EC-Karten verschiedener Banken liegen übereinander. | dpa

Girokonten Fast 350 Banken erheben Negativzinsen

Stand: 30.06.2021 10:36 Uhr

Immer mehr Bankkunden hierzulande müssen mit Strafzinsen rechnen, wenn sie größere Beträge auf ihrem Girokonto parken. In einigen Fällen gilt dies bereits ab 25.000 Euro. Auch die Gebühren steigen.

Die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Negativzinsen verlangen, hat sich einer Studie zufolge innerhalb eines halben Jahres fast verdoppelt. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox erheben inzwischen 349 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt bei größeren Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto (Stichtag: 29.Juni). Das sind 171 mehr als Ende 2020. "Aktuell kommen nahezu täglich weitere Geldhäuser hinzu", berichtet Verivox-Manager Oliver Maier. Zugleich verschärften viele Institute ihre Regelungen. Verivox wertet die im Internet veröffentlichten Preisaushänge von etwa 1300 Banken und Sparkassen aus.

Die Geldhäuser erhöhten den Angaben zufolge die verlangten Verwahrentgelte oder reduzierten die Freibeträge, bis zu denen ein Guthaben auf dem Konto von Negativzinsen befreit bleibt. Lange Zeit wurde vor allem bei großen Summen ab 100.000 Euro ein Entgelt fällig. Inzwischen erheben Verivox zufolge mindestens 102 Institute Negativzinsen ab einer Gesamteinlage von 50.000 Euro oder weniger pro Kunde und Kundin. Zuletzt hatte die Direktbank ING angekündigt, von November an den Freibetrag von 100.000 Euro auf 50.000 Euro pro Konto zu halbieren. Dazu will die Bank ab Juli die etwa 750.000 betroffenen Kunden anschreiben, die mehr als 50.000 Euro auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto haben, und diese bitten, der Einführung des Verwahrentgelts zuzustimmen.

Sparda-Bank West senkt Freigrenze auf 25.000 Euro

Noch härter hat es die Kunden der Sparda-Bank West getroffen. Dort müssen seit April sowohl Bestands- als auch Neukunden ab Einlagen auf dem Girokonto von 25.000 Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent zahlen. Bei Tagesgeldkonten liegt die Freigrenze bei 50.000 Euro. "Wir haben lange auf einen solchen Schritt verzichtet, müssen ihn jetzt aber zum Wohle der gesamten Genossenschaft gehen", zitierte das "Handelsblatt" den Vorstandsvorsitzenden Manfred Stevermann. Er rechtfertigte die Maßnahme damit, dass die immer wieder prognostizierte Zinswende ausgeblieben und durch die Corona-Pandemie sogar in weite Ferne gerückt sei.

Auch große Institute wie die Commerzbank und die Postbank haben ähnliche Schritte angekündigt oder bereits vollzogen. "Wenn große Häuser ihre Negativzins-Regelungen verschärfen, besteht für Sparer immer die Gefahr, dass das zur Blaupause für andere Marktteilnehmer wird", so Verivox-Manager Maier. "Gut möglich, dass sich künftig noch mehr Bankkunden auf niedrigere Freibeträge einstellen müssen."

Bankgebühren dürften weiter steigen

Grund für die Einführung der Strafzinsen ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie hat entschieden, dass Geschäftsbanken 0,5 Prozent Zinsen zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei ihr parken. 15 Milliarden Euro werden die hiesigen Kreditinstitute in diesem Jahr dafür zahlen müssen, schätzt der Bankenverband. Die Kosten dafür geben viele nun an auch an ihre Privatkunden weiter.

Gleichzeitig haben viele Banken und Sparkassen ihre Kontoführungsgebühren zuletzt weiter erhöht oder einen solchen Schritt angekündigt. Zwar haben einige Institute nach dem jüngsten BGH-Urteil inzwischen auf die Maßnahmen verzichtet. Doch Experten erwarten, dass sich die deutschen Bankkunden mittel- bis langfristig auf weiter steigende Gebühren für Bankdienstleistungen einstellen müssen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 30. Juni 2021 um 08:49 Uhr.