Bankenskyline in Frankfurt
Hintergrund

Deutsche Banken im Vergleich Global nur Mittelmaß

Stand: 27.01.2022 08:24 Uhr

Nicht nur US-Großbanken, sondern auch einige große europäische Geldhäuser schaffen wieder zweistellige Milliardengewinne. Davon sind die größten deutschen Privatbanken weit entfernt. Was sind die Gründe?

Von Constantin Röse, ARD-Börsenstudio

In der Frankfurter Skyline gehören die Wolkenkratzer der Commerzbank und der Deutschen Bank zu den ganz Großen. In der Finanzwelt sieht das ganz anders aus. In Europa oder den USA gehören die deutschen Banken nur zum Mittelmaß der Branche. Hohe Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe machen die anderen. 

Warum das so ist? Das ist immer noch eine Folge der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009. Während in den USA Banken mit gigantischen Finanzpaketen gerettet wurden, waren in Europa die Hilfen deutlich geringer, erklärt Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance. "Die amerikanischen Banken sind am Schluss gestärkt aus der Finanzkrise hervorgegangen, die europäischen Banken eher geschwächt", so der Experte. "Dazu kam, dass eine Bank wie die Deutsche Bank, vor allem vor 2007, 2008 auf das US-Investmentbanking gesetzt hat und da große Risiken eingegangen ist, an denen sie heute noch knabbert."

Kleinere Marktanteile im Geschäft mit Privatkunden

Erschwerend hinzu kommt eine Eigenheit des deutschen Marktes. Die Sparkassen und Volksbanken dominieren und konkurrieren mit den Privatbanken. "Die Marktanteile, die beispielsweise eine Deutsche Bank oder eine Commerzbank im Privatkundengeschäft hat, sind deutlich niedriger als im Ausland, in Spanien oder in Frankreich, da sind die Märkte viel konsolidierter", sagt Philipp Häßler, Bankenexperte von Pareto Securities.

Es gibt also weniger Wettbewerber. Deshalb können Banken in Spanien oder Frankreich auch für sich bessere Preise durchsetzen. Trotzdem: Gegen die mächtigen US-Investmentbanken wie JP Morgan oder die Bank of America kommen sie nicht an. Das weiß auch der Chef der spanischen Santander Bank, José Antonio Alvarez. Das Problem, dass man in Europa im Bankengeschäft habe, seien die relativ kleinen Kapitalmärkte, so sagt er. Sie seien fragmentiert und nicht so gut entwickelt. "Wenn man keinen starken Heimatmarkt hat, ist es schwierig, weltweit zu konkurrieren."

US-Banken beraten eher bei Börsengängen

Großbanken aus den USA haben es dagegen leichter, kennen keine Ländergrenzen in ihrem Markt. Und so begleiten sie die größten Fusionen und Übernahmen von Unternehmenskunden und machen satte Gewinne im Wertpapiergeschäft.

Das sei schlecht für deutsche Unternehmen, die solche Dienstleistungen brauchten, sagt Bankenexperte Häßler: "Wer jetzt eine globale Investmentbank sucht für einen Börsengang in den USA, der denkt zuerst an die großen US-Investmentbanken und nicht gleich an die Deutsche Bank beispielsweise."

US-Banken kommt das gelegen, wollen sie doch auch in Europa weiter wachsen. Die größte amerikanische Bank, JP Morgan, will in Zukunft vor allem den Mittelstand erschließen. Geldhäuser wie die französische BNP Paribas sind da ernstzunehmendere Konkurrenten als eine deutsche Bank. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Januar 2022 um 09:05 Uhr.