Ein ICE-Sonderzug fährt am 08.12.2017 bei Erfurt (Thüringen) über die ICE-Neubaustrecke München - Berlin. | Bildquelle: dpa

Neue Trasse Berlin - München Zwei Drittel der Züge waren unpünktlich

Stand: 27.12.2017 11:40 Uhr

Anfang Dezember weihte die Bahn medienwirksam die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen München und Berlin ein. Doch seitdem sind zwei Drittel aller Züge dort unpünktlich. Das berichtet die "Bild" unter Berufung auf eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung.

Fast zwei Drittel aller Züge auf der am 10. Dezember eröffneten Neubaustrecke zwischen München und Berlin sind unpünktlich. Das geht nach Angaben der "Bild"-Zeitung aus einer Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hervor. Zwischen dem 10. und 18. Dezember kamen demnach nur 94 Züge planmäßig am Zielort an, 195 Züge verspäteten sich um mehr als eine Minute, davon 125 um mehr als sechs Minuten.

Die Deutsche Bahn bestätigte dies. Sie wies allerdings darauf hin, dass dabei alle Züge mitgezählt wurden, die sich um mehr als eine Minute verspäteten. Die Bahn wertet Züge erst ab der sechsten Minute als verspätet. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten auf der neuen Strecke sowie dem Wintereinbruch kurz vor dem Fahrplanwechsel habe sich die Pünktlichkeit im Fernverkehr deutlich stabilisiert, sagte eine Sprecherin der Bahn. Mehr als 90 Prozent der Züge seien an den Feiertagen pünktlich gewesen - auch zwischen Berlin und München.

Bahnchef Lutz und Kanzlerin Merkel bei der Eröffnungsfeier für die ICE-Neubaustrecke | Bildquelle: dpa
galerie

Schon bei der Jungfernfahrt mit Bahnchef Lutz und Kanzlerin Merkel hatte der neue ICE 4 Verspätung.

Viele Probleme

Es sei "gehörig was faul" im Staatskonzern Bahn, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer dem Blatt. Es räche sich jetzt, dass die Bahn "in Prestigeprojekte und Weltkonzernambitionen investiert" und dabei ihr Kerngeschäft vernachlässige, "Menschen in Deutschland günstig, komfortabel und verlässlich von A nach B zu transportieren". Statt einzelne Hochgeschwindigkeitsstrecken und unterirdische Bahnhöfe brauche die Bahn "Investitionen in Alltagsinfrastruktur für mehr Verlässlichkeit", so Krischer.

Der Ausbau der Strecke hat mehrere Milliarden Euro gekostet. Auf den 623 Kilometern zwischen Berlin und München über Erfurt fahren die ICE-Züge mit bis zu Tempo 300. Dadurch kommen Fahrgäste mehr als zwei Stunden eher an, als noch im vergangenen Monat.

Doch schon seit Inbetriebnahme der Strecke läuft es nicht rund für die Bahn. Mehrere Verbindungen mussten wegen technischer Probleme bereits ausfallen. Und bei den Feierlichkeiten zur Einweihung der neuen Strecke mit Kanzlerin Angela Merkel, erreichte ein Zug mit rund 200 Ehrengästen und Journalisten München - wegen diverser Pannen - mit mehr als zwei Stunden Verspätung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2017 um 06:00 Uhr.

Darstellung: