Gedenken an Warschauer Ghetto | Bildquelle: dpa

Warschauer Ghetto Tagespolitik überschattet Gedenken

Stand: 19.04.2018 12:40 Uhr

Er gilt als wichtiges Symbol des Widerstandes gegen Nazideutschland: Polen erinnert an den Aufstand im Warschauer Ghetto vor 75 Jahren. Doch in diesem Jahr laufen die Gedenkfeierlichkeiten anders als bisher.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

75 Jahre danach soll Sirenengeheul in Warschau an den Aufstand der Juden im Ghetto erinnern. Bislang war das Gedenken daran eigentlich nicht Gegenstand politischer Konflikte in der ansonsten sehr streitlustigen Republik Polen.

Der legendäre Aufstand eigentlich wehrloser, schlecht bewaffneter Juden im Ghetto gegen SS-Truppen, Polizisten und Söldner schwebte als historisches Heiligtum über den Dingen. Zur Legende wurde er schon kurz nach dem Krieg, als die kommunistischen Machthaber eine erste Gedenktafel noch auf den Trümmern des niedergebrannten Ghettos aufstellten - und schließlich das düstere Denkmal der Ghetto-Helden, vor dem Bundeskanzler Willy Brandt rund 20 Jahre später auf die Knie fiel.

Polen erinnert an Aufstand im Warschauer Ghetto vor 75 Jahren
tagesschau 20:00 Uhr, 19.04.2018, Olaf Bock, ARD Warschau

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Protest gegen vereinnahmende Geschichtspolitik

Doch in diesem Jahr gibt es Streit: In sozialen Netzwerken formieren sich Gruppen für alternative Gedenkmärsche, die sich ausdrücklich abgrenzen von den offiziellen Feierlichkeiten um den nationalkonservativen Staatspräsidenten Andrzej Duda. Öffentlich schlug Henryk Szlajfer, ein bekannter Ökonom mit jüdischen Wurzeln, die Einladung des Staatspräsidenten zu den Gedenkfeiern aus. Auch er protestiert gegen eine seiner Ansicht nach vereinnahmende Geschichtspolitik.

Doch Dariusz Stola, Direktor des direkt am Ghetto-Mahnmal erbauten Museums der Geschichte der polnische Juden, wendet ein: "Ich freue mich über Präsident Dudas Anwesenheit. Denn damit zeigt er: Polen hält die Ghetto-Helden für nationale Helden. Das Motto unserer jährlichen Gedenkfeiern lautet: Möge das Erinnern uns verbinden."

Stephan Lehnstaedt, Holocaust-Studien am Touro College Berlin, zu historischen Hintergründen des Aufstandes im Warschauer Ghetto
tagesschau24 11:00 Uhr , 19.04.2018

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Doch seit die polnische Parlamentsmehrheit das sogenannte Holocaust-Gesetz verabschiedet hat, das bestimmte Fehl-Äußerungen zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs mit Haft bedroht, liegt über historischen Gedenkakten in Polen immer auch der Gedanke an die Tagespolitik. Und die spaltet schnell - wie auch beim jüngsten Besuch des israelischen Präsidenten Rivlin in Auschwitz zu spüren ist, der dort unter anderem eine angebliche "Gesetzgebung des Vergessens" in Polen gerügt hatte.

"Von außen sah man nur das Feuer"

Polen waren im Zweiten Weltkrieg zu allererst Zeugen des Judenmords durch Deutsche. Das Ghetto selbst befand sich, zwar durch eine Mauer abgeriegelt, mitten in der Stadt. Der Aufstand seiner letzten Bewohner und seine Niederschlagung mit militärischen Mitteln blieb der nicht-jüdischen Bevölkerung nicht verborgen.

Andrzej Zbikowski vom Jüdischen Historischen Institut erklärt: "Von außen sah man nur das Feuer, die brennenden Häuser, ein schrecklicher Gestank. Man hörte die Schüsse der Deutschen auf die fliehenden Juden. Man hatte nicht den Eindruck, dass es sich um einen bewaffneten Kampf zweier Seiten handelte. Aber man merkte, dass sich die Juden verteidigten und dass die Deutschen das Ghetto nicht an einem Tag auflösten, sondern einen Monat brauchten, bis zum 16. Mai, als die große Synagoge zerstört wurde - als Symbol, dass es dort keine Juden mehr gibt."

Gedenken an Warschauer Ghetto | Bildquelle: dpa
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Mit Kranzniederlegungen und Gedenkmärschen erinnern die Menschen in Polen des Aufstands im Warschauer Ghetto vor 75 Jahren.

Eben diese Synagoge soll heute wieder aufleben - als Projektion auf einem schwarzen Hochhausturm am geschäftigen Banken-Platz. Das ist nur eine von zahlreichen Alternativ-Veranstaltungen jenseits des offiziellen Gedenkens mit Kranziederlegungen, Ansprachen und Konzert am Ghetto-Mahnmal.

Die Ko-Organisatorin Paula Sawicka sagt: "Die Synagoge stand genau da, wo jetzt das Hochhaus steht, aber die urbane Struktur war ganz anders. Es war ein kleiner Platz und Straßen, die es heute nicht mehr gibt. Aber der Bau des Hochhauses zog sich damals hin und dauerte 30 Jahre und man sprach sogar von einem Fluch, der über diesem Ort hänge. Nun aber wollen wir diesen Fluch aufheben und die Schönheit des Gebäudes zeigen, das hier stand und der ganzen jüdischen Bevölkerung diente."

Nichts mehr zu sehen, aber vieles zu spüren

Auch andere versuchen, das, was ausgelöscht wurde, zu reaktivieren. So sind auf dem polnischen Buchmarkt liebevoll gestaltete Bände erschienen wie "Teraz43" ("43Jetzt"), in dem Ghetto-Aufnahmen und Fotos derselben und doch völlig veränderten Örtlichkeiten zu einer Zeitreise in einem Bild verschwimmen. Und die Ghetto-Historikerin Barbara Engelking gestaltete einen "Reiseführer durch einen nicht-existenten Ort, das Warschauer Ghetto". Sie ließ dafür sogar alte Stadtpläne neu gestalten, um beim Rundgang durch ein großes Stadtviertel Warschaus zu helfen, von dem es so gut wie nichts mehr zu sehen, aber vieles zu spüren gibt.

75 Jahre Ghetto-Aufstand - Warschau gedenkt
Jan Pallokat, ARD Warschau
19.04.2018 11:36 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 19. April 2018 NDR Info um 10:08 Uhr und ab 13:00 Uhr im "Mittagsecho" sowie tagesschau24 um 11:00 Uhr in einem Schwerpunkt.

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