Ein Mann wirft seinen Wahlzettel in die Urne. | dpa

Weltweite Untersuchung Demokratie auf dem Rückzug

Stand: 10.02.2022 08:35 Uhr

Nur noch 45,7 Prozent der Weltbevölkerung leben in einer Demokratie. Zu diesem Ergebnis kommt eine "Economist"-Studie. Es handelte sich um den stärksten Rückschritt seit 2010. Deutschlands Bewertung blieb unverändert.

Die Demokratie ist einer aktuellen Studie zufolge weltweit auf dem Rückzug. Wie die britische "Economist"-Gruppe in ihrem jährlichen "Demokratieindex" ermittelte, lebten 2021 nur noch 45,7 Prozent der Weltbevölkerung in einer Demokratie. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen deutlichen Rückgang. 2020 waren es noch 49,4 Prozent gewesen.

Der neue Index "wirft ein Licht auf die anhaltenden Herausforderungen für die Demokratie weltweit, unter dem Druck der Coronavirus-Pandemie und der zunehmenden Unterstützung für autoritäre Alternativen", teilten die Autoren mit.

Norwegen an der Spitze, Deutschland auf Platz 15

Spitzenreiter des Index bleibt Norwegen. Die Studie gab dem skandinavischen Land in drei der fünf Kategorien die Bestnote. Dahinter kletterte Neuseeland vom vierten auf den zweiten Platz, gefolgt von den übrigen nordischen Staaten Schweden, Finnland, Island und Dänemark. Deutschland liegt mit derselben Punktzahl wie im Vorjahr auf dem 15. Platz und gehört zur höchsten Kategorie der "vollwertigen Demokratien".

In einer solchen Staatsform leben der Studie zufolge derzeit lediglich 6,4 Prozent der Weltbevölkerung, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (6,8 Prozent).

Mehr autoritäre Staaten

Weit mehr als ein Drittel der Menschen leben in einer Diktatur - 37,1 Prozent bedeuteten ein leichtes Plus zu 2020. Der Anteil der autoritär regierten Staaten ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die letzten drei Länder der Liste sind Nordkorea, Myanmar und Afghanistan.

Kritisch sieht die Forschungseinheit der "Economist"-Gruppe auch die Rolle Chinas. "China ist nicht demokratischer geworden, während es reicher geworden ist. Im Gegenteil, das Land ist unfreier geworden", hieß es zur Begründung im Bericht "The China Challenge". Menschenrechtler klagen über zunehmende Überwachung sowie Repressionen gegen Regierungskritiker, Andersdenkende und Minderheiten wie die muslimischen Uiguren.

Spanien und Großbritannien in der Kritik

Kritik übten die Autoren an zwei größeren Ländern in Europa: So stuften sie Spanien zu einer "mangelhaften Demokratie" herab, Grund war eine schwächere Einschätzung der Unabhängigkeit der Justiz wegen politischen Streits über die Ernennung von Richtern. Hingegen bleibt das Vereinigte Königreich zwar eine "vollständige Demokratie". Allerdings rutschte es in der Rangliste ab - mehrere Skandale hätten das Vertrauen in die Regierung untergraben, hieß es.

Seit 2006 wertet das britische Analyseunternehmen Economist Intelligence Unit aus, wie viele Menschen weltweit in einer Demokratie leben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2022 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.