Nahrungsmittelhilfe der UN für Menschen in Syrien. | AFP

UN-Welternährungsbericht Corona-Krise verschärft den Hunger

Stand: 13.07.2020 18:29 Uhr

Weltweit haben im vergangenen Jahr fast 690 Millionen Menschen gehungert - zehn Millionen mehr als 2018. Das geht aus dem UN-Welternährungsbericht hervor. Die Corona-Krise dürfte die globale Ernährungslage weiter verschlechtern.

Eigentlich wollten die UN den Hunger in der Welt bis zum Jahr 2030 besiegt haben. Doch nun steigt die Zahl der Unterernährten nach einem UN-Bericht seit Jahren 2019 - auf jetzt weltweit 690 Millionen Menschen. Das sind etwa neun Prozent der Weltbevölkerung.

"Seit 2014 ist die Zahl hungriger Menschen weltweit langsam angestiegen", heißt es in dem UN-Bericht. Die Zunahme seither betrage knapp 60 Millionen Menschen - das ist etwa die Einwohnerzahl Italiens. In den Jahren 2017 und 2018 hätten Konflikte und extreme Klimalagen die Ernährungssicherheit negativ beeinflusst. Beim Anstieg des Vorjahres um rund zehn Millionen unterernährte Menschen seien Wirtschaftskrisen ausschlaggebend gewesen.

Für 2020 verdüstern die Corona-Pandemie, die in vielen Staaten zu Erwerbslosigkeit und Wirtschaftskrisen geführt hat, sowie Heuschreckenplagen in Indien und Pakistan sowie in Ostafrika die Aussichten zusätzlich: "Die Situation kann sich nur verschlimmern, wenn wir nicht dringend handeln", schrieben die Herausgeber, zu denen fünf UN-Organisationen zählen: Die Welternährungsorganisation FAO, das Kinderhilfswerk, die Weltgesundheitsorganisation WHO, der Hilfsfonds IFAD und das Welternährungsprogram WFP.

Zahlenkorrektur für vergangene Jahre

Zwar nimmt der Welternährungsbericht bei der Gesamtzahl der hungernden Menschen auf der Welt eine deutliche Korrektur für die vergangenen Jahre vor: Die Schätzwerte für 13 Länder seien neu berechnet worden, hieß es zur Begründung. Berücksichtigt worden seien etwa neue Daten über Bevölkerungszahlen und die Lebensmittelversorgung von Haushalten.

Deutlich besser bewertet wird jetzt die Lage in China, wo etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt: "Die Veränderung der Unterernährungsschätzung für China bis ins Jahr 2000 führte zu einer deutlich geringeren Zahl von unterernährten Menschen weltweit", heißt es im Bericht.

Kinder erleiden oft lebenslange Schäden

Trotz der neuen Zahlen sind die UN in dem Bericht pessimistisch: Setze sich der Trend der vergangenen Studien fort, könnte es in zehn Jahren mehr als 840 Millionen Unterernährte geben.

Nimmt man die Menschen hinzu, die aufgrund der Corona-Krise ernste Not leiden, sind es dem Bericht zufolge 83 bis 132 Millionen betroffene Menschen mehr. Jeder Vierte - etwa zwei Milliarden Menschen auf der Erde - hätte im Leben schon Hunger gelitten oder zeitweise nicht gewusst, woher das Essen für die nächste Woche kommen soll, heißt es in der Studie. Wenn das Problem Kinder treffe, würden sie oft lebenslange Gesundheitsschäden erleiden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Juli 2020 um 17:34 Uhr.