Ex-VW-Chef Martin Winterkorn vor seiner Befragung zum Abgasskandal durch den Untersuchungsausschuss des Bundestages. | Bildquelle: AFP

Nach Anklage in den USA US-Haftbefehl gegen Winterkorn

Stand: 05.05.2018 00:22 Uhr

Der ehemalige VW-Chef Winterkorn wird von den US-Behörden nun mit Haftbefehl gesucht. Einer von Winterkorns Anwälten prüft die US-Anklageschrift nach eigenen Aussagen noch. Man werde sich "zu gegebener Zeit äußern".

Die US-Justizbehörden haben Haftbefehl gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn erlassen. Das Justizministerium wirft dem früheren Topmanager Betrug vor. Er soll außerdem Teil einer Verschwörung zum Verstoß gegen US-Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden gewesen sein. Winterkorn habe bereits im Mai 2014 von den Manipulationen bei Abgasmessungen gewusst, sich jedoch entschieden, den Betrug fortzusetzen. Erst 16 Monate später habe VW den Betrug auf Druck der US-Behörden zugegeben. So steht es in der 40-seitigen Anklageschrift.

Ein Anwalt des 70-Jährigen sagte der Deutschen Presse-Agentur, man prüfe die Anklage und werde sich "zu gegebener Zeit äußern". Winterkorn selbst hat sich noch nicht öffentlich zur Anklage oder zum Haftbefehl geäußert.

Belastende Aussagen durch anderen Ex-Manager?

Die Anklageerhebung folgt offenbar auf Aussagen des früheren VW-Managers Oliver Schmidt, der im vergangenen Dezember zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Laut US-Medienberichten belastete er Winterkorn direkt. Nach Recherchen von NDR, WDR und "SZ" liegen weitere Aussagen hochrangiger VW-Mitarbeiter vor, die die Darstellung stützen, dass Winterkorn spätestens an diesem 27. Juli , beim sogenannten "Schadentisch", über die Betrugssoftware Bescheid wusste.

Justizminister Jeff Sessions hatte am Donnerstag verkündet: "Wer versucht, die Vereinigten Staaten zu betrügen, wird einen hohen Preis bezahlen."

Keine Auslieferung, aber ...

Weil deutsche Staatsangehörige nicht in die USA ausgeliefert werden, dürfte die Anklage in den USA für Winterkorn vorerst folgenlos bleiben.

Allerdings setzt er sich einem Risiko aus, falls er in die Vereinigten Staaten oder in Länder reist, die ein Auslieferungsabkommen mit den USA haben. Das zeigte sich im Fall von Schmidt, der Anfang 2017 am Flughafen von Miami auf der Rückreise vom Winterurlaub in Florida abgefangen wurde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Mai 2018 um 02:52 Uhr.

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