Lee Na Young, Präsidentin des Rats für Gerechtigkeit und Erinnerung an die Sexsklaverei durch Japan, spricht zu Reportern. | dpa

Zwangsprostitution im 2. Weltkrieg Japan zu Entschädigungen verurteilt

Stand: 08.01.2021 15:53 Uhr

Ein Gericht in Südkorea hat Japan zu Entschädigungszahlungen an frühere Zwangsprostituierte der Kaiserarmee im Zweiten Weltkrieg verurteilt. Die Entscheidung löste umgehend erneute diplomatische Spannungen aus.

Japans Regierung soll laut der Entscheidung eines südkoreanischen Gerichts eine Entschädigungszahlung für zwölf Opfer der sexueller Versklavung durch das japanische Militär im Zweiten Weltkrieg leisten.

In dem Zivilprozess sprach das zentrale Bezirksgericht in Seoul jeder der koreanischen Klägerinnen 100 Millionen Won zu, was etwa 74.500 Euro entspricht. Den Opfern sei "extremer mentaler und physischer Schmerz" durch das erlittene Unrecht zugefügt worden, hieß es in dem Urteil. Doch bisher hätten sie keine Entschädigung erhalten.

Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg in Peking

Bis zu 200.000 Frauen wurden zur Arbeit in Bordellen der japanischen Kaiserarmee gezwungen.

Es handelte sich um die erste Zivilklage von Frauen in Südkorea, die während des Weltkrieges von Japan als Zwangsprostituierte eingesetzt worden waren. Nur noch fünf der zwölf Klägerinnen sind nach Berichten südkoreanischer Medien am Leben. Für die bereits verstorbenen Klägerinnen sollen ihre Familien die Entschädigung erhalten.

Entscheidung belastet Beziehungen

Die Gerichtsentscheidung löste umgehend politische Spannungen zwischen beiden Ländern aus. Das Urteil verstoße gegen das Völkerrecht, erklärte das Außenministerium in Tokio. Es sei "extrem bedauerlich", dass das Gericht das Prinzip der Staatenimmunität geleugnet habe.

Das Prinzip der Staatenimmunität besagt, dass ein Staat nicht über einen anderen zu Gericht sitzen darf. Japans Regierung hatte sich schon zuvor auf diesen Grundsatz berufen und eine Teilnahme an dem Prozess verweigert. Dass sich Tokio dem Urteil beugt, gilt demnach als unwahrscheinlich. Zudem sieht die japanische Regierung das Thema Entschädigung durch einen bilateralen Vertrag von 1965 als abgeschlossen an.

Bis zu 200.000 Opfer im Weltkrieg

Der Streit um die Entschädigung von Zwangsprostituierten sowie ehemaligen Zwangsarbeitern aus Südkorea belastet die Beziehungen beider Länder seit Jahrzehnten. Nach Schätzungen von Historikern wurden im Weltkrieg bis zu 200.000 Frauen, vor allem aus Korea und China, zur Arbeit in Bordellen der japanischen Kaiserarmee gezwungen. Diese Frauen wurden von den Japanern beschönigend "Trostfrauen" genannt. Heute sind nur noch wenige der inzwischen hochbetagten Opfer am Leben.

Das Verfahren in Südkorea wurde in den vergangenen Jahren immer wieder verschoben, weil Japan sich weigerte, vorbereitende Schriftsätze des Gerichts entgegenzunehmen. Erst im vergangenen Jahr begannen die Anhörungen vor Gericht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2021 um 11:00 Uhr.