ICE-Züge der Deutschen Bahn | Bildquelle: REUTERS

Probleme im Schienenverkehr Bund verlangt grundlegende Reform der Bahn

Stand: 16.12.2018 16:46 Uhr

Die Große Koalition ist nicht zufrieden mit der Deutschen Bahn. Der Beauftragte für den Schienenverkehr fordert eine grundlegende Neustrukturierung. Auch Grüne und FDP haben Vorstellungen, wie die Bahn besser funktionieren könnte.

Die Bundesregierung erwartet angesichts der anhaltenden Probleme bei der Deutschen Bahn eine grundlegende Reform des Staatsunternehmens. "Wir sind besorgt darüber, wie der DB-Vorstand das System Bahn fährt. Mit der Leistung kann man nicht zufrieden sein", sagte der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann, der "Welt am Sonntag".

"Die Bahn braucht eine Neustrukturierung. Wir erwarten, dass der Vorstand der Bundesregierung bis März ein entsprechendes Konzept vorlegt", sagte der CDU-Politiker Ferlemann, der Staatssekretär im Bundesverkehrsministeriums ist. "Erste Ergebnisse wollen wir bei einem Termin im Januar hören."

SPD: "Denken in Kästchen und Vorgärten"

Es gebe unterhalb der Holding Aktiengesellschaften mit Vorständen und Aufsichtsräten, "die aneinander vorbei und zum Teil auch gegen die Interessen der anderen DB-Gesellschaften entscheiden", so Ferlemann. Er macht auch Führungsfehler für Probleme verantwortlich. Die Managementebene unterhalb des Vorstands blockiere effiziente Führungsstrukturen.

"Beschlüsse des Vorstands bleiben dort hängen und dringen nicht zu den Mitarbeitern durch, die sie umsetzen sollen. Und Kritik und Anregungen der Belegschaft schaffen es durch die Lehmschicht des mittleren Managements nicht bis an die Konzernspitze", sagte er.

Der erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sagte der Zeitung, in den einzelnen Unternehmensteilen müsse "das Denken in Kästchen und Vorgärten aufhören". "Hier müssen Strukturen innerhalb des integrierten Unternehmens neu gedacht werden."

Eine Frau läuft neben einem Zug auf dem Bahnsteig entlang
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Die Deutsche Bahn - "Denken in Kästchen und Vorgärten", so die SPD. "Zersplitterte Zuständigkeitschaos", so die Grünen. "Kurz vor dem Kollaps", so die FDP.

Kritik auch von Grünen und FDP

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, die Transportsparten zu bündeln, um Synergieeffekte zu erzielen: "Alles was rollt, gehört unter ein Dach." Nötig sei ein Neustart, auch im Bereich Infrastruktur: "Das zersplitterte Zuständigkeitschaos von Tochtergesellschaften wie DB Netz, DB Station und Service, DB Energie und DB Immobilien muss ein Ende haben."

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Oliver Luksic, warnte: "Das System Deutsche Bahn steht kurz vor dem Kollaps." Ohne radikale Maßnahmen werde Sie im kommenden Jahr die 20 Milliarden Schuldengrenze durchbrechen.

500 Millionen Euro für Berater

Die "Bild am Sonntag" berichtete unterdessen, die Bahn habe 2015 rund 80 Millionen Euro an externe Berater gezahlt, 2016 rund 120 Millionen Euro und 2017 sogar 160 Millionen Euro; in diesem Jahr dürften es mehr als 150 Millionen Euro werden. Bahn-Chef Richard Lutz habe deshalb die Notbremse gezogen, schrieb die Zeitung weiter. Der Konzernvorstand habe für das kommende Jahr eine starke Reduzierung von Beratungskosten beschlossen, "die einen Budgetdeckel von 100 Millionen Euro" vorsehe, zitierte die "BamS" einen Konzernsprecher.

Der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, stellt in Berlin die Halbjahresbilanz 2018 vor. | Bildquelle: dpa
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Der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, hat laut "BamS" die Notbremse gezogen und eine starke Reduzierung von Beratungskosten beschlossen.

Torsten Herbst, FDP-Obmann im Verkehrsausschuss, kritisierte laut der Zeitung, dass sich "das Strategiedefizit im DB-Konzern" nicht durch den Einkauf teurer Berater lösen lasse. Angesichts der hohen Verschuldung des Unternehmens handele es sich um "Führungsschwäche". Diese könnten "auch externe Berater nicht beheben".

Bahn-Chef Lutz hatte wegen sinkender Gewinne erst Anfang September in einem Brandbrief an die Führungskräfte des Unternehmens eine bessere Zusammenarbeit und strengere Kostenkontrolle angemahnt. Auch bei der Pünktlichkeit liegt der Konzern unterhalb der selbstgesteckten Ziele. 

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