UN-Generalsekretär Antonio Guterres | EPA

Reaktionen auf Klimabericht "Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend"

Stand: 09.08.2021 12:49 Uhr

UN-Generalsekretär Guterres fordert angesichts der Warnungen des Weltklimaberichts die Politik zu raschem Handeln auf. Bundesumweltministerin Schulze warnte: "Der Planet schwebt in Lebensgefahr".

Nach dem alarmierenden Bericht des Weltklimarates (IPCC) über die drastischen Folgen des Klimawandels hat UN-Generalsekretär António Guterres Politiker zur Verantwortung gerufen. "Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend, und die Beweise sind unwiderlegbar", sagte er. Die Treibhausgase erstickten den Planeten und brächten Milliarden Menschen in Gefahr.

"Die Lebensfähigkeit unserer Gesellschaft hängt davon ab, dass Führungskräfte in Politik, Unternehmen und der Zivilgesellschaft geeinigt hinter politischen Vorgaben, Maßnahmen und Investitionen stehen, die den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen", sagte Guterres. Die Lösungen lägen auf dem Tisch. "Der Bericht muss die Totenglocke für Kohle und andere fossile Brennstoffe sein, bevor sie unseren Planeten zerstören", sagte er. Die reichen Länder und Entwicklungsbanken müssten mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel in ärmeren Ländern zur Verfügung stellen. Das Versprechen, pro Jahr für sie 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung aufzubringen, müsse erfüllt werden.

"Wenn wir unsere Kräfte jetzt bündeln, können wir die Katastrophe abwenden", sagte Guterres. Es gebe keinen Raum mehr für Verzögerungen oder Ausreden. Bei der Weltklimakonferenz im November in Glasgow müssten Antworten geliefert werden.

Schulze: "Noch ist es nicht zu spät"

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze wertete den jüngsten Bericht des Weltklimarats als Mahnung zum schnellen Handeln. "Der Planet schwebt in Lebensgefahr", erklärte die SPD-Politikerin. "Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario, er ist Realität." Man könne sich nur bestmöglich vorbereiten: "Das erleben wir auch bei uns in Deutschland: katastrophale Überschwemmungen nach Starkregen im Juli, anhaltende Dürre in den vergangenen Jahren." Auch die Hitzewellen mit Waldbränden in Nordamerika, Sibirien sowie in Griechenland und der Türkei zeigten dies.

Schulze forderte eine rasche Abkehr von Kohle, Öl und Gas und einen Ausbau von der Sonnen- und Windkraft. "Es gab schon genug Weckrufe und Appelle", sagte die Ministerin. Klimaschutz sei eine "überlebensnotwendige" Aufgabe. "Wir alle haben es jetzt in der Hand, die 2020er-Jahre zu einem Klimaschutzjahrzehnt zu machen und die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Noch ist es nicht zu spät dafür."

Thunberg: "Es liegt an uns, mutig zu sein"

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zeigte sich von den Erkenntnissen des neuen Klimaberichts nicht überrascht. "Der neue IPCC-Bericht enthält keine wirklichen Überraschungen. Er bestätigt, was wir schon aus Tausenden vorherigen Studien und Berichten wissen - dass wir uns in einem Notfall befinden", schrieb Thunberg auf Twitter und Instagram. Es handele sich um eine solide, aber vorsichtige Zusammenfassung des derzeitigen Wissensstands.

"Es liegt an uns, mutig zu sein und basierend auf den in diesen Berichten bereitgestellten wissenschaftlichen Erkenntnissen Entscheidungen zu treffen", schrieb Thunberg weiter. Noch könnten die schlimmsten Folgen des Klimawandels vermieden werden, ergänzte die 18-Jährige. "Aber nicht, wenn wir weitermachen wie heute, und nicht, ohne die Krise wie eine Krise zu behandeln."

Forscherin Boetius: "Letzter Weckruf"

Nach Auffassung der Bremerhavener Meeresbiologin und Klimafolgen-Forscherin Antje Boetius kann der neue IPCC-Bericht "nur als letzter Weckruf" verstanden werden. "Wir haben keine Wahl mehr, sondern müssen als Gesellschaft alles in unserer Macht Stehende tun, um die globale Erwärmung zu stoppen und uns bestmöglich auf unvermeidbare Risiken und Gefahren vorzubereiten", sagte die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Klima-Allianz fordert entschiedenes politisches Handeln

Die Klima-Allianz Deutschland forderte die kommende Bundesregierung zu einem "hohen Tempo" beim Klimaschutz auf. Der neue Klimabericht führe schonungslos vor Augen, dass sich die Klimakrise immer schneller verschärfe, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer der Klima-Allianz, Malte Hentschke-Kemper. "Die Klimakrise ist bereits da und fordert dringend entschiedenes politisches Handeln."

Um den globalen Temperaturanstieg zu bremsen, müssten in allen Sektoren massiv die Emissionen sinken. "Jedes Zehntelgrad verhinderte Erderhitzung zählt. Um dies zu erreichen, brauchen wir mehr Kompetenz beim Klimaschutz", so Hentschke-Kemper. Die technischen und ökonomischen Möglichkeiten für wirksame Maßnahmen seien vorhanden, es fehle der politische Wille, sie umzusetzen. "Jetzt braucht es im Bundestagswahlkampf einen sachlichen Wettstreit um das beste Gesamtkonzept."

Greenpeace, WWF, Germanwatch: jetzt handeln

Auch mehrere Umweltschutzorganisationen haben die Bundesregierung nach den neuesten Warnungen im IPCC-Bericht zum sofortigen Handeln aufgefordert. "Das Schockierende dieses Berichts ist, dass alles Alarmierende darin abzusehen war - und doch bewegen sich Regierungen und Konzerne beim Klimaschutz noch immer im Schneckentempo", sagte beispielsweise der Greenpeace-Klimaexperte Christoph Thies. Der Bericht müsse zusammen mit den jüngsten Bildern von Bränden und Fluten die Politik aufrütteln.

"Jede Regierung, auch die kommende deutsche Bundesregierung, muss den Verbrauch fossiler Energien so schnell wie möglich stoppen und Wälder, Moore und Ozeane als natürliche CO2-Senken schützen." Immer mehr Brände, häufigere Überflutungen und Dürren kosteten Menschenleben, zerstörten Natur- und Lebensräume und verursachten immense wirtschaftliche Schäden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2021 um 12:00 Uhr.

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Moderation 09.08.2021 • 21:45 Uhr

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