Ein Mann geht im Berliner Hauptbahnhof an einem ICE entlang. | Bildquelle: dpa

Aufsichtsrat zu Defiziten Bahn plant Investitionen "auf Rekordniveau"

Stand: 23.11.2018 20:12 Uhr

Die Deutsche Bahn will mit höheren Ausgaben für Züge, Schienen und Mitarbeiter aus der Krise kommen. Einen umfassenden Konzernumbau, den die Grünen forderten, lehnt der Aufsichtsrat aber ab.

Investitionen und ein Machtwort des Aufsichtsratschefs sollen der Deutschen Bahn helfen, ihre Krise zu überwinden. In den kommenden Jahren seien Investitionen "auf Rekordniveau" geplant, deren besonderes Augenmerk auf "Erhalt und Ausbau der Infrastruktur sowie der zügigen Beseitigung von Engpässen" liege, teilte der Aufsichtsrat nach einer zweitägigen Klausurtagung mit.

Nach einer umfangreichen Analyse habe der Vorstand eine Reihe von Verbesserungsmaßnahmen in den Bereichen Infrastruktur, Fern-, Nah- und Güterverkehr vorgelegt.

"Der Aufsichtsrat erwartet nun, dass die festgestellten Defizite beseitigt und sich ergebende Chancen zügig und konsequent angepackt werden", teilte der Vorsitzende Michael Odenwald mit.

Milliardenbedarf an Investitionen

Zahlen zum geplanten Investitionsvolumen wollte der Staatskonzern jedoch zunächst nicht nennen - unklar ist auch, wie viel vom Bund getragen werden soll.

Zuvor war aus dem Unternehmen die Summe von fünf Milliarden Euro gedrungen, die in den kommenden vier Jahren zusätzlich benötigt werde. Unter Berufung auf Aufsichtsratskreise meldet dpa, der Investitionsbedarf belaufe sich auf 50 Milliarden Euro.

Die Bahn steht wegen vieler Verspätungen in der Kritik. Im Oktober kamen nur 71,8 Prozent der Züge pünktlich an ihre Ziele. Nach einem Bericht des Magazins "Kontraste" fehlen derzeit rund 5800 Mitarbeiter im "betriebskritischen Bereich" des Zugverkehrs.

Darüber hinaus seien im Sommer nur 20 Prozent der eingesetzten ICE-Züge "voll funktionsfähig" unterwegs gewesen. Grund sei vor allem fehlendes Personal in den Werkstätten. Ein Bahn-Sprecher betonte, auch kleinere Probleme wie ausgefallene Kaffeemaschinen oder eine defekte Tür flössen in die Statistik ein - die Sicherheit der Züge sei aber jederzeit gewährleistet.

Einheit von Netz und Betrieb

Eine Umstrukturierung des Konzerns, wie Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sie gefordert hatte, lehnt die Bahn jedoch weiter ab.

Eine Trennung von Netz und Betrieb löse keines der augenblicklichen Probleme, sondern schaffe neue, sagte der EVG-Vorsitzende und stellvertretende Bahn-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner. Es gebe in ganz Europa kein Eisenbahnunternehmen, bei dem ein Trennungsmodell funktioniert habe: "Da, wo man es probiert hat, etwa in Großbritannien oder in Frankreich, kehrt man zum integrierten Konzern zurück, weil dieses Modell die meisten Vorteile bietet."

Hofreiter hatte in der "Süddeutschen Zeitung" gefordert, die Bundesregierung müsse eine Neuaufstellung des Konzerns anstoßen: Es gehe vorrangig darum, das Chaos zersplitterter Zuständigkeiten vieler kleiner Gesellschaften zu beenden. Die verschiedenen Töchter, die für das Bahn-Netz verantwortlich seien, müssten zu einer Infrastrukturgesellschaft fusionieren. "Ohne klare Zuständigkeiten laufen auch Milliardeninvestitionen ins Leere", warnte Hofreiter.

Auch die Initiative "Bahn für alle" forderte einen grundlegenden Umbau der Bahn: Mit der Bahnreform 1994, die Bundesbahn und die ehemalige DDR-Reichtsbahn als Aktiengesellschaft zusammenführte, sei ein riesiger Kostendruck erzeugt worden, sagte Sprecher Bernhard Knierim dem RBB. "Diese Grundidee, dass man ständig überall billiger sein müsste, dass man letztlich den Profit maximieren muss, das passt nicht zusammen mit guter Wartung, mit Zuverlässigkeit, mit einem vernünftigen Preissystem für alle Kunden", kritisierte Knierim.

Die Bundesregierung hat eine Aufspaltung der Bahngesellschaft im Koalitionsvertrag jedoch ausgeschlossen.

Züge des Typs ICE stehen auf dem nächtlichen Münchner Hauptbahnhof. | Bildquelle: dpa
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Für die Wartung der ICE soll deutlich mehr Personal eingesetzt werden - notfalls auch von externen Anbietern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2018 um 18:30 Uhr, 19:10 Uhr und 23:43 Uhr.

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