Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem | Bildquelle: ABED AL HASHLAMOUN/EPA-EFE/REX

Mitternachtsmesse in Bethlehem "Ein schreckliches Jahr"

Stand: 25.12.2018 04:45 Uhr

Tausende verfolgten die Mitternachtsmesse in Bethlehem vor der Geburtskirche. Patriarch Pizzaballa nutzte die Gelegenheit, die vielen Probleme in den Palästinensergebieten anzusprechen.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Um kurz nach Mitternacht schallte der Gesang der Gläubigen durch die Katharinenkirche, den katholischen Teil der Bethlehemer Geburtskirche. Die traditionelle Mitternachtsmesse, Höhepunkt des Weihnachtsfestes in der Geburtsstadt Jesu, war auch in diesem Jahr sehr gut besucht.

Dicht an Dicht standen die Menschen in den Gängen und rund um die voll besetzten Kirchenbänke. Nicht alle, die dabei sein wollten, konnten hinein. Für alle anderen wurde der Gottesdienst auf den Krippenplatz vor der Geburtskirche übertragen.

Palästinensische Pfadfinder marschieren durch Bethlehem | Bildquelle: AP
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Palästinensische Pfadfinder marschieren vor der Mitternachtsmesse mit Dudelsäcken durch Bethlehem.

"Wollen keine weiteren Tränen vergießen"

Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem und damit das Oberhaupt der katholischen Kirche im Heiligen Land, zelebrierte die Mitternachtsmesse. Der Gottesdienst, der weltweit beachtet wird und zu dem auch in diesem Jahr wieder Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kam, war für Pizzaballa erneut auch Gelegenheit die Situation in den Palästinensergebieten anzusprechen.

Von einem politisch und wirtschaftlich schrecklichen Jahr sprach der lateinische Patriarch, und er nutzte seine Predigt für eine Aufforderung:

"Wir bitten darum, dass das Wort Gottes und unsere Gebete in den Herzen derer gehört werden, die politische und soziale Verantwortung tragen. Wir wollen keine weiteren Tränen vergießen angesichts der Unterdrückung, der extremen Armut und der vielen anderen Leiden, die unser Volk belasten."

Christen verlassen das Heilige Land

Israelische Besatzung, Abriegelung des Gaza-Streifens und der Streit zwischen den rivalisierenden Gruppen Hamas und Fatah, der die palästinensische Politik lähmt - die Probleme sind vielfältig und die wirtschaftliche und politische Lage ist desolat.

Pizzaballa stellte nun in seiner Predigt Bezüge zwischen der Geschichte von der Geburt Jesu und dem Alltag der christlichen Palästinenser her, von denen viele das Heilige Land in den vergangenen Jahren verlassen haben.

"Wir bitten das Kind von Bethlehem und seine Eltern, die hierher kamen und nach einer Unterkunft suchten, uns dabei zu helfen, hier bleiben zu können. Wir bitten um Hilfe damit wir, wie sie, für den Frieden in diesem Land stehen können. Denn unsere Städte wären ohne Christen ärmer, und wir Christen riskieren ohne unsere Städte, vom Weg abzukommen."

Einzug mit Dudelsäcken und Trommeln

Begonnen hatten die Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem Stunden vor der Mitternachtsmesse mit dem Einzug des lateinischen Patriarchen in die Geburtskirche. Palästinensische Pfadfindergruppen begleiteten die Prozession mit Dudelsäcken und Trommeln.

Am Straßenrand standen neben Einwohnern von Bethlehem auch arabische Christen aus der Region und Touristen aus dem Ausland. "Die Atmosphäre ist wundervoll", sagt etwa eine irische Besucherin. "Wir waren in der Geburtskirche und haben die Stelle berührt, an der Jesus geboren worden sein soll. Ich bin mit meinen drei Kindern hier, und es ist einfach nur schön. Ich wünsche allen frohe Weihnachten."

Gefeiert wird in Bethlehem nun noch mit zahlreichen Gottesdiensten. Anfang Januar steht dann das Weihnachtsfest der orthodoxen Christen in der Stadt an.

Mitternachtsmesse in Bethlehem
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
25.12.2018 04:23 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 25. Dezember 2018 die tagesschau um 03:54 Uhr sowie um 05:24 Uhr und Inforadio um 08:08 Uhr.

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