Asteroid Arrokoth (Simulation) | Bildquelle: Steve Gribben/NASA/JHUAPL/SwRI/dpa

Bilder des Asteroiden Arrokoth Alt, unförmig und aufschlussreich

Stand: 14.02.2020 09:14 Uhr

Viereinhalb Milliarden Jahre alt, unförmig und das fernste Objekt, das je von Menschen untersucht wurde: der Asteroid Arrokoth. Fotos der Sonde "New Horizons" geben neue Aufschlüsse über die Entstehung von Planeten.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington, zzt. Seattle

Die Bilder waren 6,5 Milliarden Kilometer unterwegs zur Erde. Und sie geben Wissenschaftlern ein völlig neues Bild davon, wie die Erde und all die anderen Planeten unseres Sonnensystems entstanden sind: Sie zeigen den Asteroiden Arrokoth, der in etwa aussieht wie zwei Kugeln. Er ist insgesamt rund 30 Kilometer lang und 20 Kilometer breit.

Die Raumsonde "New Horizons" hat die Fotos vor einem Jahr gemacht, im sogenannten Kuiper Gürtel, weit jenseits des letzten Planeten. "Das ist die am besten erhaltene Region im Sonnensystem, um seine Entstehung zu verstehen", sagt NASA-Astronom Allen Stern auf einem Wissenschaftskongress in Seattle.

Asteroid Arrokoth | Bildquelle: NASA/Handout via REUTERS
galerie

Der Asteroid Arrokoth ist 4,5 Milliarden Jahre alt und das fernste Objekt, das je von Menschen untersucht wurde.

"Da draußen passiert kaum etwas"

Jetzt konnten die Bilder ausgewertet werden. Noch nie war ein Objekt so weit von der Erde entfernt untersucht worden.

Da draußen passiere kaum etwas, sagt Stern. Kaum Zusammenstöße von Gesteinsbrocken, keine Planeten, die mit ihrer Schwerkraft Objekte anziehen oder wieder ins All katapultieren. Seit Milliarden Jahren sei alles unverändert. Stern ist fasziniert:

 "Das ist wie eine archäologische Grabung in die Geschichte unseres Sonnensystems"

Als vor mehr als vier Milliarden Jahren unsere Sonne anfing zu glühen, war um sie herum nichts als eine gewaltige Scheibe aus heißem Staub und Gas. Wie und wann wurden daraus die Planeten? Diese Frage sollen die Daten und Bilder von den zusammenhängenden Steinkugeln beantworten.

Bisherige Theorien stehen nun in Frage

Eine Theorie besagte bisher, dass sich Staub und Gas zusammenklumpten und dann in rasender Geschwindigkeit immer mehr Materie aufsogen. Wäre es so gewesen, sagen die NASA-Wissenschaftler jetzt, dann könnte es Objekte wie Arrokoth nicht geben.

Die beiden Gesteinskugeln müssen langsam umeinander gekreist sein, bis sie zu einem Asteroiden verschmolzen. "Die würden dann nicht zusammen hängen, sondern hätten sich gegenseitig in Stücke zerrissen. Die sind mit vielleicht 30 Stundenkilometern zusammengekommen", sagt William McKinnon, einer der beteiligten Wissenschaftlicher. Das zeigten Computermodelle.

NASA-Raumsonde "New Horizons" (Simulation) | Bildquelle: REUTERS/NASA/Handout via Reuters
galerie

Die NASA-Raumsonde "New Horizons", hier eine Simulation, soll noch 20 bis 25 Jahre weiter fliegen.

Aufnahmen zeigen ein fast friedliches Bild

Der Blick in die Vergangenheit unseres Sonnensystems zeige ein fast friedliches Bild: Zunächst hätten sich aus Milliarden einzelner Wolken Elemente gebildet, bildlich gesprochen Planeten-Bausteine. Objekte wie Arrokoth. Miniplaneten. Erst die seien dann zu Planeten verschmolzen. 

Die Sonde "New Horizons" fliegt derzeit weiter. 20 bis 25 Jahre soll sie noch funktionieren. Die NASA will mit Teleskopen weitere Asteroiden ausfindig machen, die in etwa in der Flugbahn liegen. Dann sollen die Sonde, wie auch bei Arrokoth, so nah wie möglich daran vorbei gelenkt werden, um weitere Bilder zu machen.

 

Raumsonde findet Planetenbausteine - Neue Theorie zur Entstehung der Planeten
Arthur Landwehr, ARD Washington
14.02.2020 07:33 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 14. Februar 2020 um 06:15 Uhr.

Darstellung: