Waldbrand in Portugal | Bildquelle: dpa

Waldbrände in Portugal Noch immer wüten die Flammen

Stand: 19.06.2017 20:28 Uhr

In Portugal kämpft die Feuerwehr weiter gegen heftige Waldbrände. Die Behörden sprechen inzwischen von leichter Entspannung. 64 Menschen kamen bisher in den Flammen ums Leben, erst 24 von ihnen sind identifiziert.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Filomena steht vor dem Haus ihrer Verwandten, in einem Dorf mitten im Waldbrandgebiet. Sie weint beim Blick auf das, was von dem Anwesen übrig geblieben ist. "Ich mache mir Sorgen um meine Schwester und meinen Neffen", sagt sie. "Sie sind aus dem Haus geflüchtet, mussten alles zurücklassen, all ihre persönlichen Dinge sind weggebrannt. Außerdem leben Freunde von mir ganz in der Nähe, sie sind vom Feuer quasi umzingelt. Hier brennt ja fast alles - ich habe Angst, dass das Feuer auch über unseren Fluss kommt und sich noch weiter ausbreitet."

Betroffen von den heftigen Bränden ist ein Gebiet in der Mitte Portugals, etwa 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lissabon. Viele Feuer lodern seit Samstagabend, zwei größere Brandherde sollen weiterhin außer Kontrolle sein.

Erste Fortschritte, aber noch keine Entwarnung

Der zuständige Feuerwehrchef Elisio Oliveira spricht nun jedoch von einer günstigen Entwicklung: "Wir machen Fortschritte im Kampf gegen die Flammen - in allen betroffenen Provinzen: Coimbra, Leiria und Castelo Branco. Allerdings brennen hier große Gebiete, viele sind nur schlecht zugänglich." Allerdings mache das Wetter den Kräften Probleme: "In manchen Zonen ist der Rauch einfach so stark, dass die Piloten der internationalen Löschflugzeuge nichts sehen können, viele müssen also am Boden bleiben."

Immerhin: Einige der Maschinen sind nun im Einsatz. Am Vormittag waren die Rauchwolken noch so dicht, dass kein Flugzeug starten konnte. Neben den portugiesischen Maschinen befinden sich Löschflugzeuge aus Spanien, Italien und Frankreich im Waldbrandgebiet. Mehr als Tausend Helfer sind vor Ort.

Kritik an Behörden

Die Menschen in Portugal diskutieren inzwischen die Frage, warum das Feuer solch dramatische Ausmaße annehmen konnte. Die Umweltschutzorganisation Quercus gibt den Behörden eine Mitschuld an der Katastrophe. Sie kritisiert, dass der Staat den Anbau von Eukalyptusbäumen stark gefördert hat.

Diese Art fange schnell Feuer, auch weil ihre Blätter leicht ölig sind, sagt Umweltschützer Hilario Costa: "Eukalyptus hat sich in Portugal stark und ohne Regeln ausgebreitet. Das Ergebnis ist offensichtlich: Bei diesen Waldbränden waren die größten verbrannten Flächen Eukalyptusplantagen."

Karte: Portugal mit Lissabon und Pedrógão Grande
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Das Feuer brach knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon aus.

Auch das Grundstück von Antonio liegt gleich neben einer solchen Plantage. Die Flammen haben sein Haus und den Garten komplett verwüstet. "Als das Feuer kam, wurde die ganze Familie unruhig", erzählt Costa. "Wir sahen riesige Flammen, alles brannte lichterloh. Wir flüchteten. Und als wir nun wiederkamen, sahen wir, dass das Feuer wirklich alles vernichtet hat."

Hilfsorganisationen haben in vielen Dörfern Zelte aufgebaut und verteilen Lebensmittel. Schulen und Sporthallen wurden zu provisorischen Schlaflagern umgebaut. Auch wenn das Hab und Gut vieler Menschen in Portugal verloren ist - sie können auf eine große Hilfsbereitschaft zählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juni 2017 um 20:00 Uhr.

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