Sudan: Ein Mann hat einen Sack der Welthungerhilfe auf sein Fahrrad geladen. | Bildquelle: AP

Welthungerhilfe Corona als "Brandbeschleuniger" für Hunger

Stand: 12.10.2020 11:42 Uhr

Bis 2030 wollten die UN den weltweiten Hunger überwinden, doch der Weg dorthin ist weit. Die Welthungerhilfe warnt nun: Die Corona-Krise könnte auch die bereits erfolgten Fortschritte zerstören.

Kriege, Krisen und die Corona-Pandemie bedrohen nach Ansicht von Helfern und Experten die Fortschritte im Kampf gegen den Hunger. Prognosen zufolge werden sowohl Hunger als auch Armut stark zunehmen. "Covid-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger", erklärte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2020. Verschlimmert werde die Lage noch durch den Klimawandel.

In vielen Ländern verbessere sich die Lage zu langsam, "in manchen verschlechtert sie sich sogar", so Thieme. Dabei könne die Studie die Folgen der Corona-Pandemie noch gar nicht abbilden.

690 Millionen Hungernde weltweit

Im Vergleich zum Jahr 2000 ging der Index-Mittelwert für alle erfassten Länder von 28,2 auf 18,2 zurück. Dennoch litten bereits vor der Covid-19-Pandemie laut der Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern etwa 690 Millionen Menschen unter Hunger und Unterernährung. In diesen Ländern - 36 davon afrikanische Staaten - bleibt die Situation "ernst" oder "sehr ernst". Im Jahr 2018 starben immer noch 5,3 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an den Folgen von Hunger.

Laut dem aktuellen Welthunger-Index, der die Ernährungslage in 107 Ländern berechnet, weisen derzeit 14 Länder höhere Hungerwerte auf als noch 2012. Dazu gehören unter anderem Kenia, Madagaskar, Venezuela und Mosambik. Schlusslicht beim Welthunger-Index ist in diesem Jahr der Tschad. Hier wird die Situation als "sehr ernst" bezeichnet.

"Anstrengungen deutlich erhöhen"

Eigentlich wollte die Staatengemeinschaft den Hunger bis 2030 überwinden. Das ist ist eines der 17 "nachhaltigen Entwicklungsziele", auf die sich die UN-Mitgliedsstaaten 2015 verständigten. Doch schon bevor die diesjährigen Krisen die Lage verschärften, "war die Welt nicht auf Kurs", halten die Autoren der Studie fest. Jetzt aber, so sagt es Thieme, laufe die Zeit davon. "Wir müssen unsere Anstrengungen deutlich erhöhen und in zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz und auch der Handelspolitik gegensteuern."

Thieme begrüßte ausdrücklich, dass mit dem Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen der Kampf gegen den Hunger als zentrale Herausforderung der Weltgemeinschaft anerkannt wird.

Seit 2006 wird der Index jährlich von der Welthungerhilfe sowie der irischen Organisation "Concern Worldwide" veröffentlicht. Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Oktober 2020 um 09:42 Uhr.

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