Blühende Kirschbaumzweige in Washington, D.C. | Bildquelle: ARD-Studio Washington

Klimawandel Washingtons Kirschblüten sind bedroht

Stand: 06.04.2019 10:40 Uhr

Im April kommen jedes Jahr Hunderttausende Touristen nach Washington, um die Kirschblüte zu bewundern. Doch der steigende Meeresspiegel und kaputte Deiche setzen die Bäume regelmäßig unter Wasser. Der Bestand ist bedroht.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Zartrosa Blüten, soweit das Auge reicht. Entlang des Wasserreservoirs am Jefferson Memorial reiht sich ein blütenübersäter Kirschbaum an den nächsten. Es sind Tausende. Noch viel mehr Besucher bevölkern bei herrlichstem Frühlingswetter die National Mall, um die Blütenpracht zu bestaunen und sich gegenseitig im Blütenmeer zu fotografieren.

Wenn man hoch in die Bäume schaue, könne man sich in den Blüten verlieren, schwärmt Marianne aus Virginia. Mit Kind und Kegel, Fahrrädern und Picknickdecken fallen Bewunderer aus der ganzen Welt in den Kirschblütenwald ein. Wo früher Rasen wuchs, ist heute nur noch staubige Erde.

Ausgetrampelte Pfade rund um die Kirschbäume

"Wir haben mehrere Millionen Besucher jeden Tag, die an diesen wunderschönen Ort kommen. Deutlich zu erkennen ist das an den ausgetrampelten Pfaden rund um die Kirschbäume. Dieser Ort kann die Millionen Besucher nicht mehr verkraften", sagt Sean Kenneally vom National Park Service. Die meisten der hellrosaroten Bäume sind über 100 Jahre alt. 1912 schenkte der Bürgermeister Tokios der Stadt Washington 3000 Kirschbäume zum Zeichen der japanisch-amerikanischen Freundschaft.

Zusätzliche Belastung für die Bäume ist die Flut, die über die Ufer des Potomac River tritt und das Wurzelwerk der Bäume regelmäßig überschwemmt und freilegt. "Dann kommt es zu Überflutungen wie hier. Der Uferweg ist unbenutzbar und steht unter Wasser. Zweimal am Tag passiert das", weiß Teresa Durkin von der Organisation "Trust for the National Mall". Parkranger Sean Kenneally fügt hinzu: "An vielen Stellen fallen die Bäume buchstäblich ins Wasser. Hier sieht man die exponierten Wurzeln, und dort drüben kann keiner laufen. Verantwortlich für die Überflutungen sind die Deiche, die sich im Laufe der Jahre abgesenkt haben."

Das Martin Luther King, Jr. Memorial ist verdeckt von blühenden Kirschbaumzweige in Washington, D.C. | Bildquelle: AFP
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Das Martin Luther King, Jr. Memorial ist verdeckt von blühenden Kirschbaumzweigen

Kaputte Bäume müssen ausgetauscht werden

Das Tidal Basin, so heißt das Wasserreservoir am Jefferson Memorial, sei an einem kritischen Punkt angekommen. Immer öfter müssten kaputte Bäume ausgetauscht werden, heißt es beim National Park Service.

"Nun, 125 Jahre später, beginnt diese vom Menschen geschaffene Anlage auseinander zu fallen. Auch durch die Auswirkungen der Stadt und der steigenden Wasserpegel - viele Faktoren tragen zu dem Verfall bei", sagt Durkin. Die Deiche müssten erneuert und die Spazierwege erweitert werden, um die kostbaren Bäume zu schützen, fordert sie. Rund 500 Millionen US-Dollar würde eine solche Sanierung kosten. "Wir müssen jetzt handeln - nicht erst in hundert Jahren. Wir wollen ja, dass es diesen Ort auch in hundert Jahren noch gibt", mahnt sie.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. April 2019 um 09:50 Uhr.

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