Waldbrand in Russland | REUTERS

Brände im Osten Russlands Die ignorierte Katastrophe

Stand: 30.07.2019 18:04 Uhr

Im Osten Russlands breiten sich Waldbrände aus. Schon jetzt sind mehr als drei Millionen Hektar abgebrannt. Die Behörden taten das Problem lange ab - bis sich die Proteste der Betroffenen mehrten.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Schon seit über zwei Monaten gibt es an vielen Stellen Sibiriens Waldbrände. Unternommen haben die russischen Behörden bislang kaum etwas - wohl auch, weil man davon ausging, das Problem würde sich wie in der Vergangenheit von selbst erledigen.

Stephan Laack

"Ganz natürliches Phänomen"

Gouverneur Alexander Uss der sibirischen Region Krasnojarsk sprach sogar davon, man dürfe den natürlichen Lauf der Dinge nicht stören. Außerdem seien groß angelegte Löschaktionen unwirtschaftlich: "Tatsache ist, dass dies ein ganz natürliches Phänomen ist, mit dem zu kämpfen sinnlos und vielleicht sogar schädlich ist."

Satellitenbild der NASA | NASA EARTH OBSERVATORY HANDOUT/E

Die Rauchwolken der Brände im Osten Russlands sind inzwischen auch auf Satellitenbildern der NASA - hier unten rechts - zu erkennen. Bild: NASA EARTH OBSERVATORY HANDOUT/E

Gleichzeitig warnt Alexander Tschuprija, ein hochrangiger Vertreter des russischen Katastrophenschutzes: "Die Rauchschwaden verteilen sich über Tausende von Kilometern und beeinträchtigen die Lebensqualität in allen umliegenden Orten. Auch in den Städten steigt die Zahl der Bürger, die ärztliche Hilfe anfordern wegen Atemproblemen."

Hohe Belastung für Bevölkerung

Die Menschen in den betroffenen Gebieten Jakutien, Krasnojarsk und Irkutsk haben längst keine Geduld mehr. In vielen Regionen herrschen für Sibirien ungewöhnlich hohe Temperaturen von 30 Grad und mehr. Starke Winde fachen die Feuer an. Hitze und beißender Rauch werden für die Menschen in den Dörfern und Städten immer mehr zur Belastung.

Auf YouTube finden sich Videoclips von Menschen vor Ort, die mit Flashmobs gegen die Untätigkeit der Behörden protestieren. Ein dramatischer Appell, der sich auch an die Weltöffentlichkeit richtet:

Die Machthaber weigern sich, den Katastrophenzustand auszurufen. Es sei angeblich unrentabel, die Brände zu löschen. Was soll das, Leute? Was wollt ihr unseren Kindern hinterlassen? Ausgebrannte Erde? Eine Wüste? Die Menschen hier bitten um Hilfe, die Krankenhäuser sind überfüllt. Wir fordern den Katastrophenzustand in diesen Regionen auszurufen und das nationale Erbe Russlands und der Welt zu retten - unser Sibirien.

Behörden reagieren endlich ...

Ihre Forderungen werden nun anscheinend erhört. Etwas spät, denn die Feuer haben sich mittlerweile auf 3,2 Millionen Hektar ausgeweitet. Das entspricht fast der Fläche Nordrhein-Westfalens. Mittlerweile ist bereits an einigen Flughäfen Sibiriens der Flugverkehr wegen Rauchschwaden beeinträchtigt.

Verbrannter Wald in Russland | REUTERS

Millionen Hektar sind bereits verbrannt. Bild: REUTERS

Regierungschef Dmitri Medwedjew spricht von einer komplizierten Situation und rief die Gouverneure auf, zu handeln: "Jeder Leiter eines Föderationssubjekts, jeder Gouverneur muss nun persönlich die Kontrolle über diese Situation übernehmen - keine allgemeinen Erklärungen abgeben oder mit dem Finger nach oben zeigen, sondern sich persönlich mit diesem Thema befassen." 

... aber möglicherweise zu spät

Umweltminister Dmitri Kobylkin soll nun in die betroffenen Gebiete fliegen, um sich von der Situation persönlich ein Bild zu machen. Greenpeace Russland warnt, die Brände seien schon lange kein lokales Problem mehr. Es sei eine Umweltkatastrophe auf nationaler Ebene. Durch die Brände würden große Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid freigesetzt. Jetzt räche sich, dass die örtlichen Behörden nicht von Anfang an entschieden gegen die Feuer vorgegangen seien.

Über dieses Thema berichtete am 30. Juli 2019 tagesschau24 um 14:00 Uhr und NDR Info um 18:30 Uhr in der Sendung "Echo des Tages".