Ein durch den Waldbrand zerstörtes Haus in Paradise | Bildquelle: AP

Waldbrände in Paradise Neuanfang in Schutt und Asche

Stand: 04.12.2018 11:16 Uhr

Die kalifornische Stadt Paradise wurde von den jüngsten Waldbränden vollkommen zerstört. Nun soll der Ort wieder aufgebaut werden. Doch viele ehemalige Bewohner wissen überhaupt nicht, ob sie zurück wollen.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Die jüngsten Waldbrände in Kalifornien waren die schlimmsten in der Geschichte des Bundesstaates. Mittlerweile haben sich Rettungskräfte und die Verantwortlichen der Stadt Paradise im Norden Kaliforniens einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörung verschafft. Der Ort muss komplett neu gebaut werden, lautet der Befund.

Die meisten der ehemaligen Bewohner sind gefasst. Die Menschen von Paradise seien stark, sagt Devon. Sie würden die Stadt wieder aufbauen. Devon verlor selbst alles in dem Feuer. Er schaffte es noch, ein paar Sachen in seinen Truck zu werfen. Doch dann musste er aus dem Fahrzeug flüchten. Alles ging in Flammen auf. Nun hat er nichts mehr. Devon ist obdachlos und weiß nicht, wie es weitergeht.

Ob Devon wieder in Paradise leben möchte, weiß er noch nicht. Es sei schwer zu sagen, sagt er, denn es würde nicht das gleiche sein wie früher.

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Die kalifornische Stadt Paradise liegt in Schutt und Asche

Blick auf durch Waldbrände zerstörte Häuser in Paradise

Das sogenannte Camp-Feuer hat Anfang November im Norden Kaliforniens gewütet und vor allem den Ort Paradise hart getroffen. | Bildquelle: AP

Asche, Schutt, verbogenes Metall

So wie Devon geht es zurzeit Tausenden ehemaligen Bewohnern der Stadt. Fast 27.000 Menschen waren in Paradise zu Hause. Übrig geblieben sind nach dem Feuer nur noch Asche, Schutt, verbogenes Metall, herabhängende Stromleitungen und verbrannte Fahrzeugkarosserien.

Zwei Wochen nach dem Feuer kehren David Hermann und Dana Silvera zu ihrem Grundstück zurück. Auch ihr Haus brannte ab. Sie entdecken die Überreste ihres Briefkastens. David, der als Fahrer für einen Paketzusteller arbeitet, zeigt, wo sich Wohn- und Schlafzimmer befanden. "Das einzige, was das Feuer überstand, war die Regenrinne", sagt er.

Rund 14.000 Wohnhäuser vernichtete das Feuer in Paradise. Mehrere Hundert Geschäftsräume wurden zerstört.

"Eine immense Herausforderung"

Dennis Schmidt ist bei der Behörde Public Works in Butte County angestellt. Die Behörde kümmert sich unter anderem um Infrastrukturprojekte in dem Verwaltungsbezirk, zu dem auch Paradise gehört. "Vor uns liegt eine immense Herausforderung", sagt Schmidt. Er klingt gefasst. "Noch nie zuvor sind so viele Gebäude in einem Feuer in Kalifornien zerstört worden. Wir befinden uns auf neuem Terrain." Butte County sei ein kleiner Bezirk, so Schmidt. Es werde lange dauern, bis die Situation im Griff sei. "Jetzt müssen die Grundstücke erstmal gesäubert werden und in einen Zustand versetzt werden, wo wieder drauf gebaut werden kann."

Patrick Welsh wird nicht darauf warten. 37 Jahre lang lebte er in Paradise. Zurückkehren möchte er nicht. Der bürokratische Aufwand werde immens sein, glaubt er. Es werde Jahre dauern, bis jemand einen Nagel in eine Wand schlagen könne.

Für Dana Silvera begann nun inmitten der Reste ihres Hauses der Prozess der Aufarbeitung. Alles, wofür sie je gearbeitet hätten, sei weg, sagt sie den Tränen nah.

Paradise: Mitglieder eines Suchteams suchen mit Spürhunden in einem Wohnmobilpark | Bildquelle: dpa
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Mitglieder eines Suchteams mit Spürhunden in einem Wohnmobilpark in Paradise. 88 Menschen kamen bei dem sogenannten Camp Fire ums Leben.

Giftstoffe im Brandschutt

Der Frust bei den Brandopfern ist hoch. Viele dürfen wegen der Giftstoffe im Brandschutt noch nicht auf ihre Grundstücke zurückkehren. Die Behörden müssen diesen erst entsorgen. Noch immer sind knapp 2000 Notbehausungen nicht eingetroffen, die von der US-Katastrophenhilfe FEMA kommen sollen. Die Wohnwagen sollen ein erster Schritt zurück zur Normalität darstellen. Und dann wartet auf viele noch die Auseinandersetzung mit den Versicherungen. Es kann Jahre dauern, bis sie Geld erhalten.

88 Menschen kamen bei dem sogenannten Camp Fire im Norden Kaliforniens ums Lebens. Der Verbleib von 25 Personen ist noch immer ungeklärt. Ob sie sich unter den Opfern befinden, kann vielleicht nie beantwortet werden. Die Behörden stellten die Suche nach menschlichen Überresten mittlerweile offiziell ein.

Zwischenbilanz "Camp Fire" in Nordkalifornien
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
04.12.2018 08:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Dezember 2018 um 10:38 Uhr.

Korrespondentin

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