Parlamentswahl in Griechenland am 07.07.2019 | Bildquelle: AFP

Griechenland wählt Konservative hoffen auf den Wechsel

Stand: 07.07.2019 15:13 Uhr

Die griechischen Konservativen rechnen mit einem deutlichen Wahlsieg - Meinungsumfragen räumen ihnen dafür gute Chancen ein. Ministerpräsident Tspiras gibt sich am Wahltag dennoch kämpferisch.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Rote Rosen für Alexis Tsipras - als der griechische Regierungschef heute seine Stimme in einem Athener Wahlbüro abgab, haben ihm vor allem Frauen auf den letzten Metern alles Gute gewünscht.

Tsipras weiß, dass ihm die Meinungsforscher keine Chance auf einen Wahlsieg mit seiner Syriza-Partei geben und strahlt trotzdem: "Es ist ein kritischer Kampf, den wir mit Optimismus und Entschlossenheit bis zur letzten Minute ausgetragen haben. Damit die Opfer und Anstrengungen des griechischen Volkes nicht verschwendet werden, damit der Kurs des Landes weiter voranschreitet."

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kurz vor Abgabe seiner Stimme. | Bildquelle: REUTERS
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Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kurz vor Abgabe seiner Stimme.

Tsipras-Konkurrent lautstark umjubelt

Der Mann, den die Meinungsforscher als neuen griechischen Ministerpräsidenten eigentlich schon fast gewählt haben - er wurde heute Vormittag, anders als Tsipras, lautstark bejubelt. Umringt von zahlreichen Anhängern kam er nur langsam zur Wahlurne voran. Kyriakos Mitsotakis, der Chef der konservativen Partei Nea Demokratia, hatte gestern beim Pressetreff mit Auslandskorrespondenten gestanden, dass er eigentlich am Ende dieses Wahlkampfes doch sehr müde sei.

Heute zur Stimmabgabe gab er sich aber zuversichtlich: "Heute nehmen die Griechen das Schicksal des Landes in die Hand und ich bin mir sicher, dass morgen ein besserer Tag für das Land anbricht. Gute Abstimmung für alle."

Michael Schramm, ARD Athen, zur Parlamentswahl in Griechenland
tagesschau24 13:00 Uhr, 07.07.2019

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Kleine Parteien entscheidend

Ob die Konservativen bei der heutigen Parlamentswahl tatsächlich so viele Stimmen bekommen, dass es zur alleinigen Regierungsmacht ohne Koalitionspartner reicht, ist noch unklar. Dies hängt auch davon ab, wie viele andere kleinere Parteien ins Parlament einziehen werden und damit Stimmen binden und wie sehr die Syriza-Partei tatsächlich Stimmen verlieren wird.

Giorgos Tsampalou, ein konservativer Wähler im Athener Stadtteil Kolonaki, ist sich sicher, dass es mit der absoluten Mehrheit klappen wird: "Ich erwarte einen Wechsel, einen ganz starken Wechsel in die liberale Richtung. Es wird das Ende einer sehr schlechten Zeit für Griechenland sein. Manches wird die Nea Demokratia mit unseren Geldgebern sicher neu verhandeln. Und das bringt Griechenland eine großartige Zukunft."

Kyriakos Mitsotakis, Chef der konservativen "Nea Demokratia" | Bildquelle: dpa
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Kyriakos Mitsotakis, Chef der konservativen Nea Demokratia, hat gute Chancen auf einen Wahlsieg.

"Den Kuchen für alle Griechen größer machen"

Alle Parteien hoffen, dass die Wahlbeteiligung an diesem Sonntag etwas höher als bei der letzten Parlamentswahl 2015 sein wird. Damals hatten etwas mehr als 56 Prozent der rund zehn Millionen wahlberechtigten Griechen abgestimmt.

Odysseas Koumatos, Wahlleiter im Wahllokal in einer Athener Grundschule, denkt, dass diesmal auch viele ältere Wähler wissen, in welches Wahllokal sie kommen müssen. "Weil viele ältere Leute nicht im Computer nachschauen können, können sie diesmal Telefon-Hotlines anrufen, wo sie erfahren, wo und wie genau sie abstimmen dürfen."

Wenn sich, wie die Prognosen sehr eindeutig sagen, tatsächlich die Konservativen mit großer Mehrheit als künftige Regierungspartei durchsetzen, werden sie wie versprochen schnell an ihre Hauptaufgabe gehen müssen - den Kuchen für alle Griechen größer zu machen, wie sie das im Wahlkampf formulierten. Ein starkes Wirtschaftswachstum soll vor allem durch ausländische Investoren befeuert werden. Dass in diesem Punkt auch schon die linke Syriza-Partei in den vergangenen Jahren Erfolge hatte, scheint für die Mehrheit der Griechen bei ihrer Wahlentscheidung keine Rolle zu spielen.

Neue Lösungen für Kampf gegen Krise

Ioannis, ein 41-jähriger obdachloser Athener, der während der Syriza-Regierungszeit seine Arbeit und seine Wohnung verloren hat, erklärt in einem Park in der Athener Innenstadt, warum er auf gar keine der beiden großen Parteien vertrauen will: "Es ist nicht nur, dass du kein Geld hast oder keine Arbeit. Du fühlst dich auch von Tag zu Tag mehr abgetrennt von den Möglichkeiten, die andere haben. Du findest niemanden zum Kaffee Trinken. Keine Leute, um sich ganz normal zu unterhalten."

Mit gut 18 Prozent Arbeitslosigkeit ist Griechenland immer noch Schlusslicht in Europa. Es wird die große Aufgabe für die neue Regierung sein, der griechischen Bevölkerung neue Lösungen im Kampf gegen die Krise anzubieten. Sonst dürfte auch unter den konservativen Wählern die in den letzten Wochen spürbare Euphorie schnell verblassen.

Griechenland am Wahltag
Michael Lehmann, ARD Istanbul
07.07.2019 15:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Juli 2019 um 13:00 Uhr.

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