Das Model Ambra Battilana Gutierrez spricht mit Reportern  nach dem Urtei gegen Harvey Weinstein | Bildquelle: REUTERS

Nach Weinstein-Urteil "Der Kampf ist noch nicht vorbei"

Stand: 25.02.2020 14:38 Uhr

Der Vergewaltigungsprozess um Harvey Weinstein ist beendet, der Ex-Filmproduzent muss ins Gefängnis. Das Urteil löste in Hollywood Genugtuung aus. Einige zeigten sich aber auch enttäuscht.

Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles 

Erleichterung, Genugtuung, Triumph - dies sind die ersten Reaktionen der Frauen, die Harvey Weinstein monatelang medienstark angeprangert haben. Eine Sprecherin der Gruppe, die sich die "Silence Breakers" nennt, also die Frauen, die das Schweigen gebrochen haben, äußerten sich in einer Telefonschalte gegenüber der Presse:

"Dies ist der Tag, an dem die Wahrheit gewonnen hat. Heute hat gezeigt: Geld und Macht machen dich nicht unantastbar. Weinstein hat uns zu lange verfolgt - auch in unseren Albträumen. Jetzt bekommen wir unsere Macht zurück."

"Nun kann ich endlich aufatmen"

Zu der Gruppe gehören Schauspielerinnen wie Rosanna Arquette oder Mira Sorvino und Rose McGowan. Sie sei stolz auf die tapferen Frauen, die ausgesagt haben, twitterte McGowan. Sie hätten "ein Monster" zu Fall gebracht. Nun könne sie endlich aufatmen.

In zwei von fünf Anklagepunkten wurde der ehemalige Filmproduzent schuldig gesprochen. Am 11. März soll das Strafmaß verkündet werden. So viel ist bereits jetzt klar: Es läuft auf eine Gefängnisstrafe zwischen fünf und 25 Jahren hinaus.

Fall Weinstein unmittelbar mit "MeToo-Bewegung verknüpft

Viele Frauen begrüßten, dass Weinstein bis zur Verkündung des Strafmaßes wieder in Haft muss. "Harvey Weinstein ist jetzt ein verurteilter Vergewaltiger", schrieb die Moderatorin Padma Lakshmi auf Twitter. Wenn es einen Mann gebe, der keine Kaution verdiene, dann sei er es.

Nur Stunden nach dem Schuldspruch wurde Weinstein jedoch zunächst in eine New Yorker Klinik eingeliefert. Er habe Schmerzen in der Brust gehabt, sagte einer seiner Sprecher.

Weinstein wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen
tagesthemen 23:30 Uhr, 24.02.2020, Christiane Meier, ARD New York

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"Auswirkungen weit über Hollywood hinaus"

Der Fall Weinstein ist unmittelbar mit der #MeToo-Bewegung verknüpft, bei der vor allem Frauen ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt in sozialen Netzwerken teilten. Die Bewegung, an deren Spitze die Aktivistin Tarana Burke steht, bewerte das Urteil positiv. Gleichzeitig wurde an die Frauen erinnert, die nicht die Gelegenheit bekämen, ihre Peiniger vor Gericht zu bringen. Weiter heißt es:

"Dieser Fall erinnert uns daran, dass sexuelle Gewalt von unkontrollierter Macht und Privilegien lebt. Die Auswirkungen wirken sich weit über Hollywood hinaus auf das tägliche Leben von uns allen im Rest der Welt aus."

Ronan Farrow, der Journalist, der die Vorwürfe gegenüber Weinstein recherchierte und zusammentrug, äußerte sich ebenfalls. Das Urteil gegen Weinstein sei das Ergebnis der Entscheidung mehrerer Frauen, "die sich mit hohen persönlichen Kosten und Risiken an Journalisten und Staatsanwälte zu wenden", twitterte er.

Die Frauen wollen weiter kämpfen

Doch es gibt es auch Enttäuschung über das Jury-Urteil. Vor allem die Gruppe der "Silence Breakers" hätte sich gewünscht, dass Weinstein in allen Anklagepunkte verurteilt wird.

Statt der schweren Vergewaltigung wurde er lediglich im Fall einer minder schweren Vergewaltigung schuldig gesprochen. "Der Kampf ist noch nicht vorbei", hieß es in einem Statement der Frauen.

Auch Regisseur und Drehbuchautor Judd Apatow erinnerte in einem Tweet daran, dass der Weinstein Fall noch nicht ganz zu Ende sei: "Vergessen Sie nicht - Harvey Weinstein steht in Los Angeles vor vier weiteren Anklagen." Dies sei nur der Anfang, ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

Tatsächlich soll Weinstein sich schon bald auch vor einem Gericht in Los Angeles verantworten. Wann genau, ist noch unklar.

 

Erleichterung, Triumph, Enttäuschung – Reaktionen auf das Weinstein Urteil
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
25.02.2020 08:01 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Februar 2020 um 23:30 Uhr.

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