Menschen stehen in einem Wahllokal Schlange | Bildquelle: REUTERS

Präsidentenwahl in Bolivien Nachwahlbefragung sieht Arce vorn

Stand: 19.10.2020 09:17 Uhr

Vor knapp einem Jahr war Bolivien nach der letzten Präsidentenwahl von heftigen Unruhen erschüttert worden. Der damalige Präsident Morales floh ins Exil. Bei den jetzigen Neuwahlen sieht eine Nachwahlbefragung nun seinen Vertrauten Arce vorn.

Nach der Präsidentenwahl in Bolivien am Sonntag wird ein offizielles Endergebnis erst in einigen Tagen erwartet. Sechs Stunden nach Schließung der Wahllokale waren nicht einmal drei Prozent der Stimmen ausgezählt, teilten Beamte mit.

Laut einer nach der Wahl in der Nacht zum Montag veröffentlichten Nachwahlbefragung des Meinungsforschungsinstituts Ciesmori im Auftrag des Fernsehsenders Unitel kommt allerdings der linksgerichtete Kandidat Luis Arce auf 52,4 Prozent der Stimmen und liegt damit weit vor seinem Hauptrivalen, dem konservativen Ex-Präsidenten Carlos Mesa mit 31,5 Prozent.

Um zu gewinnen, muss ein Kandidat entweder mehr als 50 Prozent der Stimmen oder 40 Prozent mit einem Vorsprung von mindestens zehn Prozentpunkten bekommen.

Präsidentenwahl in Bolivien
tagesschau 12:00 Uhr, 19.10.2020, Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro, zzt. Bolivien

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Bereits Glückwünsche für Arce

Die konservative Interimspräsidentin Jeanine Añez gratulierte Arce bereits zum Wahlsieg. Der versprach in einem Statement, das Land zu versöhnen. "Wir werden für alle Bolivianer regieren. Wir werden eine Regierung der nationalen Einheit aufbauen", sagte er. Arce betonte, er werde wieder sozialen Frieden herstellen und "einen Prozess des Wandels ohne Hass" einleiten.

Das Oberste Wahlgericht hatte noch am Samstag beschlossen, keine vorläufigen offiziellen Ergebnisse zu veröffentlichen - eine Vorsichtsmaßnahme, um Proteste zu vermeiden, wie es sie bei der letzten Wahl gegeben hatte.

Neuwahlen nach politischer Krise

Nach der Präsidentschaftswahl im Oktober vergangenen Jahres war Bolivien von heftigen Unruhen erschüttert worden. Schon die Kandidatur des damaligen Präsidenten Evo Morales war nach einem verlorenen Referendum über eine dazu notwendige Verfassungsänderung hoch umstritten. Morales brach sein Wort und setzte seine Kandidatur gegen das Wählervotum auf juristischem Wege durch. Später räumte er ein, dies sei ein Fehler gewesen.

Nach den Präsidentschaftswahlen warf die Opposition dem seit 2006 regierenden sozialistischen Präsidenten Wahlbetrug vor, Hunderttausende gingen auf die Straße. Morales bestand zunächst auf einem Sieg, doch die Wahl wurde annulliert und Morales musste angesichts von Massenprotesten und unter dem Druck der Armee zurücktreten. Er floh außer Landes.

Im Land kam es in der Folge zu Unruhen mit mindestens 36 Toten. Morales sprach von einem Putsch, die konservative Senatorin Áñez erklärte sich zur Übergangspräsidentin. Angesichts schlechter Umfrageergebnisse trat sie nicht zur jetzigen Wahl an.

Auch Morales, der im argentinischen Exil lebt, durfte nicht zur Wahl antreten. Statt ihm ging sein früherer Wirtschaftsminister Arce für die linke Regierungspartei MAS ins Rennen. Nicht nur in der Nachwahlbefragung, sondern auch in den meisten Umfragen vor der Wahl lag Arce bereits vor seinem konservativen Rivalen Mesa. Inzwischen gratulierte Morales Arce zum Sieg und sprach von einem "Fest der Demokratie".

Friedlicher Verlauf

Sollte eine Stichwahl zwischen den Kandidaten nötig werden, ist diese für den 28. November angesetzt. Die 7,3 Millionen Wahlberechtigten in Bolivien bestimmten parallel zur Präsidentenwahl auch die beiden Kammern des Kongresses neu, in denen derzeit die MAS die Mehrheit hat.

An zahlreichen Wahllokalen bildeten sich am Sonntagmorgen lange Schlangen, aufgrund der Corona-Pandemie ging es aber deutlich weniger belebt zu als bei früheren Wahlen. Die meisten Wähler schienen sich an die Corona-Vorgaben zu halten. Viele trugen Masken und hielten Abstände ein.

Vertreter der Europäischen Union und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) stellten in ersten Reaktionen den friedlichen Verlauf des Urnenganges heraus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2020 um 08:00 Uhr.

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