Hintergrund

Russisch-griechische Beziehungen Kirche, Erdbeeren und Akropolis

Stand: 29.01.2015 15:15 Uhr

Griechenland und Russland - zwei Länder, deren enge Beziehung nicht auf den ersten Blick klar wird. Doch tatsächlich verbindet Athen und Moskau nicht nur die orthodoxe Kirche, sondern auch Erdbeeren und eine Reisevorliebe des russischen Präsidenten.

Das Verhältnis zwischen Griechenland und Russland ist traditionell eng. Besonders die wichtige Rolle der orthodoxen Kirche verbindet beide Länder. Nach dem Wahlsieg von Alexis Tsipras war der russische Präsident Wladimir Putin deshalb auch einer der ersten Gratulanten. Mit seinen Glückwünschen verband der Kreml-Chef aber auch gleich die Hoffnung, dass man "bei der Lösung aktueller Probleme in Europa und der Welt zusammenarbeiten" werde.

Putin bei einem Besuch der Akropolis 2001
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Der russische Präsident Putin bei einem Besuch auf der Akropolis 2001.

Griechische Bauern leiden unter Importverbot

Putins Hoffnung: Mit Tsipras könnte er einen neuen Fürsprecher innerhalb der EU haben. Das hält auch Jan Techau vom Institut Carnegie Europe für möglich. Besonders mit Blick auf die kränkelnde griechische Wirtschaft dürfte Tsipras daran ein großes Interesse haben.

Denn sowohl als Markt für landwirtschaftliche Produkte als auch im Tourismus spielt Russland eine Rolle. Etwa eine Million Russen kommen pro Jahr nach Griechenland. 2013 waren sie damit die drittgrößte Gruppe ausländischer Gäste. Angesichts des schwächelnden Rubels konnten sich zuletzt jedoch viele Urlauber die Reise nach Griechenland nicht mehr leisten. Laut "Handelsblatt" verbringt auch Putin selbst seinen Urlaub oft an der Ägäis.

Unter dem von Russland im August 2014 verhängten Importverbot für EU-Waren leiden auch viele griechische Bauern. Traditionell exportierten sie Erdbeeren, Kiwis und Pfirsiche nach Russland. Auch Fisch-, Pelz- und Pharma-Produkte wurden bisher nachgefragt.

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Laut griechischen Medien haben Vertreter aus Athen bereits im August 2014 mit Moskau über Ausnahmen vom Importverbot für Griechenland verhandelt. Damals berichtete die Zeitung "Kathimerini" von geheimen Gesprächen. Russische Diplomaten hätten dabei angedeutet, für Griechenland ein paar Ausnahmen vom Importverbot zu machen; schließlich gehöre Griechenland nicht zu den EU-Ländern, die laut Sanktionen gegen Russland gefordert hätten.

Finanzen und Energie

Auch im Finanzsektor gibt es enge Verbindungen. So halten russische Aktionäre große Anteile an der auch für Griechenland wichtigen "Bank of Cyprus". Eng ist die Beziehung beider Staaten auch im Energiesektor: Mehr als 60 Prozent des von Athen importierten Gases stammen aus Russland, schreibt das "Handelsblatt".

Putin vor einer russischen und griechischen Flagge
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Wie steht die neue griechische Regierung zu Russland? Diese Frage stellen sich gerade Beteiligte und Beobachter.

Dass die jüngsten Äußerungen von Tsipras allerdings auf einen grundsätzlichen Politikwechsel mit einer Verschiebung des Fokus in Richtung Osten hindeuten, halten Experten für unwahrscheinlich. Vielmehr setze der neue Regierungschef auf Show-Effekte, sagte Dimitris Keridis, Professor für internationale Beziehungen an der Panteion-Universität in Athen "Spiegel online".

Der Syriza-Politiker müsse nach dem Wahlerfolg vor allem demonstrieren, dass er sich von der alten Regierung unterscheide. Sollte Syriza Europa tatsächlich den Rücken kehren, sagt Keridis, "dann wäre das katastrophal für Griechenland, ein Desaster".

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