schattige Gestalten

"PanamaPapers" Neues Datenleck mit prominenten Namen

Stand: 20.06.2018 19:00 Uhr

Gut zwei Jahre nach Veröffentlichung der "PanamaPapers" enthüllt ein neues Datenleck weitere Besitzer von Briefkastenfirmen - darunter auch Prominente wie Fußballstar Messi.

Von Philipp Eckstein und Benedikt Strunz, NDR

Vor dem zweiten WM-Spiel der argentinischen Nationalmannschaft wird Kapitän Lionel Messi von einem unliebsamen Thema eingeholt. Es geht um seine Geschäfte in Steueroasen. Im Zuge der "PanamaPapers" hatte ein Netzwerk internationaler Journalistinnen und Journalisten im April 2016 enthüllt, dass Messi gemeinsam mit seinem Vater die bis dahin unbekannte Briefkastenfirma Mega Star Enterprises Inc. besitzt.

Messi, gegen den zu diesem Zeitpunkt die spanische Justiz in anderem Zusammenhang wegen Steuerhinterziehung ermittelte, ließ die Journalisten wissen, dass diese Firma "total inaktiv" sei. Doch ein neuer Datensatz, der der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurde, lässt diese Version wenig überzeugend erscheinen. Bei den neuen Daten handelt es sich um 1,2 Millionen vertrauliche Dokumente aus dem Inneren der Kanzlei, die vor zwei Jahren im Zentrum der "PanamaPapers" stand: Mossack Fonseca.

Auch damals hatte die SZ Millionen Dokumente von einer anonymen Quelle erhalten und mit Medien auf der ganzen Welt geteilt. Die vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) koordinierte Recherche, an der auch NDR und WDR beteiligt waren, machte deutlich, wie Spitzenpolitiker, Mafiosi und Superreiche Briefkastenfirmen nutzen, um Steuern zu hinterziehen und Geld zu waschen. Die Veröffentlichungen sorgten für zahlreiche Rücktritte, Tausende Ermittlungsverfahren und Steuermehreinnahmen in vielen Ländern.

Anfragen aus aller Welt und wütende E-Mails

Der neue, deutlich kleinere Datensatz zeigt, wie über die Kanzlei Mossack Fonseca, einen der bislang größten Anbieter von Briefkastenfirmen weltweit, im Zuge der "PanamaPapers" eine Katastrophe hereinbrach: Ermittlungsbehörden auf der ganzen Welt schickten Hunderte Anfragen zu einzelnen Kunden und Firmen. Die Anwälte stellten teilweise entsetzt fest, dass sie bei Tausenden Briefkastenfirmen keine Ahnung hatten, wem diese wirklich gehören. Empörte Kunden ließen ihrem Frust über das Leak in E-Mails freien Lauf. Gleichzeitig weigerten sich immer mehr Banken, Überweisungen an die Kanzlei auszuführen und kündigten Konten.

Auf immer neuen Wegen versuchten die Anwälte von Mossack Fonseca, Zahlungen zu ermöglichen. Sie boten Kunden sogar an, ihre Rechnungen in bar zu bezahlen. In den Unterlagen finden sich viele neue Namen und Details zu bekannten Fällen, etwa zu Lionel Messi. In einer internen E-Mail schrieb eine Mossack-Mitarbeiterin im Mai 2016 über Messis Firma, dass "der Klient die Firma noch immer nutzt". In einer E-Mail vom Februar 2017 wiesen die panamaischen Finanzbehörden darauf hin, dass sie eine Meldung zu "verdächtigen Geschäften" der Firma erhalten hätten. Dies scheint der ursprünglichen Aussage Messis, wonach die Panama-Firma inaktiv gewesen sei, zu widersprechen.

Fussballstar Lionel Messi und seine Ehefrau Antonela Roccuzzo lächeln kurz nach ihrer Trauung in die Kameras. | Bildquelle: dpa
galerie

Die Aussage von Lionel Messi (hier mit Ehefrau Antonela Roccuzzo), die Firma Mega Star Enterprises sei "total inaktiv", erscheint wenig überzeugend.

Keinerlei Fehlverhalten?

Ein Anwalt von Messi wies auf Anfrage der ICIJ-Journalisten jegliches Fehlverhalten zurück. Er betonte, dass Messi und sein Vater ihre Steuersituation in Ordnung gebracht hätten und die fragliche Firma den Behörden bekannt sei. Die beiden Männer wurden in Spanien wegen Geschäften mit Briefkastenfirmen bereits wegen Steuerhinterziehung zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Das neue Leak enthüllt weitere russische Oligarchen, Kriminelle, aber auch Superreiche wie die Erben des französischen Diamantenhändlers Pierre Cartier als Besitzer von Briefkastenfirmen. Die Familie wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Auch Politiker könnten durch die neuen Enthüllungen unter Druck geraten, unter ihnen Argentiniens Präsident Mauricio Macri und Malaysias ehemaliger Premier Najib Razak.

Im Zuge der "PanamaPapers" war bekannt geworden, dass Macri gemeinsam mit seinen Brüdern Direktor der Briefkastenfirma Fleg Trading war, die Macris Vater gehörte. In den neuen Daten finden sich Hinweise darauf, wie Mossack Fonseca versuchte, Firmendokumente rückzudatieren, um so zu verschleiern, dass sie nicht darüber Bescheid wusste, dass die Firma wirtschaftlich mit dem argentinischen Präsidenten verbunden ist.

Eigentlich ist die Kanzlei verpflichtet, die genauen Besitzverhältnisse zu dokumentieren. Letztlich ist es zu der Dokumentenfälschung aber den Unterlagen zufolge nicht gekommen. Ein Sprecher der Präsidentenfamilie erklärte auf Nachfrage, der fragliche Vorgang sei ihm nicht bekannt. Im übrigen habe Macris Vater den Besitz der Firma angemeldet. Weiter belegen die Recherchen, dass der Bruder des ehemaligen Premiers von Malaysia, Najib Razak, eine Briefkastenfirma besessen hat, die Immobilien in den USA halten soll. Razak war unlängst in die Kritik geraten, weil während seiner Amtszeit mehrere Milliarden Dollar aus einem staatseigenen Investmentfonds verschwunden waren, deren Verbleib bisher unklar ist. Razak bestreitet jedes Fehlverhalten, sein Bruder war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Offshore-Geschäfte - auch ohne Mossack Fonseca

Trotz aller Hindernisse läuft das Geschäft mit Briefkastenfirmen offenbar weiter. So zeigen die Recherchen auch, dass deutsche Banken, darunter die Berenberg Bank, zwar Konten von Briefkastenfirmen geschlossen haben. Gleichzeitig übernahmen aber Schweizer Privatbanken die freigewordenen Millioneneinlagen. Berenberg erklärte auf Nachfrage, man habe festgelegt, generell keine Konten mehr für Gesellschaften zu eröffnen, "die mithilfe der Kanzlei Mossack Fonseca gegründet wurden". Und auch was die Anbieter von Briefkastenfirmen angeht, wird klar: Tausende Kunden verließen nach der Berichterstattung zwar Mossack Fonseca. Ein Ende ihrer Offshore-Geschäfte bedeutete das aber nicht, sie suchten sich schlichtweg neue Offshore-Kanzleien, die ihre Briefkastenfirmen verwalten.

Kein Grund zum "Jubelgeheul"

Der Finanzpolitiker Sven Giegold, der für die Grünen im Europaparlament sitzt, freut sich, dass Mossack Fonseca wohl wirtschaftlich am Ende sei. "Aber es wäre naiv, deshalb in Jubelgeheul auszubrechen, schließlich gibt es Dutzende weiterer großer Anwaltskanzleien, die in diesem Geschäftsfeld aktiv sind." Mossack Fonseca wollte sich zu dem neuen Datenleck nicht äußern. In der Vergangenheit hatte die Kanzlei stets betont, niemals illegal gehandelt zu haben.

PanamaPapers - neue Details im Fall Messi
Philipp Eckstein, NDR
21.06.2018 09:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Juni 2018 um 19:30 Uhr.

Darstellung: