Ein Mann trägt einen Sack mit lebensmitteln des Welternährungsprogramms der UN | REUTERS

UN-Bericht zur Welternährung Unterernährung in Pandemie stark gestiegen

Stand: 12.07.2021 17:08 Uhr

Die Zahl der Hungernden ist im Corona-Jahr 2020 laut den Vereinten Nationen stark gestiegen. Weltweit waren demnach bis zu 811 Millionen Menschen unterernährt - knapp ein Zehntel der Weltbevölkerung.

Der Hunger weltweit hat einem UN-Bericht zufolge im Jahr der Corona-Pandemie 2020 deutlich zugenommen. Zwischen 720 und 811 Millionen Menschen waren Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr unterernährt. Damit erhöhte sich ihr Anteil auf knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung, wie aus dem Welternährungsbericht hervorgeht.

Dies seien 70 bis 161 Millionen mehr als 2019, rechneten Fachleute der Welternährungsorganisation FAO in dem Bericht vor. Es handelte sich um einen Anstieg um etwa 1,5 Prozentpunkte binnen eines Jahres. Dieser fiel im Vergleich zu den Vorjahreswerten, die zwischen 0,1 und 0,2 Prozentpunkten lagen, deutlich höher aus.

Unterernährung in Afrika doppelt so hoch wie im Rest der Welt

Den schärfsten Anstieg bei der Zahl hungriger Menschen gab es demnach in Afrika. Dort lag die Rate der Unterernährung bei 21 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie in jeder anderen Weltregion.

Weltweit hatten laut dem Bericht 2,3 Milliarden Menschen, 30 Prozent der Bevölkerung, nicht das ganze Jahr hindurch Zugang zu angemessener Ernährung. Dieser Wert stieg 2020 so stark an wie in den fünf vorhergehenden Jahren zusammen.

Frauen waren von Unterernährung häufiger betroffen als Männer. Mangelernährung bestand in allen Formen fort. Mehr als 149 Millionen Kleinkinder unter fünf Jahren zeigten Wachstumsstörungen und waren zu klein für ihr Alter; über 45 Millionen Kinder waren zu dünn. Auf der anderen Seite litten knapp 39 Millionen Kinder unter Übergewicht. Drei Milliarden Erwachsene und Kinder konnten sich den Angaben zufolge aus finanziellen Gründen keine gesunde Ernährung leisten.

Pandemie maßgeblich für steigenden Hunger

Die Zunahme führten die Experten zum Großteil auf die Folgen der Corona-Krise zurück, deren Auswirkungen weiter untersucht werden müssten, wie sie hervorhoben. Den Angaben nach löste die Pandemie in vielen Teilen der Welt "brutale Rezessionen" aus und erschwerte den Zugang zu Nahrungsmitteln.

Zudem decke die Pandemie die Schwächen der Ernährungssysteme auf, die das Leben und die Lebensgrundlagen von Menschen rund um den Globus bedrohten, heißt es in dem Bericht.

Das Ziel der Staatengemeinschaft, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu stoppen, kann den aktuellen Prognosen zufolge nur unter "enormen Anstrengungen" erreicht werden. Dazu müssten insbesondere drastische Maßnahmen getroffen werden, durch die Ungleichheiten beim Zugang zu Nahrungsmitteln beseitigt werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Juli 2021 um 17:00 Uhr.