Menschen in den zerstörten Straßen von Aleppo.

Die schwierige Rettungsarbeit der Weißhelme in Aleppo "Die gefährlichste Stadt der Welt"

Stand: 16.08.2016 13:17 Uhr

Wie kann man helfen in Aleppo, in einer Stadt, in der Krieg herrscht? Die Weißhelme versuchen es. Und die Menschen haben sich irgendwie daran gewöhnt, Bombeneinschläge und Schüsse zu hören und in Trümmern zu leben.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Der Osten von Aleppo, die Männer mit den Weißen Helmen im Einsatz. In einem Feuerwehrlaster geht es durch ein schwer zerstörtes Stadtviertel, rechts und links der Straße Gebäudetrümmer. Bei diesem Einsatz können sie nicht mehr helfen: Am Straßenrand eine Leiche, die Männer schlagen sie in ein Tuch und bringen sie weg.

Die Bilder, die die Nachrichtenagentur AP verbreitet, sind vor ein paar Tagen gefilmt worden. Sie geben einen seltenen Einblick in das Leben der Menschen in Ostaleppo; Dieser Stadtteil ist seit Wochen von Regierungseinheiten eingekesselt.

Ismail Abdullah macht bei den Weißhelmen mit, eine Rettungsorganisation, die in Rebellengebieten arbeitet: "Aleppo ist die gefährlichste Stadt der Welt", sagt er. "Die Situation ist dermaßen gefährlich - den ganzen Tag hören wir Luftangriffe. Und jeden Tag werden weitere Menschen getötet."

Ständige Angriffe sind Gewohnheit

Und wie um Abdullah zu bestätigen, sind gleich die nächsten Einschläge zu hören: "Dass sich die Russen eingeschaltet haben, hat alles verändert. Es gibt ständig Angriffe - auf Einrichtungen des Zivilschutzes, auf Krankenhäuser, auf Schulen, auf Marktplätze. Heute gab es wieder einen Luftangriff auf ein Krankenhaus in der Stadt," beschreibt Abdullah.

Zerstörungen in Aleppo, Syrien
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Krankenhäuser, Schulen, Marktplätze - überall gibt es Einschläge in Aleppo.

Wann immer die Kampfjets über der Stadt auftauchen, schauen die Menschen nach oben. Wo die tödliche Fracht der Flugzeuge einschlägt, wissen alle immer erst dann, wenn es zu spät ist - sicher ist niemand.

Zedoun al-Zoabi führt die Vereinigung Syrischer Hilfsorganisationen: "Ob Kinder oder Erwachsene - wir sind mittlerweile alle unempfindlich geworden, desensibilisiert. Wir fühlen nichts mehr. Ich habe es selbst gesehen, in Aleppo, als eine Fassbombe runterging. Das war eine gewaltige Explosion - ein Kind hörte es - und hob die Arme, wie, um zu tanzen. Als ob das für sie jetzt Musik geworden ist."

Normal ist, dass es nichts zu essen gibt

Anstehen vor einem Laden, wo plötzlich etwas zu essen aufgetaucht ist. Geduldig wartet jeder, bis er an der Reihe ist und etwas kaufen kann. Jungs spielen an einer Hausecke mit Murmeln. Die Einschläge der Bomben nehmen sie offenbar kaum noch wahr, sagt Zedoun al-Zoabi: "Das normale Leben - das bedeutet für sie: Bombenangriffe. Das normale Leben sind Kampfjets am Himmel und die Luftangriffe. Das normale Leben bedeutet, dass es nichts zu essen gibt und kein Wasser. So ist das jetzt."

Dieser Beitrag lief am 16. August 2016 um 13:14 Uhr auf WDR 5.

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