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Im Visier der Kartellbehörde Missbrauchsverfahren gegen Amazon

Stand: 29.11.2018 18:45 Uhr

Das Kartellamt hat ein Verfahren gegen Amazon eingeleitet. Die Behörde will die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen des US-Konzerns gegenüber Händlern auf dem deutschen Marktplatz überprüfen.

Das Bundeskartellamt nimmt den Online-Riesen Amazon ins Visier. Die Behörde habe ein Missbrauchsverfahren gegen den US-Konzern eingeleitet, teilten die Wettbewerbshüter mit. Im Mittelpunkt steht dabei amazon.de, der mit Abstand größte Online-Marktplatz in der Bundesrepublik.

Das Kartellamt wolle die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen von Amazon gegenüber den Händlern dort untersuchen. Denn Amazon nimmt eine Doppelrolle ein - der US-Konzern ist selbst der mit Abstand größte Online-Händler in Deutschland und betreibt dazu noch einen Internet-Marktplatz, auf dem Waren anderer Anbieter verkauft werden.

Amazon fungiere so als eine Art "gatekeeper" (Torwächter) gegenüber Kunden, so die Kartellwächter. Diese Doppelrolle berge das Potenzial für Behinderungen von anderen Händlern auf der Plattform.

Andreas Mundt | Bildquelle: picture alliance / Marius Becker
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Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, schaut Amazon genauer auf die Finger.

Nutzt Amazon seine Position aus?

Die Kartellwächter gehen Beschwerden von Händlern nach, die Waren auf dem Marktplatz anbieten. Die Behörde arbeitet dabei auch mit der EU-Kommission zusammen.

"Wir werden prüfen, ob Amazon seine Marktposition zu Lasten der auf dem Marktplatz tätigen Händler ausnutzt", kündigte Kartellamtschef Andreas Mundt an. "Die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen von Amazon gegenüber den Händlern werden damit umfassend auf den Prüfstand gestellt."

Geldstrafe unwahrscheinlich

Die möglicherweise missbräuchlichen Geschäftsbedingungen beträfen unter anderem Haftungsregeln zu Lasten der Händler, Regeln zu Produktrezensionen, intransparente Kündigungen und Sperrungen von Händlerkonten, teilte das Kartellamt mit.

Voraussetzung für die kartellrechtlichen Ermittlungen sei unter anderem eine marktbeherrschende Position des Internetkonzerns und die Tatsache, dass die Händler von Amazon abhängig seien. "Für beides liegen Anhaltspunkte vor", hieß es in der Mitteilung der Kartellbehörde.

Erhärtet sich der Verdacht im Zuge des Missbrauchsverfahrens, könnte das Kartellamt den US-Konzern dazu zwingen, die beanstandeten Praktiken zu beenden. Eine Geldstrafe ist nicht zu erwarten.

Amazon erklärte, es werde "vollumfänglich mit dem Bundeskartellamt kooperieren und weiterhin daran arbeiten, kleine und mittlere Unternehmen in ihrem Wachstum zu unterstützen".

Lieferwagen von Amazon: Der Online-Versand ist dabei, einen eigenen globalen Lieferdienst aufzubauen. | Bildquelle: AP
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Lieferwagen von Amazon: Der Online-Versand ist dabei, einen eigenen globalen Lieferdienst aufzubauen.

"Schutz des Wettbewerbs"

Im September hatte bereits die Europäische Kommission erklärt, sie nehme Amazon wegen des Umgangs mit den Verkaufsdaten von Händlern auf seiner Markt-Plattform unter die Lupe. Das Verfahren des Bundeskartellamts und das Verfahren der Kommission ergänzten sich, teilte die Bonner Behörde mit.

"Unser Hauptaugenmerk gilt dem Schutz des Wettbewerbs in der Digitalwirtschaft", hatte Mundt bereits in der Vergangenheit angekündigt. Die Behörde ziele darauf ab, Märkte offen zu halten und die Interessen der Verbraucher zu schützen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. November 2018 um 11:15 Uhr.

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