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Aktienhandel Amsterdam jetzt Europas Nummer Eins

Stand: 11.02.2021 18:03 Uhr

Als Folge des Brexit hat London im Januar seine traditionell führende Rolle im europäischen Aktienhandel an Amsterdam verloren. Im vergangenen Jahr sah das noch ganz anders aus.

Amsterdam hat im vergangenen Monat London als Europas größten Handelsplatz für Aktien abgelöst, weil zahlreiche Investoren nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union den Handel an die in Amsterdam ansässige Börsenplattform Euronext ausgelagert haben. So erreichte das tägliche Handelsvolumen an der Euronext Amsterdam, inklusive den Terminbörsen CBOE Europe und Turquoise, durchschnittlich 9,2 Milliarden Euro - vier Mal mehr als noch im Dezember.

Dagegen sank das Volumen in London nach Angaben von CBOE Europe auf 8,6 Milliarden Euro, so dass London seine historische Position als wichtigste Drehscheibe des Aktienhandels in Europa aufgeben musste. Paris folgt mit gut sechs Milliarden auf Platz drei, Frankfurt mit 5,8 Milliarden knapp dahinter.

Die Verlagerung auf den Kontinent erfolgte vor allem deshalb, weil Banken aus der EU in London nicht mehr mit Aktien handeln dürfen, denn Brüssel erkennt die britische Finanzaufsicht seit dem Brexit nicht mehr an. Dadurch kam es im Januar zu einer sofortigen Verlagerung von Geschäften in Höhe von 6,5 Milliarden Euro in die EU. Das entspricht etwa der Hälfte des Geschäftsvolumens, das Londoner Banken und Makler zuvor am Tag abgewickelt haben.

Vor negativen Folgen gewarnt

Der Finanzplatz London hatte lange vor negativen Folgen des Austritts Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt gewarnt. Börsenvertreter vermuten, dass die Verlagerung von Handelsströmen von London nach Amsterdam wahrscheinlich dauerhaft sein wird, da die EU darauf beharrt, dass in Euro notierte Aktien in der EU gehandelt werden müssen.

Der Siegeszug Amsterdams war eingeläutet worden, nachdem die Handelsplattformen CBOE und die eigentlich in London angesiedelte Turquoise nach dem Brexit-Votum 2016 in den Niederlanden aktiv wurden.

Einen kleinen Teil der Ausfälle hofft London mit dem Handel von in Schweizer Franken notierten Schweizer Aktien zu kompensieren, der in diesem Monat wieder aufgenommen wurde. Im Schnitt wechseln dabei 250 Millionen Euro täglich den Besitzer, was sich wieder in Richtung eine Milliarde bewegen sollte - auf das Niveau vor dem Ende des Handels mit Schweizer Aktien in London im Juni 2019. Seit damals erkennen die Schweiz und die EU ihre Börsen gegenseitig nicht mehr an.

Frankfurt auf Platz fünf

Analysten und Bankern zufolge dürfte der geringere Aktienhandel in London zunächst nicht den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen zur Folge haben. Auf erhebliche Ausfälle müssen sich wohl die britischen Finanzämter einstellen. Finanzdienstleistungen haben im vergangenen Jahr nach Angaben der "Financial Times" Steuereinnahmen in Höhe von fast 76 Milliarden Pfund generiert.

Auf Jahressicht lagen die Briten allerdings mit einem durchschnittlichen Handelsvolumen von 17,5 Milliarden Euro 2020 pro Tag noch deutlich auf Platz Eins, Frankfurt belegte mit 5,9 Milliarden Euro den zweiten Platz. Amsterdam schaffte es mit 2,6 Milliarden nur auf Platz Sechs.