Harvey Weinstein verlässt mit seinen Beratern das Gerichtsgebäude. | Bildquelle: AFP

Weinstein-Prozess "Das Muster eines Raubtiers"

Stand: 15.02.2020 00:09 Uhr

In ihrem Schlussplädoyer hat Staatsanwältin Iluzzi-Orbon den ehemaligen Hollywood-Produzenten Weinstein als Raubtier bezeichnet. Er habe unbekannte Schauspielerinnen ausgenutzt und bedroht.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Es ist der Tag des Finales. Und Opferanwältin Gloria Allred macht klar: "Weinstein wird lernen, dass er derjenige ist, der in einer anderen Welt lebt." Seine Verteidiger haben am Vortag Weinsteins mutmaßliche Opfer als Lügnerinnen dargestellt - als Frauen, die den einflussreichen Filmproduzenten ausgenutzt haben.

Jetzt dreht die Anklage den Spieß um. Weinsteins Muster sei das eines Raubtiers gewesen, erklärt Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon vor der Jury. Er habe seine Position als mächtiger Hollywood-Produzent genutzt, um Frauen anzugreifen. Er habe sie als frei verfügbar betrachtet.

Staatsanwältin Joan Illuzi | Bildquelle: REUTERS
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Staatsanwältin Illuzi-Orbon stellte Weinstein als machtbesessenen Tyrannen dar.

Energisch und mitunter wütend geht die Anklägerin vor den Geschworenen auf und ab. Manchmal flüstert sie fast, um dann wieder laut zu werden. Und scharf sagt sie weiter, der Angeklagte sei der "Herr des Universums" gewesen - die Zeugen nur "Ameisen", auf die er ohne Konsequenz treten konnte.

Opferanwältin Allred kündigte es an: "Das ist das Ende der Verdreherei der Verteidigung. Wir sehen heute, wer die wirklichen Opfer sind."

Weinstein habe es mit Kalkül auf die unbekannten Frauen abgesehen, die in der Filmbranche aufsteigen wollten, sagt Staatsanwältin Illuzi-Orbon. Er habe sie mit Drohungen zum Schweigen gebracht. Und Medienberichte lange mit einem Team von Privatdetektiven unterdrückt.

Mehr als 80 Frauen erheben Vorwürfe

Seit die Metoo-Debatte dann doch 2017 ins Rollen kam, haben mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Eine Schauspielerin hat ihn in New York der Vergewaltigung bezichtigt. Eine Ex-Mitarbeiterin wirft ihm vor, dass er sie zum Oralsex gezwungen habe. Während des gesamten Prozesses hatte die Anklage mithilfe von Zeuginnen versucht, der Jury ein Muster aufzuzeigen: Das eines Mannes, der seine Macht nutzt, um beruflich abhängige Frauen zu sexuellen Handlungen zu zwingen.

Weinstein hört sich das Plädoyer ruhig an. Beim Eingang zum Obersten Gericht in Manhattan hatte er sich diesmal locker gegeben. Ob er Pläne für den Valentinstag habe, fragt ein Journalist. Weinstein lacht - wie so oft sichtlich angestrengt auf seinen Rollator gestützt. "Der war gut", sagt er.

Sechs Wochen dauerte es, bis die Beweise und Argumente in diesem ersten großen Metoo-Prozess ausgetauscht sind. Ab Dienstag zieht sich die zwölfköpfige Jury zu ihrer Beratung zurück - eine Entscheidung kann jeden Tag fallen.

Die Gerichtszeichnung zeigt Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon während ihres Plädoyers. | Bildquelle: REUTERS
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Die Gerichtszeichnung zeigt Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon während ihres Plädoyers.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 15. Februar 2020 um 06:20 Uhr.

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