Soldaten der syrischen Armee in Harata in Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Waffenruhe für einen Teil Ost-Ghoutas

Stand: 23.03.2018 07:51 Uhr

Die syrische Regierung kommt ihrem Ziel näher, den letzten Widerstand der Aufständischen in Ost-Ghouta zu brechen. Übereinstimmenden Meldungen zufolge verkündete nun eine weitere Rebellengruppe eine Waffenruhe.

Die zweitgrößte Rebellengruppe in Ost-Ghouta, die Failak al-Rahman, hat nach Angaben von Aktivisten und dem Hisbollah-Sprachrohr Al-Manar TV eine Waffenruhe verkündet. Die Rebellen stellten das Feuer ab Mitternacht ein, um über ein Verlassen des Gebietes bei Damaskus zu verhandeln, berichteten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und Al-Manar TV. Die schiitische Hisbollah aus dem Libanon wird vom Iran unterstützt und kämpft in Syrien an der Seite der Truppen von Präsident Baschar al-Assad.

Die Failak al-Rahman äußerte sich dazu zunächst nicht. Sollte auch sie sich dazu entschließen, Ost-Ghouta zu verlassen, wäre die mächtige Dschaisch al-Islam die letzte dort verbliebene Rebellengruppe.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Armeeoffizier droht, Extremisten wollen weiterkämpfen

Ein Armeeoffizier forderte die verbliebenen aufständischen Kämpfer im staatlichen Fernsehen zur Kapitulation auf. "Wenn ihr nicht kapituliert, wird euch der Tod ereilen", drohte er.

Die Dschaish al-Islam in Duma teilte jedoch mit, sie sei entschlossen, weiterzukämpfen, obwohl die syrische Armee mit Unterstützung Russlands bereits 70 Prozent von Ost-Ghouta eingenommen hat. Das Gebiet östlich der Hauptstadt Damaskus umfasst mehrere Städte und Ackerland. Die Extremisten beschossen von dort aus die Hauptstadt. Der Kampf um dieses Gebiet entwickelte sich zu den heftigsten Schlachten des seit sieben Jahren dauernden Bürgerkrieges. Mehr als 1500 Menschen starben im Hagel von Bomben, Granaten und Raketen.

Syrer gehen an einem zerstörten Gebäude in der Rebellen-Region Ost-Ghouta vorbei. | Bildquelle: AFP
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Zerstörungen in Ost-Ghouta. Die syrische Armee hat mit Unterstützung Russlands bereits 70 Prozent der Enklave eingenommen.

Tausende fliehen aus Rebellengebieten

Dennoch kommt die syrische Regierung somit ihrem Ziel näher, den letzten Widerstand der Aufständischen im Gebiet von Ost-Ghouta zu brechen. Aus der schwer zerstörten und belagerten Stadt Duma flohen Berichten zufolge Tausende Zivilisten in die von der Armee kontrollierten Gebiete. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sind mehr als 5000 Menschen aus Duma geflohen, der bevölkerungsreichsten Stadt im Gebiet von Ost-Ghouta.

Auf der Internetseite des Ministeriums waren Bilder einer Webkamera zu sehen, die Liveaufnahmen von Al-Wafidin zeigen sollen, dem Übergang von Duma in das Regierungsgebiet. Dort war zu sehen, wie innerhalb weniger Minuten Dutzende Menschen auf einer schmutzigen Straße entlanglaufen. Einige schleppten ihre Habseligkeiten, andere trugen Kinder oder schoben Karren.

Oppositionskämpfer ziehen aus Harasta ab

Kurz zuvor hatten schon Hunderte Oppositionskämpfer der extremistischen Gruppe Ahrar al-Scham damit begonnen, die belagerte Stadt Harasta zu verlassen. Sie hatten am Vortag die Aufgabe der Stadt gegen freies Geleit in das Gebiet Idlib ausgehandelt. Ingesamt sollen 1500 Kämpfer mit 6000 Familienangehörigen die Stadt verlassen.

Nach Einbruch der Dunkelheit verließen 30 Busse mit rund 1600 Rebellen und ihren Familienangehörigen Harasta. Auftakt der Evakuierungsaktion bildete ein Gefangenaustausch. Die Aufständischen hätten 13 Soldaten übergeben und die Armee fünf Rebellen, teilte die Hisbollah-Miliz mit.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell Nachrichten am 23. März 2018 um 17:22 Uhr.

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