Erdogan und Gabriel | Bildquelle: REUTERS

Hintergründe der Freilassung Diplomatisches Tauziehen um Yücel

Stand: 16.02.2018 17:00 Uhr

Um die Freilassung von Deniz Yücel wurde umfangreich verhandelt: Außenminister Gabriel traf sich mehrfach mit Präsident Erdogan. Und auch Gerhard Schröder war beteiligt.

Von Georg Mascolo und Andreas Spinrath, NDR/WDR

Der Freilassung von Deniz Yücel gingen bislang geheime diplomatische Verhandlungen voraus: So traf sich Bundesaußenminister Sigmar Gabriel laut WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" in den vergangenen Wochen zwei Mal persönlich mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Rom und Istanbul.

Während eines Treffens in der italienischen Hauptstadt Anfang Februar bat Gabriel Erdogan demnach um die Freilassung Yücels: Andernfalls bleibe das deutsch-türkische Verhältnis schwer belastet. Erdogan war damals in der Stadt, um den Papst zu treffen. Am Vorabend des Treffens kam er mit dem deutschen Außenminister zusammen.

Auf Bitten der türkischen Seite reiste Gabriel eine Woche später nach Istanbul, um mit Erdogan in dessen Residenz die Einzelheiten einer möglichen Lösung des Falls zu besprechen. Im Auswärtigen Amt soll es zuletzt mahnende Stimmen gegeben haben: Wenn Gabriel bei den Verhandlungen scheitere, sei er als Außenminister beschädigt - er gehe hier ein sehr großes Risiko ein. Gabriel reiste dennoch.

Auch Schröder verhandelte

Gerhard Schröder | Bildquelle: dpa
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Offenbar setzte sich auch Altkanzler Gerhard Schröder für Deniz Yücel ein.

Zu den Geheimverhandlungen gehörte auch eine Reise des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder in die Türkei, der sich im Januar mit Erdogan traf. Auch Schröder setzte sich hierbei für Yücel ein.

Bekannt geworden war bisher nur eine Reise Schröders zu Erdogan kurz nach der Bundestagswahl. Sie erfolgte mit Zustimmung und auf Bitten von Kanzlerin Angela Merkel. Kurz danach kam es zur Freilassung des Berliner Menschenrechtlers Peter Steudtner. Aus Kreisen der mit den Verhandlungen vertrauten Personen heißt es, dies sei einer der "einfachen Fälle" gewesen.

Heute wurde bekannt, dass Yücel aus der Haft entlassen wird. Mehr als ein Jahr nach seiner Inhaftierung liegt nun eine Anklage vor - die Staatsanwaltschaft fordert 18 Jahre Haft für den Korrespondenten.

Über dieses Thema berichteten am 16. Februar 2018 das ARD Mittagsmagazin um 13:00 Uhr und die tagesschau um 14:00 Uhr.

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