Das Logo der marokkanischen WM-Bewerbung wird auf eine Leinwand projiziert. | Bildquelle: AP

WM-Kandidat Marokko Die Hoffnung stirbt zuletzt

Stand: 13.06.2018 02:39 Uhr

Heute entscheidet der FIFA-Kongress, ob Marokko im fünften Anlauf endlich eine Fußball-WM ausrichten darf. Im Königreich fürchtet man, dass die Entscheidung nicht nur von organisatorischen Kriterien abhängt.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Niemand soll sagen, Marokko habe nicht alles versucht: "Marokko ist eine echte Fußballnation", verkündete zum Beispiel Lothar Matthäus, Botschafter der marokkanischen Bewerbung für die WM 2026. "Ich glaube fest daran, dass Marokko ein perfektes Turnier ausrichten wird, voller authentischer Leidenschaft."

Ob Matthäus Marokko den letzten Kick geben konnte? Schwer zu sagen. An Optimismus hat es das nordafrikanische Königreich nicht mangeln lassen. "Marokko hat alle Chancen", sagt auch Hafid Elalamy, Minister für Industrie und Handel, vom König zum Chef der Bewerbung für die WM 2026 befohlen.

Blick ins Adrar-Stadion in Agadir. | Bildquelle: dpa
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Blick ins Adrar-Stadion in Agadir. Die marokkanische Bewerbung ist von den WM-Prüfern schlechter bewertet worden als die amerikanische Konkurrenz.

Schlechtere Noten als die Mitbewerber

In diesem Ehrenamt durfte Elalamy erleben, dass die FIFA kurz vor Bewerbungsschluss noch einmal die Regeln änderte und plötzlich eine sogenannte Task Force losschickte, um die Verhältnisse in den Kandidatenländern selbst zu untersuchen.

Auf einmal hieß es, diese Task Force könne eine Vorentscheidung treffen - was sie dann aber nicht tat. Sie gab allerdings Marokkos Bewerbung nur 2,7 von insgesamt 5 möglichen Punkten. Das reichte knapp, um im Rennen gegen die Konkurrenz des Trios USA, Kanada und Mexiko - genannt: United26 - zu bleiben.

Welche Kriterien zählen wirklich?

Eine andere Frage ist allerdings, ob Stadien, Infrastruktur und Hotelkapazitäten wirklich eine entscheidende Rolle spielen. Es geht schließlich um viel Geld. Die USA, Kanada und Mexiko haben ausgerechnet, die Einnahmen der WM 2026 kämen auf etwa 12 Milliarden Euro. In Marokkos Rechnung fällt dieser Posten gerade mal halb so üppig aus.

FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte am vergangenen Sonntag zu all dem wenig. "Der Bericht der Task Force hatte und hat die Aufgabe, die Stärken und Schwächen der Länder herauszuarbeiten", teilte Infantino knapp mit. "Das hat er getan. Jetzt muss jeder seine Verantwortung wahrnehmen und entscheiden."

Für Marokko - gegen Trump und Infantino?

Manche sagen, Marokko habe zwei Pluspunkte. Erstens: Gianni Infantino. Der habe seine Präferenz für das Bewerber-Trio USA, Kanada und Mexiko mehr als deutlich werden lassen. Wer also dem FIFA-Präsidenten schaden wolle, der werde wohl für Marokko stimmen. 

Zweitens: Donald Trump. Der US-Präsident hatte - natürlich via Twitter - gefragt, warum die USA eigentlich künftig Staaten unterstützen sollten, die ihrerseits nicht die US-Bewerbung für 2026 unterstützten. Solche Drohungen könnten Fußballverbände dazu treiben, aus Protest für Marokko zu stimmen. In beiden Punkten könnte es auch genau umgekehrt kommen: Infantino und Trump setzen sich einfach durch.

Der Direktor des marokkanischen Bewerbungskomitees Hicham El Amrani, sagt, wenn es nur um die Sachargumente gehe, dann sei Marokko die ideale Wahl für das Turnier in acht Jahren. "Unser Land ist kompakt - das gilt für die vorgeschlagenen Spielorte, die für Mannschaften und Fans leicht zu erreichen sind, aber auch generell für die gute Erreichbarkeit Marokkos. Bei uns gibt es eine außergewöhnliche Leidenschaft für Fußball und die Toleranz und Offenheit, um Brücken zu anderen Völkern zu bauen."

Junge Männer spielen am Strand von Agadir Fußball. | Bildquelle: dpa
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Im fußballbegeisterten Land hoffen viele, dass Marokko nach vier vergeblichen Anläufen nun endlich WM-Ausrichter wird.

Hoffnung auf den Motivationsschub

Neun Stadien neu bauen, fünf bestehende renovieren, 30.000 Hotelzimmer an den Spielorten bereitstellen und die großen Lücken in der Verkehrsinfrastruktur schließen - das traut Marokko sich zu. Und hofft weiterhin, nach vier vergeblichen Bewerbungsanläufen diesmal endlich Erfolg zu haben.

Marokkos Nationalmannschaft spielt in Russland erstmals seit 20 Jahren wieder bei einer WM mit. Viele Marokkaner hoffen, dass ihre Mannschaft bei der WM in Russland über sich hinauswächst. Da könnte die Nachricht, dass Marokko die Fußballweltmeisterschaft 2026 ausrichten wird, eine zusätzliche Motivation sein.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – Marokko und der FIFA-Entscheid zur WM 2026
Jens Borchers, ARD Rabat
13.06.2018 08:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2018 um 05:30 Uhr.

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