberfalls gelangten die Täter im Jahr 2019 an etwa 15,2 Millionen Euro Bargeld, wie das BKA berichtet. Die durchschnittliche Beutesumme lag danach bei rund 107.000 Euro.

Hohe Schäden entstehen auch durch die Manipulation von Geldautomaten, etwa durch das Ausspähen von Daten, dem sogenannten Skimming. Beliebter wurde zuletzt auch das Jackpotting: Dabei wird vor Ort eine Schadsoftware auf den Computer des Geldautomaten eingespielt. Anschließend erfolgt über den infizierten Computer des Geldautomaten ein Zugriff auf das Auszahlungsmodul des Automaten mit dem Ziel, nacheinander mehrere unautorisierte Bargeldauszahlungen zu initiieren. Insgesamt beläuft sich der Schaden durch solche technischen Manipulationen von Geldautomaten laut den Zahlen des BKA auf 1,4 Millionen Euro allein im Jahr 2019. Neuere Statistiken gibt es dazu noch keine.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 15. November 2021 um 09:20 Uhr in den Nachrichten.