Dijsselbloem und Varoufakis

Eurogruppenchef trifft griechischen Finanzminister Zu Besuch beim Mann der starken Worte

Stand: 30.01.2015 09:41 Uhr

Will Griechenland weitere Kredite erhalten, muss auch die neue Regierung mit der ungeliebten Troika kooperieren. Doch nach ersten Gesprächen mit der EU ist unklar, wie es weitergeht. Nun trifft Eurogruppenchef Dijsselbloem Athens neuen Finanzminister Varoufakis.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Brüssel

Nach seinen Gesprächen mit der neuen Regierung in Athen zeigte Martin Schulz Anzeichen von Erleichterung: Die griechische Regierung sei nicht völlig dogmatisch was mögliche Lösungen der Schuldenkrise angehe, betonte der EU-Parlamentspräsident.

Ralph Sina ARD-Studio Brüssel

Deshalb schöpft Schulz auch gewisse Hoffnung für das heutige Treffen zwischen Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis und dessen niederländischem Amtskollegen Jeroen Dijsselbloem. Eines ahnt Schulz nach seinen Gesprächen in Athen schon jetzt: "Ich bin mit ziemlich sicher, dass die Debatten sehr kontrovers sein werden", so der Parlamentspräsident. Und zwar sowohl die Debatte des griechischen Finanzministers mit Eurogruppenchef Dijsselbloem, als auch die Folgedebatten mit der EU-Kommission und den anderen internationalen Geldgebern.

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Die Minister im Kabinett von Alexis Tsipras

Bekannt für harte Töne

Denn die Wortwahl des 53-jährigen Wirtschaftsprofessors und griechischen Finanzministers Varoufakis ist nicht gerade dazu angetan, den Konflikt um Griechenlands Schuldenkrise zu entschärfen. "Was wir in den letzten fünf Jahren erlebt haben, ist eine Politik der Finanzfolter, des fiskalischen Waterbording, das Griechenland in eine Schuldenkolonie verwandelt hat", sagte Varoufakis in dieser Woche gegenüber der BBC.

Im übrigen würden bereits Zweit-und Drittklässler begreifen, dass die Rettungspolitik der internationalen Geldgeber nicht funktionieren könne

Doch Eurogruppenchef Dijsselbloem und seine Finanzministerkollegen haben während ihres Treffens in Brüssel zu Wochenbeginn bereits deutlich gemacht,dass es Debatten mit Griechenland über einen Schuldenerlass nicht geben wird. Um dennoch schnell mit der neuen Athener Regierung ins Gespräch zu kommen, telefonierte Dijsselbloem von Brüssel aus mit Varoufakis, bevor der überhaupt seine Ernennungsurkunde als griechischer Finanzminister in der Hand hatte. 

Griechenland will in der Eurozone bleiben, freute sich Dijsselbloem nach dem Telefonat. Und noch in einem zweiten Punkt ist sich der Eurogruppenchef mit dem griechischen Finanzminister einig: Griechenland braucht grundlegende Strukturreformen.

"Schluss mit der Bürokratie in Griechenland. Und lasst uns die Korruption bekämpfen. Und die systematische Steuervermeidung", so Dijsselbloem.

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Zahlen und Fakten zu Griechenland

Zur Zusammenarbeit bereit?

Doch die entscheidende Frage beim Dijsselbloem-Besuch in Athen lautet, ob Griechenland sehr zügig zur Zusammenarbeit mit der EU-Kommission, dem Internationalen Währungsfond und der Europäischen Zentralbank bereit ist - also mit der in Athen verhassten Troika.

Ohne diese Zusammenarbeit wird es nämlich nicht den von Athen benötigten nächsten Milliardenkredit geben. Und auch keinen neuen Kreditrahmen in zweistelliger Milliardenhöhe, ohne den Griechenland in den nächsten Monaten an den Rand seiner Zahlungsfähigkeit gerät.

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KOMMENTARE

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Bourdichon 30.01.2015 • 14:57 Uhr

Mit dem Euro und Griechenland wie immer wird spekuliert

Nach der Wahl in Griechenland, es wird diskutiert und spekuliert wie bei Maybrit Illner am 29 Januar 2015. Die Frage ist was passiert mit dem Euro, es ist immer noch die stärke Währung gegenüber dem US Dollar auch wenn dem Euro z.Z. bei 1,12 liegt und wird mit große Sicherheit wiedersteigen. Sicher ist Griechenland wird so oder so nicht um Reformen herumkommen und sollte sich ein Beispiel an Portugal nehmen. Je eher das die Bevölkerung einsieht um so besser für sie selbst. Oder Griechenland verlässt die Eurozone durch die Wiedereinführung seine Landeswährung, die ihn weltweit wieder wettbewerbsfähig erlauben würde, es wird aber nicht seine Schulden reduzieren, im Gegenteil! es sei denn, seine Gläubiger akzeptieren eine Rekapitalisierung seiner Schulden. Den geforderten Schuldenerlass wird es nicht geben. Will GR neue Kredite in Milliardenhöhe haben, muss es mit Brüssel u.a. Gläubigern kooperieren.